Gut Ding braucht Weile – gebt euren Kindern Zeit

„Gut Ding braucht Weile“ oder „Eile mit Weile“ – altbekannte Sprichwörter, die aussagen wollen, dass Hektik nichts bringt und etwas, das gut werden soll, Zeit benötigt.

Wieso wird dann von Kindern so oft erwartet, dass sie alles am liebsten schon gestern beherrschen? Schläft mit drei Monaten noch nicht durch? Stillt mit sechs Monaten immer noch? Kann mit einem Jahr noch nicht Laufen? Ist mit eineinhalb Jahren noch nicht trocken? Besucht mit zwei Jahren noch keine Krippe?

Aber die Hektik geht ja schon im Alltag los. In der täglichen Flut von Terminen bleibt kaum Zeit fürs Verweilen. Dabei ist ZEIT so ziemlich das wichtigste Geschenk, dass wir unseren Kindern mitgeben können. Zeit mit uns, Zeit beim Weg zu einem Termin an jedem, aber auch jedem Stein stehen bleiben zu können, Zeit um sich im eigenen Tempo entwickeln zu können.

Für uns war von Anfang an klar, dass unsere Tochter so lange wie möglich zu Hause betreut wird, eben damit sie sich in ihrem ganz eigenen Tempo entwickeln kann. Wir haben immer darauf vertraut, dass sie sich weiterentwickeln möchte. So blieben wir gelassen, als sie lange Zeit neben dem Stillen nur winzige Mahlzeiten aß. Auch habe ich nie versucht sie abzustillen (wenn ich auch ehrlicherweise zugeben muss, dass ich manchmal – wenn auch nur halbherzig – darüber nachgedacht habe), sondern habe beobachtet, wie sie nach einer sehr sehr langen Stillzeit ganz in Ruhe und für sich selber beschlossen hat, davon Abschied zu nehmen. Wir ließen ihr Zeit als sie erst mit vierzehn Monaten zu krabbeln und mit achtzehn Monaten zu laufen begann. Dafür konnte sie in diesem Alter schon sehr gut sprechen und sämtliche Farben benennen. Ihren Wunsch nach einer Windel akzeptierten wir auch als sie schon lange merkte, wenn sie Pinkeln musste. Sie konnte einfach ohne Windel nicht pinkeln, selbst wenn sie sich auf die Toilette setzte. Erst als sie selber wusste, dass es klappt, ging sie von einem auf den anderen Tag auf die Toilette und ist seitdem tags wie nachts über trocken. Alle diese wichtigen Entwicklungsschritte machte sie völlig alleine und ohne unser Zutun. Ganz Stressfrei – für sie und für uns. Wir gaben ihr lediglich die benötigte Zeit und unser Vertrauen.

Natürlich müssen wir uns finanziell einschränken, um unseren Weg gehen zu können, aber in unseren Augen gibt es ohnehin nichts wertvolleres als gemeinsame Zeit. Unsere Tochter erinnert uns jeden Tag daran, sich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen: An einem Zitronenfalter in einem blühendem Lavendelstrauch, einem schön geformten Stein oder einem Ast. All diese kleinen Schätze erfreuen sie jeden Tag aufs Neue.

Aber auch wenn beide Eltern einen Vollzeitjob und viele Terminen haben, kann gute Organisation dabei helfen, dem Kind trotzdem die nötige Zeit zu geben. Verlassen wir als Eltern das Haus bei einem geplanten Termin frühzeitig, sind wir zum einen selber entspannter, zum anderen können wir unserem Kind die Möglichkeit geben, auf dem Weg interessante Dinge zu entdecken. Bei allen Entwicklungsschritten sollten wir Eltern unserem Kind immer vertrauen und uns nicht von unserem Umfeld verunsichern lassen. Vorausgesetzt es findet eine Entwicklung statt! Ich habe die Erfahrung gemacht, je entspannter und positiver ich unserer Tochter gegenüber trete, desto entspannter ist auch unser Umfeld. Im Umkehrschluss habe ich schon Situationen erlebt, in denen Eltern ihren Kindern gegenüber sehr unsicher und kritisch gegenüber auftraten. Im Nu begann das Umfeld ebenfalls an dem Kind herum zu meckern, das Kind reagierte daraufhin verständlicherweise mit Abwehr und ein Teufelskreis begann. Ist man erst einmal in einem solchen Kreislauf drin, ist es oftmals schwer, diesen wieder zu durchbrechen.

Es liegt in unserer Hand, ob wir unserem Kind die nötige Zeit und unser Vertrauen geben, sich gut zu entwickeln.

Dafür sollten wir unsere täglichen Termine und Verpflichtungen ganz genau im Auge behalten und auf das Nötigste reduzieren.

Kinder brauchen kein bis ins kleinste geplante Freizeitprogramm und keinen Luxus! Sie brauchen – neben jeder Menge Liebe – in erster Linie Zeit.

Eure Rebekka