Beim Zweiten wird alles anders

zwei Kinder hintereinander

zwei Kinder hintereinander

Beim Zweiten wird alles anders, das hab ich so ziemlich von jedem gehört, dem ich von meiner erneuten Schwangerschaft erzählt habe. Einer dieser vielen Sätze, über die ich innerlich die Augen verdreht habe. Natürlich wird beim Zweiten vieles anders. Wie sollte es das nicht? Es ist ein ganz neues Kind, ein ganz anderes Kind! Vor allem starten wir als Eltern mit einer ganz anderen Ausgangssituation und mit einem anderen Erfahrungsschatz.

Es gab einige Dinge, die wollten wir ja auch auf jeden Fall anders machen oder eben ganz vermeiden.

Der Start in Leben mit meiner kleinen Tochter verlief denkbar entspannt. Die Schwiegereltern haben auf den großen Bruder aufgepasst, während ich mit Papa und Baby die Zeit im Familienzimmer im Krankenhaus verbracht habe. Ich konnte mich gar nicht an diesem kleinen Wesen satt sehen. Ich hatte schon mal 10 kleine Finger gezählt und 10 kleine Zehen geküsst. Der Duft eines Babys war mir nicht unbekannt und trotzdem habe ich all diese Bilder aufgesogen als sei es das erste Mal. Ich wusste, wie ich mein neues Baby halten musste und war trotzdem total aufgeregt. Das Wickeln war für mich schon Routine und nun hatte ich Bammel wie ein Anfänger.

Das Stillen klappte super, im Gegensatz zum ersten Mal, und die kleine Maus schlief friedlich jede Nacht bei mir und auf mir.

Die ersten zwei Wochen Zuhause war mein Mann an meiner Seite, wir konnten uns um Haushalt und den Großen kümmern, niemand kam zu kurz. Es war absolut entspannt und stressfrei. Meine Tochter nahm gut zu, die Nächte waren verhältnismäßig ruhig und ich habe zuversichtlich in die Zukunft geschaut.

Als mein Mann wieder arbeiten ging, nahm das tägliche Pensum, dass an mir hängen blieb, zu. Es gab Tage, da habe ich zur Mittagszeit die Zähne noch nicht geputzt und die Küche sah aus wie nach dem Einfall der Hunnen. Das war der Moment in dem ich mir ein Tragetuch zugelegt habe. Bei meinem Sohn habe ich mich nicht getraut, ein Tuch zu binden. Ich war sehr unsicher und habe damals lieber stundenlang den Kinderwagen geschaukelt. Das Tuch hat mir in dieser neuen Situation viele Möglichkeiten eröffnet. Ich hatte die Hände frei und das Baby schlief selig. Ja, das war anders. Gut anders.
Mein Fokus lag diesmal von Anfang an, auf der Familie. Ich hatte mir vorgenommen darauf zu achten was uns gut tut und nicht was andere dachten, wie unser Alltag zu laufen hätte.

Eins hatte sich nicht geändert: die bereits erwähnten klugen Ratschläge. Das komplette Ammenmärchenbuch rauf und runter. Mir ist es jedoch diesmal gelungen besser weg zu hören.

Beim Zweiten haben wir von Anfang an auf unseren Bauch und unser Herz gehört. Wir haben keine Ratgeber gelesen und nicht gegoogelt wenn das Kind nen Schnupfen hatte. Wir sind nicht bei jeder Schramme gleich in die Notaufnahme gefahren und wir haben uns keine Gedanken gemacht, dass wir unseren Familienzuwachs irgendwie verziehen könnten.

Ich bin mit vielen meiner Entscheidungen angeeckt. Freundschaften haben sich verlaufen und andere haben sich gefestigt.

Ja mit dem zweiten Kind ist wirklich alles anders. Für uns nur im positiven Sinne. Mehr Aufregung, mehr Action und mehr Leben in unserem kleinen Häuschen. Mehr Lachen, mehr Freude und mehr Liebe.

Ja, mit noch einem Kind hat sich vieles verändert. Wir alle mussten unsere Grenzen und Prioritäten neu stecken. Wir alle haben uns neu einstellen müssen, auch wenn es manchmal schwer fiel.

Nichtsdestotrotz, würden wir es immer wieder so machen, denn auch wenn sich unser Leben in den ersten Wochen zu viert stark verändert hat, so fühlen wir uns nun umso gefestigter. Das Leben besteht aus Veränderungen. Wir entwickeln uns weiter und lernen mit jeder neuen Herausforderung dazu. Wie langweilig wäre es, wenn jedes unserer Kinder gleich wäre, wenn wir uns auf nichts Neues mehr freuen könnten. Wie öde und grau wären unsere Tage.

Jedes Kind ist bunt und verschieden. Jedes Kind ist einzigartig und besonders. Feiern wir doch jeden Tag ihre Individualität, anstatt von einem aufs andere zu schließen.

Ein Glück ist beim Zweiten alles anders!!

Habt ihr auch mehrere Kinder? War für euch diese neue Erfahrung auch so toll??

Alles Liebe

Eure Denise