Freundschaften ändern sich

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Ich hätte es ja nie gedacht, aber Freundschaften ändern sich mit dem Beginn einer Mutterschaft, manchmal auch schon mit dem Beginn der Schwangerschaft. Bei mir war es so und bei vielen anderen ist es leider auch so. Bevor ich ein Kind hatte, habe ich viele Sachen anders gesehen, wollte anders erziehen, bewusst erziehen, streng erziehen. Ja, ich wollte wirklich erziehen, jetzt muss ich darüber ja schon ein bisschen schmunzeln.
Ich ging sogar so weit, dass ich gesagt habe, ich würde „so ein Baby“ auch schreien lassen. Denn man muss ja nicht gleich springen, wenn so ein kleiner Mensch irgendetwas will. Da erlag ich aber noch nicht den Hormonen und meinem besseren Wissen, welches ich mir angeeignet habe. Man sollte kleine Babys überhaupt nicht schreien lassen! Ein Baby schreien zu lassen grenzt an Körperverletzung und ist einfach nur ganz, ganz schrecklich. Aber wie soll man das jemandem erklären, der noch kein Kind hat? Der es nicht anders kennt? Wie soll derjenige das überhaupt verstehen? So ist es normal, dass Konflikte entstehen und dass man dann auf einmal die Worte der besten Freundin nicht mehr nachvollziehen kann.
Doch nun von Anfang:
Ja, wir waren beste Freundinnen. Wir kannten uns zwar erst 3 Jahre bis ich schwanger wurde, hatten aber eine sehr intensive und schöne Zeit. Ich möchte keine Sekunde missen. Sie stand mit mir die tiefsten Tiefen durch und erlebte mit mir meine bis dato höchsten Höhen.
Doch schon im Verlauf der ersten Schwangerschaft veränderte sich unsere Freundschaft. Ja, ich war ekelhaft, mein Mann und meine übrig gebliebenen Freundinnen (ja, die gibt es auch) können das bestätigen. Die erste Schwangerschaft war hormonell gesehen eine Zumutung, ich hatte mich nicht im Griff und wurde sogar richtig depressiv. Mit der Geburt pendelten sich meine Launen zum Glück wieder ein und ich hatte sogar eine zweite wunderschöne Schwangerschaft. Diese erlebte ich aber ohne meine damalige beste Freundin.
Wenn ich die Zeilen jetzt so niedertippe, schmerzt es ganz schön, denn mir wird wieder bewusst, dass sie nicht mehr da ist, kein Teil mehr meines Lebens ist. Ja, es tut weh, eine gute Freundin verloren zu haben, doch ich habe keinen Weg mehr gesehen, diese Freundschaft aufrecht zu erhalten. Die Freundschaft hat sich verändert.
Kurz nach der Geburt war sie wundervoll und war für mich da. Auch im Wochenbett stand sie mit mir eine zwei Wochen andauernde Migräne durch und begleitete mich zu Frauenarztterminen, obwohl es ihr selbst nicht gut ging. Sie stecke sowieso viel zurück. Für mich steckte sie zurück. Sie liebte meinen Sohn wie ihren eigenen. Das habe ich gespürt.
Der Kleine wurde langsam größer und ich plante ziemlich genau. Es gab regelmäßige Schlafenszeiten; er wurde lange voll gestillt, auch nachts alle 2 Stunden und nahm zu meinem Leidwesen weder Nuckel noch Flasche.
Da kamen dann auch die Worte, dass er sie schon nehmen würde, wenn er richtig Hunger habe. Ich solle doch nicht gleich springen, wenn er weint und so weiter. Ja, ich weiß jetzt, dass sie nur mein Bestes wollte, aber ich wollte doch das Beste für mein Kind. Sie konnte es nicht verstehen, was ich tat, wie ich handelte.
Und wir entfernten uns immer weiter, veränderten uns. Ich war barsch zu ihr und sagte ihr, dass sie das alles nicht wissen könne, weil sie ja kein Kind hat. Im Nachhinein denke ich, das hat sie sehr verletzt.
So waren wir beide verletzt, ich, weil sie meinen Umgang mit dem Baby nicht guthieß und sie, weil ich sie nicht mehr an mich ranließ. Keine Hilfe zuließ.
Jetzt, mit dem zweiten Kind bin ich weitaus entspannter, doch das erlebt sie nicht mehr mit. Wir haben keinen Kontakt mehr. Ich habe den Kontakt beendet, nachdem ich unzählige Male ein Gespräch führen wollte und dies nie zustande gekommen war. Ich konnte nicht mehr. Ja, es tat verdammt weh, diesen Schritt zu gehen und auch heute gibt es Tage, an denen es noch immer weh tut und ich sie noch immer vermisse, denn ich teilte mein Herz mit ihr, meine Gedanken, Gefühle, alles was mich ausmachte.
Freundschaften ändern sich oder brechen sogar auseinander. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Konntet ihr Freundschaften trotz unterschiedlicher Ansichten aufrecht erhalten?
Eure Franzi