Was tun, wenn das Baby fremdelt?

Fremdeln bei baby reife

Fremdeln bei baby reife

Fremdeln, Acht-Monats-Angst, Trennungsangst – Es gibt viele Namen für das Phänomen, von dem früher oder später fast jedes Baby betroffen ist. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem selbst das freundlichste Baby plötzlich abweisend oder gar ängstlich auf fremde Personen reagiert. Manchmal werden sogar bekannte Personen wie Oma und Opa abgelehnt, was besonders oft zu Verwirrung führt. Was steckt hinter dem Verhalten unserer Babys? Was tun, wenn das Baby fremdelt?

Es ist ganz unterschiedlich, wie sich das Fremdeln bei einem Baby äußert. Das eine Baby erstarrt, das andere dreht seinen Kopf weg von der unbekannten Person, das nächste weint und drückt sich an seine Mutter. Auch die Personen, die das Fremdeln auslösen, können sehr verschieden sein. Manche Babys reagieren nur auf Männer, wenn diese das Baby freundlich anschauen. Andere weinen schon, wenn eine fremde Person in ihrem Beisein Mama oder Papa anspricht. Es kann auch sein, dass das Baby plötzlich nicht mehr bei bisher bekannten Personen sein möchte und z.B. weint, wenn die Oma oder der Onkel es halten. Manchmal passiert es auch, dass das Baby sich erst völlig zufrieden mit einer anderen Person beschäftigt und dann plötzlich während des Spiels anfängt, zu fremdeln und zurück zur Mama möchte.

Auch wenn diese Phase manchmal sehr anstrengend für alle sein kann, die gute Nachricht ist, dass das Fremdeln ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Babys ist. Es kann nun zwischen bekannt und unbekannt unterscheiden. Hier spielen nicht mehr nur das Aussehen, die Stimme und der Geruch einer Person eine Rolle, sondern auch immer mehr ihr Verhalten. Babys in dieser Entwicklungsphase sind vertraut mit ihren Bezugspersonen, sie wissen, wie ihre Mama oder Papa spricht, schaut, reagiert. Es kann seine Bezugspersonen verstehen und „lesen“, genau wie die Bezugspersonen umgekehrt das Baby sehr gut kennen. Bei fremden Personen funktioniert das schon nicht mehr so gut, die Verhaltensmuster sind anders und ungewohnt. Das Fremdeln zeigt uns also, dass unser Baby in der Lage ist, Verhaltensmuster zu erkennen und zu unterscheiden. Das ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Sozialkompetenz. Darüberhinaus kann das Baby Verhaltensmuster nicht nur unterscheiden, sondern auch entscheiden, ob es sie gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm findet. Es entwickelt ein Gefühl dafür, womit es sich wohl oder unwohl fühlt und was es tun kann, wenn es sich in einer sozialen Interaktion unwohl fühlt: zurück zu Mama oder Papa. Es entwickelt ein Gefühl für (angenehme) Nähe und Distanz. Dieses Gefühl ist eine wichtige Grundlage für jede weitere soziale Entwicklung.

Wie sollten wir mit dem Fremdeln umgehen?

Der wichtigste Punkt ist Akzeptanz. Fühlt ein Baby sich unwohl oder hat sogar Angst, ist es sehr wichtig, diese persönliche Grenze zu akzeptieren und das Baby in dieser Situation zu unterstützen. Niemals sollte ein Baby dazu gezwungen werden, bei jemandem auf dem Arm zu sein, bei dem es offensichtlich nicht sein möchte, auch wenn der Onkel oder die Oma es noch so gerne hätten. Natürlich ist die Ablehnung in diesem Moment nicht schön, aber wir wissen, dass es keine persönliche Ablehnung, sondern ein wichtiger Entwicklungsschritt ist. Damit können sich Onkel und Oma trösten bis die Fremdelphase vorbei ist und das Baby wieder gerne mit ihnen spielt. Wir alle möchten, dass unsere Babys später, wenn sie älter sind, (körperlich) nichts mit sich machen lassen, das sie nicht möchten, sei es im Spiel oder im Ernstfall. Damit unsere Babys ein stabiles Körpergefühl und eine richtige Einschätzung von Nähe und Distanz haben, können wir schon in der Fremdelphase den Grundstein legen und auch hier die (körperlichen) Grenzen akzeptieren.

Manchmal müssen wir Eltern in diesen Momenten beide Seiten trösten, das Baby und den „abgewiesenen“ Verwandten,

aber es ist wichtig, dass wir für unser Baby einstehen, wenn seine persönliche Wohlfühlgrenze vielleicht auch unbewusst überschritten wird.

Bekommen wir Besuch oder kommen zu jemand anderem nach Hause und das Baby fühlt sich unwohl, kann es schon sehr helfen, wenn es erstmal aus sicherer Entfernung, z.B. auf dem Arm der Mama, den Besuch oder die neue Umgebung erkunden kann. Der Besuch kann sich auch erst in einigem Abstand mit auf die Spieldecke setzen und ist einfach nur da und lässt das Baby machen. Meistens taut das Baby nach seiner eigenen Zeit auf und geht von sich aus auf die Person zu.

Auf jeden Fall sollten wir Mamas und Papas unserem Baby in Fremdel-Situationen immer das Gefühl geben, dass wir da sind und es jederzeit Zuflucht bei uns finden kann. Das können wir erreichen, wenn wir es auf unserem Arm tragen, bis es sich wohl fühlt, wenn wir in Sicht- oder in Hörweite bleiben und auf die Signale des Babys achten und schnell reagieren.

Wie habt ihr die Fremdel-Phase mit eurem Baby erlebt? Habt ihr besondere Tipps, die euch und eurem Baby geholfen haben?

Eure Laura