Geborgener Babyschlaf

mama blog, baby durchschlafen, baby schlafrhytmus
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Jeden Abend begleite ich mein Baby in den Schlaf. Ich lege mich mit meiner Tochter hin, wir stillen, wir kuscheln, manchmal trage ich sie und singe. Ich halte ihre kleinen Händchen oder lasse sie unentwegt meinen Arm streicheln. So lange, bis die Bewegungen langsamer und der Atem tiefer werden. So lange, bis mein Baby schläft. Nicht nur abends, auch bei den Schläfchen tagsüber muss meine Tochter nicht alleine einschlafen, auch wenn das abendliche Einschlafen vor der Nacht eine ganz besondere Atmosphäre hat.
Aber warum mache ich das alles? Gibt es doch (leider) Menschen und Bücher, die jungen Eltern weismachen, dass Babys schlafen lernen müssten – Alleine. Ein Baby solle sich alleine beruhigen können. Ich frage mich, muss ein Baby das können?
Betrachtet man das Thema Babyschlaf aus evolutionsbiologischer Sicht, wird schnell deutlich: Menschenbabys sind nicht dafür gemacht, alleine ein- und durchzuschlafen. Die Urmenschen (und auch die Naturvölker heute noch) lebten draußen ohne schützende Häuser. Es gab wilde und gefährliche Tiere, Kälte, Unwetter, Hitze und noch andere potentielle Gefahren für ein Menschenbaby. Legte man einen Säugling alleine ins Gras, abseits von der Feuerstelle, gab es immer das Risiko, dass der Säugling das nicht überleben würde. Daher stellt sich hier die Frage überhaupt nicht, ob ein Baby alleine (ein)schlafen muss. Es ist liegt in der Natur des Menschen, gemeinsam zu schlafen.
Nun leben wir heute in Häusern und sind so vor vielen ursprünglichen Gefahren geschützt. Wir Erwachsene wissen das, ein Säugling nicht. Säuglinge sind ursprünglich. Für sie ist klar: Alleine sein ist gefährlich, Nähe zu Bezugspersonen ist die Lebensversicherung.
Aus psychologischer Sicht frage ich mich: Wann können wir gut (ein)schlafen? Welche Bedingungen müssen herrschen? Zunächst müssen alle Grundbedürfnisse befriedigt sein. Ich muss satt, meine Blase leer, der Raum richtig temperiert sein. Aber sind das die einzigen Grundbedürfnisse? Um zur Ruhe zu kommen, muss ich mich sicher fühlen. Wenn ich darüber nachdenken muss, ob ich den Herd ausgemacht habe, werde ich nicht gut schlafen können. Ich als erwachsene Person kann in so einem Fall aufstehen und mich versichern, dass ich mich in Sicherheit befinde. Ein Baby kann das nicht. Ein Baby braucht die Nähe seiner Bezugsperson, um sich sicher fühlen zu können. Da, wo Mama und Papa sind, kann ihm nichts passieren.
Mein Mann ist beruflich öfter unterwegs und auch über Nacht nicht Zuhause. Ich bin 28 Jahre alt, aber ich schlafe nachts sehr schlecht, wenn er nicht Zuhause ist. Unser Bett ist dann viel zu groß und kalt. Meine Bezugsperson fehlt mir. Obwohl ich eine erwachsene Frau bin, die kognitiv in der Lage ist, sich selbst zu beruhigen schlafe ich in diesen Nächten nicht gut. Wie schwer muss es dann einem Baby fallen, alleine zu schlafen?
Auch niedere Bedürfnisse können den Schlaf behindern. Unbequemes Liegen, zu hell, zu dunkel, zu laut, zu warm oder zu kalt, Durst. Als erwachsene Person kann ich mich selbst aus meiner misslichen Lage befreien, aber ein Baby ist immer auf Hilfe angewiesen. Ja, auch ich als erwachsene Frau wache nachts mehrmals auf, weil ich durstig bin oder mir zu heiß ist. Ich schlafe also immer noch nicht durch.
Der letzte und für mich sehr wichtige Gedanke zum Thema Babyschlaf: Unsere Babys haben neun Monate im Bauch der Mutter verbracht. Sie haben uns 24 Stunden lang mit allen Sinnen wahrgenommen. Babys können schon im Mutterleib schmecken und riechen, wobei diese beiden Sinneseindrücke sehr nahe beieinander liegen. Das Fruchtwasser einer jeden Mama schmeckt unterschiedlich, jedes Baby macht hier seine ganz individuellen Sinneserfahrungen. Es hört 24 Stunden lang den Herzschlag und die Bauchgeräusche der Mutter, oft auch ihre Stimme und ab und zu auch die Stimme vom Papa. Es kann seine Mama rund um die Uhr spüren, spürt ihre Bewegungen und wird sanft geschaukelt. Das ist die gewohnte Lebenswelt eines Babys, in der es sich sicher und geborgen fühlt. Wir Menschen sind Gewohnheitstiere, Neues macht uns oft Angst, vor allem dann, wenn wir kognitiv nicht verstehen können, was und warum sich es gerade ändert.
Bei der Geburt verlässt das Baby seine gewohnte Lebenswelt und betritt eine neue, in der alles fremd ist, bis auf eines – seine Mama. Wir sind gerade am Anfang die einzige Konstante im Leben unseres Babys. Aber auch, wenn das Baby ein bisschen älter ist, sind wir als Mama der bekannte Bezugspunkt, an dem es sich sicher und geborgen fühlt. Natürlich kann im Laufe der Zeit auch der Papa zu diesem Bezugspunkt werden und soll es sogar, aber es wird auch immer wieder Phasen geben, in denen nur die Mama geborgenen Babyschlaf ermöglichen kann.
Ich habe mir vor der Geburt meiner Tochter niemals Gedanken über geborgenen Babyschlaf gemacht. Es war einfach mein Gefühl, dass dazu geführt hat, dass meine Tochter bei uns schläft und wir sie einschlafbegleiten. Es fühlt sich richtig und natürlich an. Erst später habe ich mich auf die Suche nach rationalen Argumenten gemacht, da mir immer öfter Mamas begegnen, die unter dem Druck stehen, dass ihr Baby nicht alleine einschlafen mag und auch nicht durchschläft.
Es gibt natürlich immer Ausnahmen und auch Babys, die früh alleine ein- und durchschlafen, das ist genauso in Ordnung. Aber es sollte viel mehr ins Bewusstsein rücken, dass das eben nicht der Regelfall ist. Es ist völlig normal und natürlich, wenn Babys und Kleinkinder das nicht tun. Die Eltern eines solchen Kindes machen nichts falsch. Im Gegenteil, sie ermöglichen es ihrem Kind, sich artgerecht zu entwickeln.
Dass das auch immer mal wieder anstrengend sein kann, will ich gar nicht leugnen. Auch ich ertappte mich manchmal bei dem Wunsch, jetzt einfach aufstehen und Feierabend machen zu können, wenn ich wieder eine Stunde mit meiner Tochter im Bett liege und sie beim Einschlafen begleite. Aber das sind immer nur kurze Momente. Je weniger Druck ich mir mache, desto leichter kann ich mit diesen anstrengenden Momenten umgehen. Akzeptiert es so, wie es ist. Akzeptiert euer Kind so, wie es ist, und euch so, wie ihr seid. Macht euch diese für euch gerade anstrengenden Momente so angenehm wie möglich.
Ich lese z.B. immer auf meinem Ebook-Reader, wenn meine Tochter zwar schon schläft, aber noch nicht tief genug, damit ich aufstehen kann. Das ist meine persönliche und gemütliche Lesezeit. So kann ich mich entspannen und mein Baby findet geborgen in den Schlaf. Diese Wechselbeziehung ist übrigens auch sehr wichtig, was den Babyschlaf angeht. Bin ich gestresst und in Gedanken nur dabei, mich zu fragen, wann mein Baby endlich einschläft, spürt meine Tochter das. Sie wird auch unruhig und dadurch dauert es länger, bis sie zur Ruhe kann, was mich wieder stresst.
Deswegen, liebe Mamas, versucht, den Druck aus dieser Situation zu nehmen. Nehmt es an, wie es ist, denn so ist es für euch gerade richtig.
Wie geht es euch beim Thema Babyschlaf? Seid ihr diesem Druck auch schon mal begegnet, vielleicht auch von außen? Wie geht ihr damit um?
Lasst uns gerne an euren Erfahrungen teilhaben,
Eure Laura