Selbstbestimmtes Abstillen

abstillen, stillen, mama blog

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Mein geliebtes kleines Engelchen,

nun bist du mittlerweile etwas mehr als 14 Monate „alt“ und die Zeit, seit es dich außerhalb meines Bauches gibt, rennt mir Hand in Hand mit dir förmlich davon.

Heute hast du ganz urplötzlich einen zweiten riesen Schritt – nach den Meilensteinen der Beikosteinführung – durch deine schier unstillbaren Gier nach neuen Geschmackserfahrungen und dem Laufenlernen, durch deinen unermüdlichen Geist und deinen stets anwesenden Hummeln im Hintern – Richtung Abstillen und groß werden gemacht:

Wie immer habe ich dich mit viel kuscheln,  singen, Faxen machen und Knutschen bettfertig gemacht und wie immer rüber ins Schlafzimmer zum Familienbett alias Kuschelparadies getragen. Mit Nachtlicht und Spieluhr hast du wie immer begonnen zu stillen und noch bevor das 5 minütige Lied vorbei war, warst du, mein kleiner Schnelltrinker, wie immer schon wieder fertig und hast nach einer Position zum Schlafen gesucht. Allerdings nicht wie gewohnt an deinen Möppies, sondern neben mir…und weil ich dachte, du würdest wie immer auch gleich wieder zu ihnen zurückkehren, habe ich leise neben dir gewacht und gewartet. Du hast einige Zeit nach einer schönen Schlafposition gesucht, dich hin und her geworfen, ab und zu in meine Arme, dann wieder zurück…hast geschaut, ob ich noch da bin…und nach gerade mal 30 Minuten hörte ich plötzlich, mit einigen Zentimetern Abstand zwischen uns, dein selig ruhiges Atmen….und konnte meine Tränen nun kaum mehr zurück halten…

Ich gab dir wie immer einen dicken, aber vorsichtigen Kuss und sagte dir, wie sehr ich dich liebe, ging raus und schloss die Türe besonders leise, um dir deinen Erfolg ja nicht zu vermiesen – egal wie gerne ich jetzt wollte, dass du mich doch brauchst!

Nun sitze ich hier auf der Couch und kenne eine erneute Steigerung der Achterbahnfahrt einer Mama, die so einige Tiefen voller Trauer birgt, weil das Mutterherz manchmal nicht anders kann als über den Fortschritt des eigenen Kindes betrübt zu sein und dann wieder den ungeahnten Höhen, die Mutterliebe erreichen kann, wenn das Herz vor Liebe und Stolz überquillt. Noch weine ich bittere Tränen wegen ersterem, doch bald wird es umgekehrt sein, mein kleiner Schatz, versprochen! Denn eigentlich war ja heute alles wie immer, nur du bist gerade enorm gewachsen.

Damit ihr versteht, warum mich dieses Ereignis zwischen meinem Sohn und mir so berührt, muss ich etwas weiter ausholen und euch von unserer Stillbeziehung erzählen. Als Erstlingsmama glaubt man ja prinzipiell erstmal denen, die den Anschein machen Ahnung zu haben und auch ich habe auf das Wissen der Säuglingsschwestern, Ärzte & Co. blind vertraut. Erschwerend hinzu kam die körperliche und seelische Erschöpfung durch die Geburt unseres Sonnenscheins. Jedenfalls waren wir noch im Krankenhaus in der Zufütterungsfalle gelandet. Und ganz der Papa, ist es auch bei unserem, kleinen Schlafbärchen schwierig gewesen, ihn wach zu bekommen und danach noch solange wach zu halten. Dementsprechend langsam stieg sein Gewicht an und auch Zuhause wurde es leider nicht anders. Im Gegenteil: Wegen meiner aufgeplatzten Kaiserschnittnarbe, musste ich erneut ins Krankenhaus und wegen einer Infektion das Stillen einstellen. Dabei hatte ich mir felsenfest vorgenommen, ihn solange zu stillen wie nur möglich. Ich war am Boden zerstört und meine Narbe wollte und wollte nicht verheilen. Mein armer Spatz spuckte uns die doofen Flaschen samt Inhalt immer noch entgegen und langsam machte man uns wegen seinem Gewicht Druck.

Aber dem ganzen Elend zum Trotz, als wollte er mir zeigen „Mama, gib uns nicht auf“ dockte er direkt beim ersten Versuch nach der letzten Antibiotika -Infusion wieder an, als wäre nichts gewesen und mir flossen die Freudentränen.
Nach 2 Wochen Krankenhaus also hatte ich die Hoffnung, Zuhause dann endlich den Dreh herauszubekommen. Doch leider war uns das Glück nicht hold und er nahm zu und ab mit lediglich 20-40 Gramm. Dann nahm meine Hebamme das Zungenbändchen meines Sohnes ins Visier und sie vereinbarte einen Termin beim Chefarzt einer Kinderklinik und tatsächlich: Nicht nur hatte der junge Mann nun immense Kraft beim Trinken nach dem Durchtrennen des Bändchens, sondern es kam auch endlich die gewünschte und benötigte Zunahme. Danach lief unsere Stillbeziehung tadelos weiter, mit knapp 5 Monaten begannen wir mit einer Mischung aus BLW und Brei und bis zum 11 Monat war es wunderschön zwischen uns. Bis ein erneuter langer und schwerer Krankenhausaufenthalt wieder alles zunichte machte. Denn am Ende war ein abruptes und schmerzhaftes Abstillen und zwanghaftes Umstellen auf ausschließlich „normales Essen“  und 4 Tage ohne Kontakt zu meinem Engel das Ergebnis. Er war so unheimlich tapfer als wir uns wiedersahen und akzeptierte, dass nicht-stillen-können durch dicke Pullover und Schal etc. Und auch hiernach, wie durch ein Wunder war er wieder nach meiner Entlassung einzigartig in seiner Reaktion: Ich kam nach Hause, setzte mich zu meinen beiden Männern auf’s Bett und das Erste, was Minimann tat: T-Shirt hoch schieben und auf’s Dekolleté klatschen – sein Zeichen für „ich möchte Möppies“ – Überglücklich sind wir stillend und verkuschelt eingeschlafen. Und ihr könnt euch meine Erleichterung sicher denken und diese ganze Berg -und Talfahrt ist der Grund für meine grenzenlose Rührung über den anfangs beschriebenen Abend.

Was waren bisher eure emotionalsten Momente als Mama /Papa/Eltern ?

Wann haben denn eure Minis angefangen, sich selbst bestimmt abzustillen?

Ich wünsche euch noch eine lange und glückliche Stillbeziehung mit euren Kindern!

Danke fürs Lesen.

Eure Carina