Warum ich meine Kinder nicht anlüge

 

Im Alltag gehen uns kleine Notlügen schnell über die Lippen. Man denkt nicht groß darüber nach, denn was soll schon passieren? Dem Obdachlosen, der um einen Euro bittet antwortet man, man habe kein Kleingeld. Mit dem Arbeitskollegen, kann man die Schicht nicht tauschen, weil „was dazwischen gekommen ist“.

Selten ist man so kreativ wie bei diesen Unwahrheiten, die es einem ermöglichen unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen.

Wie oft ich die Wahrheit verdrehte und zu meinem Vorteil auslege, ist mir erst aufgefallen seitdem ich selbst Kinder habe. Diese zwei kleinen Menschen, die mir ihr Vertrauen schenken und die mir bedingungslos (fast) alles glauben würden, das ich ihnen erzähle. Wie leichtsinnig man mit diesem Vertrauen umgeht, ist einem manchmal gar nicht bewusst. Was schadet es dem Kind schon?

Mein Sohn kam letztens aus der Kita und hat mir eine haarsträubende Geschichte darüber erzählt, was mit Kindern passiert die Lügen. Ein Kind aus seiner Gruppe habe ihm diese Horrorgeschichte erzählt. Mit großen Augen und bekräftigenden Nicken hat er mir genau wiedergegeben, was passiert wenn man lügt. Ich war völlig schockiert. Dagegen war Pinocchio ein Waisenkind. Wir haben lange darüber gesprochen, dass diese Geschichte nicht wahr ist und nur erfunden wurde, um Kindern Angst zu machen damit sie keine Lügengeschichten erzählen.

Wie kommen Eltern dazu ihrem Nachwuchs solche deftigen Dinger auf zu tischen? Ihr Vertrauen zu missbrauchen und Gefahr zu laufen es zu verspielen? Das Urvertrauen der Kinder zu zerstören? Wie kommt man auf die völlig absurde Idee ein kleines Kind zu einem gewünschten Verhalten zu animieren, indem man ihm Angst macht? Niemand möchte angelogen werden. Das ist verständlich. Zu Lügen ist keine sehr schöne Angewohnheit und bringt im Endeffekt nur Schwierigkeiten mit sich.

Es ist kein schönes Gefühl, wenn eine Lüge auffliegt und man die Enttäuschung im Gesicht des Anderen sieht. Auch wenn das meist der einfachere Weg und die Wahrheit vielleicht unbequem ist, so möchte natürlich auch ich meine Kinder dazu anhalten mir immer die Wahrheit zu sagen. Sie sollen wissen, dass sie keinen Grund haben uns zu belügen. Auch hier liegt es wieder an uns ihnen vorzuleben, dass es auf lange Sicht besser ist immer die Wahrheit zu sagen.

Dass Kinder im Laufe ihrer Entwicklung anfangen Lügengeschichten zu erzählen, ist ein ganz normaler Prozess. Es gehört zum Wachsen dazu. Es liegt an uns damit richtig umzugehen und sie nicht noch dafür zu bestrafen, dass sie sich ganz natürlich entwickeln.

Wie so oft möchte ich meinen Kindern ein gutes Beispiel sein. Ja, der Verzicht auf mein kleines Alltagsflunkern hat mir schon so manchen Wutanfall beschert. Aber ich glaube, dass diese einfacher zu begleiten und zu meistern sind als verlorenes Vertrauen und das Wissen, dass meine Kinder mich nicht mehr als sichere Basis in ihrem Leben sehen.

Ja, es ist nicht schön, meinem Kind sagen zu müssen, dass wir ein bestimmtes, tolles Spielzeug diesen Monat nicht kaufen können. Aber ich habe ein gutes Gewissen und vor allem bleibe ich authentisch.

Ich hoffe so eine vertrauensvolle Atmosphäre für unsere Familie zu schaffen in der meine Kinder keine Angst vor langen Nasen haben müssen, wenn sie sich nicht sofort trauen mir die Wahrheit zu sagen. Sie sollen wissen, dass auch wenn sie mal Mist gebaut haben oder sie zu etwas keine Lust haben, sie mir alles sagen können. Vielleicht werde ich dann enttäuscht sein. Das passiert, so ist das dann halt eben. Trotzdem sollen sie sich nicht zu etwas zwingen oder sich verbiegen nur zu meinem Wohlgefallen. Ich möchte keine Kinder, die Angst davor haben, dass etwas schlimmes passiert, wenn sie sich nicht richtig verhalten, sondern Kinder die wissen, dass wir diese Situationen zusammen durchstehen, auch wenn schwierig wird.

Wie ist das bei euch? Kennt ihr solche Lügen auch? Hat man sie euch auch erzählt? Ich bin gespannt auf eure Antworten.

Eure Denise