Lernen durch Rollenspiele

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Unsere Tochter liebt seit jeher Rollenspiele. Ich erinnere mich an ihr zweites Weihnachtsfest. Sie war 18 Monate alt und ich hatte das erste Mal eine wunderschöne Holzkrippe mit den dazugehörigen Figuren aufgebaut. Plötzlich begann sie, die Tiere zu bewegen und sprach dabei. Sie öffnete die kleine Holztür an der Rückwand der Krippe und ließ die Tiere rein und raus laufen. Sie setzte die Tiere auf das Dach und gab Maria ihr Baby in den Arm. Mich band sie in ihr Spiel mit ein. Ich erinnere mich daran, dass es einer der bis dahin schönsten Momenten seit ihrer Geburt war, so ein Moment, wie ich ihn mir immer vorgestellt und gewünscht hatte.

Von da an wurden ihre kleinen Spiele immer häufiger und komplexer. Am wichtigsten war ihr dabei immer die Familienkonstellation – egal, mit welchen Figuren sie spielte: Es mussten Vater, Mutter, Baby, Oma, Opa, manchmal auch Tanten, Onkel und Freunde dabei sein.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann es mir das erste Mal aufgefallen ist. Ich glaube es war, als unsere Tochter mitbekam wie ein Kind einem anderen Kind etwas weg nahm und in die eigene Taschen steckte. Wochenlang drehte sich bei ihren Rollenspielen alles nur um dieses Thema. Einer nahm dem anderen etwas weg und wurde dann darüber aufgeklärt, dass man dies nicht darf. Ich weiß nicht, wie oft ich diese Situation nachspielen musste (hier habe ich das Rollenspiel mehr als einmal verflucht), doch ich dachte mir, es wird schon einen Sinn haben. Noch deutlicher wurde es, nachdem sie eine Blasenentzündung hatte und wir beim Arzt gewesen, sie untersucht werden musste und Antibiotika verschrieben bekam. Sämtliche Figuren oder Kuscheltiere bekamen Blasenentzündung, sie mussten zum Arzt, wurden untersucht, bekamen Antibiotika verschrieben. Selbst der Weg zur Apotheke wurde nach gespielt. Drei Wochen lang, gab es kein anderes Spielthema – dann war es plötzlich abgehakt und ich dachte mir: „Okay, jetzt hat sie es scheinbar verarbeitet.“

So hat sie immer aktuelle Themen, die sie in ihre kleine Spielwelt mit einbaut, um sie dadurch für sich selber besser begreifbar zu machen. Auch hierbei lernt sie also wieder, auf ihre ganz eigene Art und Weise.
Manchmal denke ich mir schon: Nicht wieder das gleiche Spiel, empfinde es als sinnlos oder gar Zeitverschwendung. Ich komme in die Versuchung, ihr einen anderen Spielvorschlag zu machen.

Für sie jedoch hat jede ihrer Handlungen einen Sinn. Lernen geht am besten durch Wiederholungen. Sie braucht mich momentan noch als Spielpartner /in im Rollenspiel, um zu lernen, wie verschiedenste Charaktere in verschiedensten Situationen miteinander kommunizieren können. Wie man ausdauernd streiten, oder einen Kompromiss eingehen kann. Wie man sich begrüßen oder verabschieden kann. Die Möglichkeit, sich für etwas zu bedanken. Es ist also gar nicht notwendig, unserer Tochter bestimmte Verhaltensmuster „an zu trainieren“. Sie lernt sie ganz von alleine – im Spiel.

Es wird eine Zeit kommen, in der ich bei manchen Spielen nicht mehr erwünscht sind, von daher genieße ich die gemeinsame Zeit, stelle andere Dinge hinten an, um die dritte oder vierte Babypuppe am Tag auf die Welt zu bringen.

Was für Rollenspiele sind bei Euch gerade angesagt und müssen diese auch immer wieder gespielt werden? Ich bin gespannt!

Eure Rebekka