Über Höflichkeit und gutes Benehmen

Kinder Erziehung manieren mama magazin

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Neulich waren wir auf einem Geburtstag in einem Restaurant eingeladen. Gegenüber gab es einen Hofladen, der in einer Art „Ministreichelzoo“ einige Tiere hielt. Als meine Kinder das entdeckt hatten, gab es natürlich kein Halten mehr und sie wollten zu den Tieren.

Zunächst ging meine Mutter mit ihnen auf den Hof, und nachdem meine Tochter die Ponys gesehen hatte, wollte sie mir diese unbedingt zeigen. Die Kinder nahmen mich in die Mitte und zerrten mich quasi auf den Hof, ununterbrochen auf mich einredend und mit vielen, vielen Fragen.

Aus den Augenwinkeln nahm ich weitere Menschen auf dem Hof wahr, war aber durch meine Kinder total abgelenkt und blendete dies aus.

Als wir gehen wollten, sprach mich eine Frau an, dass sie das ja gerne machen würden, dass Kinder sich die Tiere anschauen dürfen, aber von mir als Mutter könne sie doch erwarten, dass ich der Höflichkeit halber wenigstens grüße, wenn ich schon ein fremdes Grundstück betrete.

Ich war zunächst total perplex, weil sie den Mut hatte, mich direkt darauf anzusprechen. Allerdings entschuldigte ich mich wortreich bei ihr, denn ich hatte sie, abgelenkt durch die Kinder, tatsächlich nicht wahr genommen.

Es war mir wirklich sehr peinlich, weil ich grundsätzlich grüße, wenn ich einen Laden, ein Restaurant etc. betrete.

Für MICH hat das etwas mit Höflichkeit zu tun und ich möchte meinen Kindern dies auch vorleben.

Ich unterhielt mich lange mit der Frau, sie war der Meinung, dass das Nicht-grüßen heutzutage leider normal geworden sei, aber sie den Mund nicht halten kann, gerade wenn Eltern vor ihren Kindern nicht grüßen würden. Denn wie sollten die Kinder das dann lernen?

Was soll ich sagen? Sie hat vollkommen recht! Ein „Hallo“ tut nicht weh, schadet nicht, aber zaubert vielleicht dem Einen oder Anderen ein Lächeln ins Gesicht.

Es ist inzwischen schon „komisch“, wenn man als Erwachsene auf der Straße von einem Kind gegrüßt wird – in meiner Kindheit war das völlig normal und wehe, man hatte die Nachbarn nicht gegrüßt! Da gab es Ärger zu Hause! „Früher“ wurde meiner Meinung nach sehr viel mehr Wert auf Höflichkeit und gutes Benehmen gelegt als heute.

Leider habe ich vermehrt feststellen müssen, dass viele Erwachsene nicht zurück grüßen, wenn sie von Kindern gegrüßt werden. Irgendwann meinte meine Tochter dann zu mir, dass sie nicht mehr „Hallo“ sagt, wenn ihr ein Erwachsener entgegen kommt, weil sie ja eh nie eine Antwort bekäme.

Ich habe ihr dann versucht zu erklären, dass wir Erwachsenen manchmal einfach gedankenlos seien und das gar nicht böse meinen würden – und habe mich im Stillen dafür geschämt, dass es viele nicht für nötig halten, ein Kind zurück zu grüßen, es aber von den Kindern erwarten, gegrüßt zu werden.

Ich möchte das meinen Kindern nicht mit Zwang „einbläuen“, ich wünsche mir, dass sie solche Dinge von mir „lernen“ und nachahmen.

Dazu gehören für mich auch „bitte“ und „danke“, auch wenn viele meinen, das soll ein Kind nur sagen, wenn es ehrlich gemeint ist. Nur: Selbst wenn mir z.B. ein Geschenk nicht gefällt, sage ich zu dem Schenkenden „danke“, denn es geht doch um die Geste an sich, oder? Ja, Kinder vergessen das schlicht im Eifer des Gefechts, und ich habe noch nie, nie, nie den Satz „Und wie sagt man?“ zu meinen Kindern gesagt. Denn diesen Satz finde ich persönlich total doof, weil er meiner Meinung nach das Kind bloßstellt. Ich frage statt dessen in dieser Situation ganz leise mein Kind: „Magst du danke / bitte / hallo / tschüss sagen?“

Möchte mein Kind dann noch immer nicht, ist es für den Moment ok und ich antworte dann „im Namen meines Kindes“.

Aber da unsere Kinder das alles von uns als Eltern vorgelebt bekommen, ist es für sie bis auf wenige Ausnahmen so normal wie das tägliche Zähneputzen.

Möchte ich, dass meine Kinder mir in irgendeiner Weise helfen, frage ich übrigens immer: „Kannst du mir bitte…“ und genauso reden die Kinder dann auch mit mir. „Mama, kannst du bitte….“

Und das alles ohne Zwang 😉

Gerade deshalb war es mir wie oben geschrieben extrem peinlich, dass ich dabei „ertappt“ wurde, wie ich nicht gegrüßt habe – auch wenn es nicht aus böser Absicht geschah.

Wie seht ihr das?

Legt ihr Wert auf eine gewisse Höflichkeit oder ist es euch egal? Grüßt ihr Kinder auf der Straße, auch wenn sie grußlos an euch vorbei laufen?

Liebe Grüße

Eure Nadine