Mein Kind will keinen Besuch – Mama schon

Hilfe, mein Kind will keinen Besuch! Der Titel lässt einen den Gedanken äußern: „Ja, und? Dann sagt man dem Besuch eben ab.“ Klingt einfach. Doch, wie soll ich das meinem Besuch denn klarmachen? Ist das nicht eher verletzend? Aber andererseits: Will ich das eskalierende Fiasko in Kauf nehmen, wenn ich dem Besuch nicht kurzfristig absage?
Es ist soweit: Endlich haben meine Freundin und ich einen Termin gefunden, an dem wir beide Zeit haben uns gemeinsam mit unseren Kindern zu treffen. Ich lade Sie also zum Kaffee ein, backe etwas Leckeres – alles könnte wunderbar werden. Ich träume von glücklichen Kindern, die gemeinsam in trauter Zweisamkeit spielen, die Babys, die brabbeln und zufrieden dahin träumen.
Leider alles nur ein Traum. Die Realität: Mein Sohn sagt „Mama! Ich will nicht, dass die kommen! Ich habe keine Lust! Die sollen heute nicht kommen“. Nun habe ich verschiedene Möglichkeiten, die sich in meinem Kopf abspielen.
Variante A:
Ich sage nicht ab und erkläre meinem Sohn, dass meine Freundin heute kommt, weil ich auch Besuch haben möchte und sie schließlich eingeladen habe. Ich freue mich so auf das Reden, Essen und Spielen und deshalb findet alles statt. Basta. Die Reaktion: Wut, Enttäuschung. Mein 4-Jähriger am Eskalieren, verzieht sich schließlich in sein Zimmer und verschließt die Tür. Ergebnis: Besuchskind auch enttäuscht, mein Sohn verzweifelt und wütend. Streit, Streit, Streit.
Deprimierender Nachmittag.
Variante B:
Ich sage ab und erfinde eine mysteriöse Krankheit meines Kindes. Durchfall zum Beispiel. Das kann immer ansteckend sein und schreckt phänomenal ab – ich erinnere mich immer noch an die Blicke, die man bekommt, wenn man sagt, dass man Magen-Darm hatte… Lügen haben aber kurze Beine, machen lange Nasen und außerdem ist mein schlechtes Gewissen, dann unendlich groß und es ist einfach nicht meine Art. Gut, also keine Notlüge. Was nun?
Variante C:
Ich bin einfach ehrlich. Eine gute Freundin sollte verstehen, wenn ich absage, weil mein Sohn einfach keine Lust auf den Besuch und deswegen miese Laune hat. Ich würde es sofort verstehen. Mit 4 Jahren kann man schon eigene Meinungen haben und Entscheidungen treffen. Ich will, dass mein Sohn weiß, dass ich seine Gefühle, Meinungen und Ängste ernst nehme. Er will ja nicht keinen Besuch, um mich zu ärgern oder mir eins auszuwischen, sondern will einfach heute keinen Besuch. Er will alleine spielen oder auch einfach einen anderen Freund sehen.
Vielleicht findet sich auch ein neuer Termin oder sogar die Möglichkeit, dass das Kind zu diesem Zeitpunkt zu einem Kindergartenfreund zum Spielen oder mit dem Opa Fahrradfahren geht. Irgendetwas Attraktives, sodass alle Beteiligten glücklich sind.
Für uns als Familie ist Variante C die beste Variante. Meist findet sich ein Alternativprogramm und notfalls bin ich mir sicher, dass meine Freunde auch genauso handeln würden bei ihren Kindern. Natürlich ist mein Sohn der Älteste im Freundeskreis, aber spätestens wenn die anderen Kinder auch in das Alter kommen, kann man nachvollziehen, dass man keine Meinung mehr aufdrängen kann. Kinder haben Bedürfnisse, Wünsche, Ängste und einfach so viele Gefühle, die sie verarbeiten müssen. Unsere Kinder sollen wahrgenommen werden und indem ich sie wahrnehme, werden auch sie selbst zu empathischen Menschen werden. Ich möchte kein Kind, das Dinge totschweigen muss und dazu verdonnert wird sich immer toll zu benehmen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Kind ein ganz eigener Mensch ist und auch mal miese Laune haben darf. Genauso wie wir.
Wie handhabt ihr solche Situationen, in denen ihr es allen Beteiligten recht machen wollt? Wie reagieren eure Freunde darauf? Ich bin neugierig davon zu lesen.
Eure Jasmin