Lasst eure Kinder nicht alleine im Wasser

Kinder Schwimmbad ertrinken Gefahr mama Magazin

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Es gibt doch immer wieder Eltern, die ihre Sprösslinge unbeaufsichtigt im Wasser lassen. Sei es in der Badewanne, da dort das Wasser vermeintlich nicht tief genug sei oder im Schwimmbad mit Schwimmhilfen, wie Schwimmflügel oder Schwimmreif.

In meinen Augen ist es absolut leichtsinnig und mit nichts zu rechtfertigen. Vielleicht fragen sich nun die ein oder anderen wie ich zu einer solchen radikalen Ansicht komme. Lasst es mich euch erzählen.

Im Schwimmbad

Ich war vor kurzem mit meinem Sohn im Schwimmbad. Im Kinderbecken, wo das Wasser meinem Sohn bis zur Hüfte geht. Ich bin keine Mutter, die die ganze Zeit neben ihrem Kind sitzt und es festhält. Ich saß daher am Beckenrand. Mitten im Becken steht eine kleine Elefantenrutsche, die sehr beliebt bei den Kinder ist.

Es gesellte sich noch eine Mutter mit 4 Kindern dazu. Ihre Kinder waren im Alter von 1 bis 5, würde ich  schätzen. Mein Sohn war gerade gerutscht und stand noch vor der Rutsche, um aus dem Weg zu laufen. Da rutschte auch schon der 5-jährige Junge und es passierte was passieren musste. Mein Sohn wurde von dem Jungen so heftig umgestoßen, dass er ins Wasser fiel und nicht mehr alleine auftauchen konnte. Die Mutter des Jungen hatte dies nicht mitbekommen, da sie mit den drei andern Kindern beschäftigt war. Ich sprintete los und riss mein Kind an die Wasseroberfläche.

Mein Sohn hätte es in dem Moment nicht alleine geschafft sich auf die Füße zu stellen und einfach den Körper aufzurichten. Warum? Weil er mit der Situation überfordert war. Weil er schlichtweg noch zu unerfahren im Wasser ist. Er kann seinen Körper auf diese Art und Weise noch nicht im Wasser manövrieren. Weil er keine Orientierung mehr hatte, wo er hingehen sollte, um Luft zu schnappen, da er sich im Wasser gedreht hatte.

Stellt euch einmal vor, ich wäre schnell auf die Toilette gegangen, da ich der Meinung war, dass mein Kind im Kinderbecken gut allein zurechtkommt. Und er wäre zu diesem Zeitpunkt noch im wesentlich niedrigeren Wasser gewesen, hätte aber irgendetwas Interessantes gesehen und sich auf den Weg zur Elefantenrutsche gemacht.

Die Mutter der anderen Kinder hatte den Vorfall nicht einmal mitbekommen. Sie war sogar davon überzeugt, dass mein Sohn von alleine ins Wasser gefallen war. Mein Kind hätte im schlimmsten Fall, ertrinken können, wenn ich nicht da gewesen wäre!

Das Gleiche kann mit Schwimmring oder Schwimmflügeln passieren. Diese Dinge sind kein Ersatz für die elterliche Aufsicht. Sie geben den Kindern lediglich mehr Freiheit sich eigenständig im Wasser bewegen zu können.

Trockenes Ertrinken

Fallen Kinder ins Wasser, dann können sie auch still ertrinken. Sie wedeln nicht mit ihren Armen und sie schreien auch nicht um Hilfe. Woran liegt das?

Aufgrund ihres überproportional großen Kopfs verlieren Kinder oft das Gleichgewicht und fallen im ungünstigsten Fall kopfüber ins Wasser. Bei dem Sturz ins Wasser kommen sie einen reflexartigen Schock. Es schließen sich im Rachen die Stimmritzen, wodurch die Atmung blockiert. Beim “trockenen Ertrinken” kommt kein Tropfen Wasser in die Lunge der Kinder. Die Kinder ersticken sozusagen unter Wasser.

Die Badewanne

Aber mal schnell die Waschmaschine neu anstellen, wenn der Nachwuchs gerade so schön in der Badewanne planscht ist doch sicherlich kein Problem? Ja, sicherlich ist es kein Problem, wenn die Waschmaschine im Badezimmer steht. Solltet ihr aber den Raum verlassen müssen, rate ich davon eindringlich ab.

Der Gedanke, dass Geschwisterkinder da sind, die im Fall der Fälle eingreifen können, ist hier absolut keine Absicherung. Kinder sollten diese Verantwortung nicht tragen müssen. Diese Verantwortung liegt auf den Schultern der Eltern. Selbst dann, wenn sie nicht im Raum sind. Zudem können Kinder in so einer Situation eventuell wissen was zu tun ist, aber einfach vor Überforderung dieses Wissen nicht umsetzen. Der 5-jährige Junge, der meinen Sohn umgeschmissen hatte, sodass er im Wasser landete, stand vielleicht 20 cm von meinem, sich unter Wasser befindendem, Sohn entfernt. Dennoch war er zu erschrocken, zu überfordert, zu klein und zu überrascht, um einzugreifen. Er ist ein Kind und muss das nicht können. Unsere Erwartungen sind da oft viel zu hoch.

Alleine 5 cm Wasser in einer Badewanne, einem Planschbecken, einer Pfütze reichen aus, damit Kinder ertrinken können. Bei Kindern bis 2 Jahren reichen sogar nur 2-3 cm Wasser aus, um zu ertrinken.

Sekundäres Ertrinken

Ich habe schon etwas über das “trockene Ertrinken” gesagt. Es gibt noch eine andere Form des Ertrinkens. Nämlich das sogenannte sekundäre Ertrinken. Das sekundäre Ertrinken tritt auf, wenn in die Lunge des Kindes Wasser gelangt. Das kann durch einen Sprung oder Fall ins Wasser passieren, beim Spielen oder Rutschen oder eben nach einem Beinahe-Ertrinken.

“So ein bisschen Flüssigkeit ist doch nicht schlimm. Dass kommt doch sicherlich wieder raus”, denkt jetzt wohl der ein oder andere. Eben nicht. Es bleibt in der Lunge. Mediziner haben herausgefunden, das 2 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht bereits bedenklich auswirken können. Je kleiner der Mensch, desto weniger Wasser ist nötig für ein sekundäres Ertrinken.

Beim sekundären Ertrinken führt das eingeatmete Wasser zu Entzündungsreaktionen und Ödemen. Dadurch kommt es zu einer erheblichen Störung des Gasaustausches von Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff. Das kann nach wenigen Stunden bereits zu Sauerstoffmangel und dem Erstickungstod führen.

Allerdings lässt sich sekundäres Ertrinken auch erkennen. Symptome für sekundäres Ertrinken werden von verschiedenen Quellen etwa wir folgt aufgezählt:

Das Kind

  • beginnt nach einer beschwerdefreien Zeit wieder zu Husten
  • atmet ungewöhnlich schnell
  • wirkt teilnahmslos
  • bekommt/hat verfärbte bläuliche Lippen

Sollte eins dieser Symptome auftreten sollte sofort und umgehend eine kinderärztliche Notfallaufnahme aufgesucht werden!!

Sekundäres Ertrinken ist äußerst selten.

85 Prozent aller Ertrinkungsunfälle könnten laut Expertenmeinung verhindert werden. Deswegen bleibt bei euren Kindern. Nichts auf der Welt kann so wichtig sein, dass ihr eure Kinder dafür im Wasser alleine lasst und sie einer lebensgefährlichen Situation aussetzt. Egal, um welche Wassertiefe es sich handelt.

Seid da, um handeln zu können für eure Kinder!!!!

Eure Vanessa