Ich liebe mich

 

Ich liebe mich – das ist eine Aussage, die man nicht sehr häufig hört. Man geht mit sich selbst ja immer sehr harsch ins Gericht. Man schaut in den Spiegel und sieht eine krumme Nase, Speckrollen oder zu dünne Lippen. Man geht durch die Stadt und trifft zig Frauen mit denen man gern tauschen würde und wenn es nur der Hintern oder ein bestimmtes Körperteil wäre.

Ich bin dick – das ist so. Ich habe über die letzten Jahre zugelegt und gehöre nun wohl in die PluzSize-Schublade. Lange Zeit habe ich mit mir gehadert. Bei jeder zusätzlichen Kleidergröße, sank mein Selbstwertgefühl. Habe mir eingeredet, dass man mich nicht ernst nimmt, dass ich unattraktiv bin und faul. Kommentare und „gut gemeinte“ Ratschläge verschiedene Diäten betreffendend oder “ du hast doch schonmal so gut abgenommen, das schaffst du wieder!“ haben eher dazu beigetragen, dass ich mich noch schlechter fühlte.

Mein Lebensmittelpunkt hat sich in den letzten 5 Jahren drastisch verschoben. Ich bin zweifache Mutter und ich stehe nicht mehr an erster Stelle. Versteht mich nicht falsch, das soll hier keine Sammlung an Ausreden dafür werden, warum ich nicht ins Fitnessstudio renne á la „ich bin nicht nur Mutter, sondern auch Frau“ , sondern wie ich gelernt habe die Frau, die ich nun bin zu akzeptieren und anzunehmen.

Es mag klingen wie ein hohles Klischee, eine Phrase, aber auf diesem Weg haben zuallererst mein Mann und dann auch meine Kinder mich begleitet. Sie haben all die Selbstzweifel, die sich in mir gestaut haben nach und nach, aber mit großer Hartnäckigkeit abgebaut. Sie haben mir, jeder auf seine Weise, gezeigt, dass ich ein wertvoller, geliebter und liebenswerter Mensch bin. Ich konnte mich durch ihre Augen sehen, habe gesehen, was ich alles leiste und wie dankbar sie mir sind. Völlig egal, welche Kleidergröße ich dabei trage. Der Blick meines Mannes ist noch genauso zärtlich und warm wie vor 6 Jahren. Meine Arme sind es, die meinen Kindern Trost und Schutz spenden. Meine Hände sind es, die Auas und Wehwehchen wegstreicheln.

Ich schaue heute in den Spiegel und sehe eine Frau, die sich in vielerlei Hinsicht verändert hat. Äußerlich wie auch Innerlich. Eine Frau, die ihren Platz im Leben gefunden hat und damit mehr als glücklich und zufrieden ist, denn es ist egal ob ich Hinz und Kunz gefalle, es ist egal ob Hans und Franz denken, dass ich eine gute Mutter bin.

Ich liebe mich.
Ich bin gut so wie ich bin.

Ich möchte nirgends anders sein, als an meinem Platz, in diesem Leben, mit den Menschen, die mir gut tun und die ihre Zuneigung zu mir nicht von irgendwelchen Oberflächlichkeiten abhängig machen. Mit dieser Erkenntnis ist mir eine riesen Last genommen worden. Ich kann atmen, tief und befreit. Und ich hoffe, dass jeden Tag, überall immer mehr Menschen sagen können „ich liebe mich“ – ich ruhe in mir und bin mit mir im Reinen.

Alles Gute!

Eure Denise