Selbstbestimmter Umgang mit Medien

Wie alles andere läuft auch die Nutzung von Medien bei uns selbst bestimmt. Bei Büchern und CDs ist die Sachlage ja relativ einfach, aber wie sieht es mit Fernsehen oder Internetnutzung aus? Vor der Geburt hatte ich hierzu, wie bei einigen anderen Themen auch, allerdings noch eine ganz andere Vorstellung: Fernsehen am besten erst im Schulalter oder gar nicht! Wenn ich ein kleineres Kind mit einem Handy spielen sah, war ich schockiert.

Dann wurde unsere Tochter geboren. Unseren Fernseher haben wir ab diesem Zeitpunkt bis heute nicht mehr eingeschaltet. Mittlerweile ist er nicht mal mehr angemeldet. Wenn mein Mann und ich uns etwas ansehen wollen, dann nutzen wir abends unsere Laptops.

Unsere Tochter hatte von Anfang an ein großes Interesse für Musik und Bücher. Als sie ungefähr ein Jahr alt war erkannte sie den Zusammenhang von Noten und Musik. Wann immer sie nun in einem Buch Noten sah, forderte sie das passende Lied. Hörte sie ein Lied auf CD, wollte sie die passenden Noten mit Bildern zum Lied sehen.

Es war zur Weihnachtszeit und wir betrachteten ein älteres Liederbuch mit Weihnachtsliedern. Wie gewohnt wollte sie diese dann auch auf CD hören. Eines der Lieder hatten wir allerdings nicht auf CD und da ich es selbst nicht kannte, konnte ich es ihr auch nicht richtig vorsingen. Kurzerhand gaben wir den Liedtitel am Handy in einer Suchmaschine ein und spielten ihn ihr vor. Somit kam sie das erste Mal mit dem Medium Handy in Verbindung mit dem Internet in Berührung. Von da an gab es kein zurück mehr. Wenn wir irgendein Lied nicht auf CD hatten, forderte sie von nun an das Handy. Zunächst zeigten wir ihr nur Videos ohne bewegte Bilder, doch auf Dauer ließ sich dies nicht vermeiden, also guckte sie diverse Kinderlieder als niedliche Geschichten dargestellt. Als dann eines Tages nach einem Kinderlied automatisch die Folge einer sehr beliebten Kinderserie über eine Schweinefamilie abgespielt wurde, begann eine neue Ära. Sie liebte die kurzen Folgen und forderte sie täglich. Wir griffen nicht regulierend ein, da sie weiterhin viel spielte und sich mit Vorliebe ihre Bücher vorlesen ließ.

Nach und nach kamen weitere Serien und Kinderlieder in diversen Sprachen hinzu. Auch an der ein oder anderen Kinder-App hatte sie Spaß.

Ich muss an dieser Stelle offen zugeben, dass es Phasen gab, in denen sie sehr viel auf dem Handy ansah und ich mehr als einmal kurz davor stand, alles über den Haufen zu werfen und das Handy für immer weg zu schließen. Rückblickend waren es allerdings immer Tage, an denen sie besonders müde, kurz vor einer Erkältung oder mitten in einem Entwicklungsschub steckte und deshalb nichts anderes zulassen wollte. Wenn es mir nicht gut geht, liege ich auch am liebsten auf dem Sofa und lasse mich berieseln.

Nächsten Monat wird unsere Tochter vier Jahre alt. Der Fernseher bleibt nach wie vor aus, da ich einfach keine Dauerberieselung im Hintergrund mag. Wenn sie etwas anschauen mag, kann sie dies jederzeit auf DVD oder über das Internet. Seit einiger Zeit wird ihr Konsum allerdings immer geringer. Erschreckend gering, wie ich ironischerweise feststellen muss. Ich gebe zu, dass ich es nach der Arbeit recht angenehm fand, in Ruhe einen Kaffee trinken zu können. Ich wusste ja, sie hatte den Vormittag über mit ihrer Oma gespielt und konnte sie guten Gewissens ein paar kurze Folgen ihrer Lieblingsserie sehen lassen. Neuerdings benötigt sie scheinbar keine Mittagspause mehr und möchte sofort mit mir spielen, wenn ich komme. Auch abends spielt sie bis zum Schlafengehen durch. Für unsere achtstündige Urlaubsfahrt hatten wir einige Folgen auf dem Tablet gespeichert, doch sie wollte sie nicht anschauen. Acht Stunden Autofahrt, in der geschätzte fünfhundert mal gefragt wurde, wann wir da sind. Wie ihr seht, kann Selbstbestimmung auch ein Fluch sein.

Spaß beiseite, natürlich finde ich es toll, dass es sich so entwickelt hat und bin froh, dass wir unseren Weg trotz zwischenzeitlicher Zweifel nicht aufgegeben haben.

Ich denke mittlerweile, dass ein frühes, inhaltlich kontrolliertes Heranführen an Medien sinnvoll ist. Alles was neu ist hat einen großen Reiz und wird zunächst übermäßig genutzt, bis es dann nach einiger Zeit uninteressanter wird. Je später das Kennenlernen stattfindet, desto schwieriger wird es sicherlich den Inhalt zu kontrollieren, da dann auch bei Treffen mit Freunden ferngesehen oder am Handy gespielt wird.

Wie steht ihr denn zu diesem Thema?

Liebe Grüße

Rebekka