Das Auge isst mit

Kinder essen, bento, Bilder aus Lebensmitteln, food paintings

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Essen kann ja mitunter ein heikles Thema sein. Ich selber erinnere mich sehr gut daran, wie schwer meine Mutter es hatte, meinen beiden Geschwistern und mir Essen schmackhaft zu machen – allerdings hat sie auch nie sonderlich gerne gekocht. Auch in meinem Umfeld und in diversen Kinderbüchern hörte ich, dass Gemüse zwar als gesund aber nicht unbedingt lecker angesehen wurde. Nachtisch gab es erst, wenn der Teller leer (oder so gut wie leer) war und meine Oma sagte immer: „Wenn der Teller nicht leer ist, gibt es morgen schlechtes Wetter.“ Als ich mit vierzehn Jahren Mitte der 90er Jahre – aufhörte Fleisch und Fisch zu essen, gab es kaum Alternativen, in Restaurants wurde ich schräg angesehen, also aß ich meist trockene Kartoffeln und Gemüse – und Süßigkeiten.

Glücklicherweise änderte sich das, denn mein Mann kocht sehr gerne und auch ich fand nach und nach immer mehr Gefallen daran. Zudem wuchs und wächst der Markt an vegetarischen und veganen Produkten und es ist mittlerweile zum Glück nichts ungewöhnliches mehr, sich fleischlos zu ernähren.

Als unsere Tochter zu essen begann, wartete ich darauf, dass sie bestimmte Dinge nicht mögen würde, aber nichts dergleichen geschah. Bis heute probiert sie alle ihr angebotenen Lebensmittel ohne Aufforderung und mit Begeisterung aus. Man kann ihr kaum eine größere Freude machen, als ihr etwas Neues, noch unbekanntes mitzubringen.

Es gibt ein paar Dinge, auf die wir von Anfang an geachtet haben und die möchte ich gerne mit Euch teilen:

Essen ist nie mit Zwang verbunden. Unsere Tochter hat lange Zeit nur minimale Mengen an festem Essen zu sich genommen. Wir haben es ihr immer angeboten, sie aber nie zum Essen gedrängt. Sie „muss“ nichts versuchen und ihren Teller nicht leer essen. Wenn sie nur Fleisch isst und das Gemüse liegen lässt, wird es genau so akzeptiert, wie umgekehrt. Zudem darf sie immer essen, auch wenn es nicht mehr lange bis zur nächsten Hauptmahlzeit ist.

Generell haben wir ihr Essverhalten nicht beeinflusst. Wir ließen sich matschen, ausspucken, auf den Boden werfen, Becher umwerfen – all diese Experimente hörten nach kurzer Zeit von alleine wieder auf. Außerdem verlegten wir das Essen an unseren Couchtisch. Sie konnte beim Essen nicht still sitzen und wir fanden es schade, wenn sie nach kurzer Zeit mit Essen aufhörte um von ihrem Hochstuhl runter zu klettern. Am Couchtisch konnte sie im Stehen essen, eine Runde drehen und dann weiter essen. Mittlerweile möchte sie selber gerne am Esstisch essen und bleibt bis zum Schluss sitzen.

Richtigen Nachtisch gibt es bei uns nicht. Ich glaube einfach nicht, dass irgend ein Kind nicht sofort davon probieren möchte, was ich dann einfach schade für die Hauptmahlzeit finde. Entweder gibt es Nachtisch als Überraschung oder er wird erst einige Zeit nach dem Essen angeboten oder zubereitet. Genascht wird bei uns immer selbst bestimmt – zu diesem Thema habe ich aber schon einmal einen Text verfasst.

Uns ist eine ausgewogene Ernährung wichtig. Rohes Gemüse oder Obst schmeckt immer. Wir achten darauf, über den Tag verteilt immer wieder gesunde Snacks anzubieten. Dadurch sind wir bei den Hauptmahlzeiten deutlich entspannter, auch wenn es mal nur Pommes gibt.

Nicht zuletzt stimmt der Spruch: „Das Auge isst mit.“ Mir macht es viel Freude unserer Tochter schön dekorierte Obst oder Gemüseteller anzubieten. Auch ein frisch zubereiteter Smoothie wird zwischendurch gerne angenommen. Zudem hat sie eine kleine Sammlung von bunten Kindertellern und wählt gerne selber aus, von welchem sie essen möchte. Als ich sie einmal fragte, was sie nicht gerne isst, antwortete sie mit „Papier“. Ein Nahrungsmittel, was ihr nicht schmeckt, viel ihr einfach nicht ein.

Wie handhabt Ihr dieses Thema? Gibt es etwas, was Eure Kinder nicht gerne essen und habt Ihr feste Essensrituale?

Eure Rebekka