Kinder zweisprachig erziehen

bilinguale erziehung

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Mein zweijähriger Sohn wächst zweisprachig auf. Ich habe mir vorher sehr viele Gedanke darüber gemacht, wie ich dies umsetzen möchte. Es gibt viele Eltern, die nicht die gleiche Muttersprache haben und sich wohl auch die Frage stellen, wie sie ihr Kind zweisprachig aufwachsen lassen können, damit ihr Kind davon profitieren kann.

Ich spreche mit meinem Sohn ausschließlich Englisch, wobei Englisch nicht meine Muttersprache ist. Meine Muttersprache ist Deutsch. Ich habe eine Zeit lang in der Vereinigten Staaten von Amerika gelebt. Zudem habe ich Englisch für Grundschullehramt studiert. Mir wurde auch schon von vielen Muttersprachlern bestätigt, dass man es mir kaum anmerkt, dass ich Deutsche bin.

Jeden Tag stoßen wir aber an verschiedenen Stellen auf viele Vorurteile:

„Wenn ich mit dem Jungen nur Englisch spreche, dann lernt er niemals Deutsch.“

„Er wird in der Schule ganz starke Probleme bekommen, wenn er kein Deutsch kann.“

Die Bedenken in unserem Umfeld waren anfangs sehr groß. Die schlimmsten Szenarios wurden sich ausgemalt.

Ich blieb damals ganz locker. Ich wollte mich nicht von der Angst anstecken lassen. Selbstverständlich habe ich mich auch mit diesem Aspekt sehr intensiv beschäftigt. Schließlich sind Nachteile beim zweisprachigen Aufwachsen für Kinder durchaus gegeben, da sie zwei Sprachen lernen, jedoch keine der Sprachen perfekt beherrschen.

Mittlerweile zeichnet sich genau das ab, was ich mir überlegt hatte. Mein Sohn hat einen sehr großen passiven Englischwortschatz. Das bedeutet, dass mein Sohn alles versteht, wenn ich mit ihm spreche. Allerdings spricht er nicht sehr viel Englisch. Es gibt die ein oder anderen Wörter, die er mir gegenüber äußert. Es wird allmählich mehr. Aber als bevorzugte Sprache hat er sich Deutsch ausgesucht. Meiner Meinung eine sehr clevere Idee, da Deutsch ihn in seinem Leben mehr begleitet. Bei der Tagesmama und auch dem Kindergarten wird Deutsch gesprochen. Der Papa, Omas und Opa, Tante und Onkel usw. unterhalten sich mit ihm auch auf Deutsch.

Wenn ein Kind zweisprachig aufwächst, kann es passieren, dass es länger dauert bis das Kind beginnt zu reden. Manchmal bis zum 3. Lebensjahr. Das kann ich persönlich nicht bestätigen. Mein Sohn spricht mit seinen 2 Jahren schon 3-5 Wort Sätze und hat einen unglaublich großen, aktiven Wortschatz auf Deutsch.

Zugegeben, zweisprachig aufwachsende Kinder haben erst mit 5 Jahren den gleichen Sprachentwicklungsstand wie einsprachig aufwachsende Kinder. Die Sprachentwicklung kann verzögert sein. Allerdings sind sie mit 5 Jahren dann in zwei Sprachen schon fast kleine Profis.

Es gibt, meinem Verständnis nach, drei essentielle Dinge zu beachten damit das zweisprachige Aufwachsen eines Kindes gut gelingen kann.

  1. Mindestens auf muttersprachlichem Level Sprechen Sie nur mit ihrem Kind eine andere Sprache, wenn sie diese als Muttersprache sprechen oder annähernd auf einem muttersprachlichen Level beherrschen. Warum das so wichtig ist? Kinder lernen eine Sprache über Lernen am Model. Sie sind das Model an dem sich ihr Kind ein Beispiel nimmt. Kinder können allerdings noch nicht unterscheiden, was ein gutes oder schlechtes Model ist. Ihr Kind wird eins zu eins ihre Aussprache, Grammatik und andere sprachliche Eigenheiten ihrerseits übernehmen. Leider übernimmt ihr Kind auch zwangsläufig ihre Fehler, sollten sie welche machen und nimmt diese Fehler als richtig an. Es lernt also eine Sprache falsch, was schwerwiegende Folgen haben kann, da sich solche erlernten Fehler nur schwer wieder rückgängig machen lassen, sobald sie einmal gefestigt worden sind.
  2. Ein Elternteil – Eine Sprache Das ist sie sogenannte 1 und 1 Regel. Darunter ist zu verstehen, dass die Mutter oder der Vater mit dem Kind nur in einer Sprache kommuniziert. Es sollte strikt eingehalten werden. Ein „Codeswitching“, dass hin- und herspringen zwischen den Sprachen, wenn man mit dem Kind spricht, ist meiner Meinung nach absolut zu vermeiden. Die Kinder verwirrt es sehr. Sie sind sich nicht sicher in welcher Sprache sie antworten sollen. Das resultiert aus dem Umstand, dass die Kinder noch nicht so sicher in der Sprache/den Sprachen sind. Sie bauen sich gerade ein Verständnis von der Sprache auf. Wenn die Eltern die Sprachen mischen, mit der das Kind angesprochen wird, resultiert das in einer sogenannten Sprachverwirrung des Kindes. Sprachverwirrung kann zu verzögerter Sprachentwicklung/Sprechen führen, plötzlicher Verstummung, Stottern oder auch keiner klaren Trennung bzw. Verständnis zwischen den Sprachen (Sprachvermischung).
  3. Konsequenz Für die Sprachentwicklung des Kindes ist es nicht wichtig in welcher Sprache sich Mutter und Vater unterhalten. Jedoch sollte jeder Elternteil konsequent bei einer Sprache bleiben mit der er bzw. sie das Kind anspricht.

Mich würde brennend interessieren, wie es andere Familien machen. Erzieht ihr zweisprachig? Habt ihr euch bewusst gegen Zweisprachigkeit entschieden? Welches Modell hat sich bei euch bewährt?

Eure Vanessa