Der lange Weg zum Durchschlafen

schlafen lernen kind

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„Warte mal ab bis sie auf der Welt ist, dann ist es vorbei mit Schlafen.“ Die Worte meiner Schwiegermutter höre ich heute noch. Allerdings dachte ich damals, ich könne doch einfach immer dann schlafen, wenn unsere Tochter schläft. Da Babys doch bekanntlich die meiste Zeit schlafen, sollte ich doch mehr als genug Schlaf bekommen. Für mich war etwas überspitzt gesagt völlig klar, dass Babys einfach überall, wo man sie ablegt schlafen. Die Erzählungen meiner Mutter, laut der meine Geschwister und ich mit drei Monaten bereits durchschliefen bestätigten meine Gedanken zum Thema Schlaf. Das Beistellbett war aufgebaut, was sollte nun noch schiefgehen?

Da unsere Tochter leider per Kaiserschnitt auf die Welt kommen musste, konnte ich mich nach der Geburt Schmerz bedingt schlecht bewegen, um sie zu versorgen. Sie lag nach meiner Erinnerung in ihrer ersten Nacht auch nur schätzungsweise dreißig Minuten in diesem rollbaren Babykrankenhausbett. Dann schlug die Nachtschwester vor, unsere Tochter zu mir ins Bett zu legen. Schon baute sie neben mir ein kleines Nestchen und legte die Kleine hinein. Dabei blieb es. Unser liebevoll dekoriertes Beistellbett diente lediglich als Rausfallschutz und später als Kuscheltieraufbewahrung.

Anfangs legten wir unsere Tochter tagsüber auf ein Stillkissen auf unser Sofa. Dort war sie immer bei uns und konnte zwischendurch schlafen. Wenn wir abends ins Bett gingen, nahmen wir sie mit. Schon nach kurzer Zeit konnte sie tagsüber auf dem Stillkissen nicht mehr einschlafen. Wenn ich sie abends ins Beistelltet legte, hechelte und strampelte sie, bis sie in meinem Arm lag. Auch der Kinderwagen war nur vier Wochen im Einsatz, obwohl ich ihn später noch lange als Einkaufswagen nutzte, wenn ich sie im Tuch hatte. Tagsüber wollte sie also nur getragen werden und nachts in meinem Arm liegen – vom häufigen Stillen mal ganz abgesehen. Was war nun mit meinem Schlaf? Mir wurde schnell klar, dass ich dieses Thema total falsch eingeschätzt hatte. Unsere Tochter entwickelte sich zu einer ausgesprochen schlechten Schläferin. Tagsüber kam hinzu, dass sie lange Zeit nur Tragend und im Halbschlaf Stillen wollte, also musste ich sie immer in den Schlaf tragen. Nachts hatte sie ab dem achten Lebensmonat eine Phase, in der sie stündlich im Schlaf schrie und sich nur durch Tragen beruhigen ließ. Diese Phase dauerte bis weit über den ersten Geburtstag an und brachte mich wirklich an meine Grenzen.

Von meinem Mann ließ sie sich leider nur in den den ersten Lebenswochen beruhigen und Schreien lassen war von Anfang an definitiv kein Thema. Also trug ich sie viele Tage und Nächte lang durch unsere Wohnung. Erschwerend kam noch hinzu, dass sie bis fast zu ihrem dritten Geburtstag meist weinend aufwachte, das heißt sie hatte generell Schwierigkeiten mit dem Übergang von Wach zu Schlafphasen und umgekehrt. Meine einzige Hoffnung war in der ganzen Zeit immer, dass es ja irgendwann besser werden muss. Es wurde auch besser. Über ihren frühen Verzicht auf Mittagsschlaf war ich dankbar – musste ich sie so ja nur noch einmal täglich in den Schlaf tragen. Zudem war auch ihr Mittagsschlaf immer sehr unruhig und die meiste Zeit nur mit Körperkontakt möglich gewesen.

Etwa um den zweiten Geburtstag herum, musste ich sie nicht mehr in den Schlaf tragen, sondern konnte im Sitzen hin und her schaukeln. Dennoch war ihr Nachtschlaf nach wie vor sehr unruhig und von vielen Stillunterbrechungen gezeichnet. Länger als 60-90 Minuten am Stück konnte ich nie schlafen. Nach und nach wurde die erste Schlafphase ruhiger, doch ab der ersten Stillpause fand sie meist nicht mehr in den Tiefschlaf, so dass die zweite Nachthälfte immer noch sehr unruhig verlief. Allerdings schaffte sie es nach und nach, immer entspannter aufzuwachen – allerdings benötigte sie auch hier Körperkontakt.

Nun wird sie vier Jahre alt und seit einer Woche schläft sie ruhig durch. Ich habe schon gar nicht mehr damit gerechnet und liege nachts sehr oft wach, da ich so sehr an Unterbrechungen gewöhnt bin. Ab und zu tastet ihre Hand nach mir, um sicher zu gehen, dass ich da bin. Diese Sicherheit werde ich ihr geben, so lange sie es benötigt. Wenn ich in beinahe vier Jahren Mutterschaft eines gelernt habe dann, dass sich die meisten Dinge von ganz alleine legen, wenn unsere Tochter bereit dafür ist. Deshalb kann ich auch nach all den schlaflosen Nächten ganz entspannt in die Zukunft blicken und mich auf die vielen schönen Momente, die uns noch bevorstehen, freuen.

Mit diesem Text möchte ich den Müttern Mut machen, die auch so ein schlecht schlafendes Exemplar daheim haben. Es kommen sicherlich Zeiten, in denen wir uns wünschen werden, wieder schlaflos neben so einem kleinen Wesen zu liegen. Deshalb gebt nicht auf – es wird alles gut!

Liebe Grüße

Eure Rebekka