Geschwisterzoff

warum sich Geschwister immer streiten

Wenn meine kleine Schwester und ich uns gestritten haben, dann sind zumeist ordentlich die Fetzen geflogen. Von fiesem Geschrei bis hin zur handfesten Schlägerei und hinterlistigem Streich war alles mit in unserem Zoff – Repertoire.

Trotzdem scheine ich das tatsächliche Ausmaß dieser Differenzen irgendwie verdrängt zu haben, denn nun kommen meine eigenen Kinder in das Alter in dem sie, wenn nötig, ihren Standpunkt bereit sind mit Händen und Füßen zu verteidigen.

Es war immer klar, dass unser Sohn nicht allein bleiben soll,  und es wäre naiv von mir gewesen zu denken, dass die Beiden ausschließlich Hand in Hand über Blümchenwiesen hüpfen würden. Allerdings muss ich gestehen, dass ich bei den Kämpfen, die hier momentan ausgefochten werden, doch manchmal ziemlich hilflos daneben stehe. Denn so sehr mich diese Situationen auch fertig machen, so sehr möchte ich, dass sie gemeinsam eine Lösung finden, ohne dass ich eingreifen muss.

Es bleibt nicht aus, dass während einer besonders schlimmen Streiterei eines meiner Kinder kommt und “petzt” . Das ist ihre Art um Hilfe zu bitten. Mir zu sagen “Mama, ich komme hier allein nicht mehr weiter. Kannst du mir helfen?”

Ich begebe mich nun also in dieses emotionale Kriegsgebiet und versuche zu schlichten. Ich höre mir beide Seiten an, spiegle und reflektiere ihre Aussagen, vermittle und begleite durch ihre Wut und ihren Frust. Ich gehe mit Beiden auf Augenhöhe und schlage mich auf keine Seite, denn ich nehme beide Seiten dieser Auseinandersetzung ernst und gebe keiner mehr Gewicht. Auch wenn mein erster Impuls der ist, die Seite zu wählen, die für mich selbst logischer und nachvollziehbarer erscheint, so rufe ich mir doch immer wieder ins Gedächtnis, dass beide Kinder ihren eigenen Standpunkt für sehr wichtig halten und das auch durchaus vertreten sollen. Wie soll das gehen, wenn Mama sich auf eine Seite schlägt? Da steht man ja gleich auf verlorenem Posten.

Diese Gratwanderung fällt mir ob der Häufigkeit und Heftigkeit dieser Auseinandersetzung oft nicht leicht. Ja, manchmal will ich sie einfach trennen und aufs Zimmer schicken. Doch wäre das nicht eine Bestrafung für ein ganz normales kindliches Verhalten?

In ihrer Entwicklung machen Kinder so viele Sprünge, große und kleine. Dazu gehören auch diese Kämpfe um die Hierarchie innerhalb der Familie. Wenn ich ihnen im gewohnten und vertrauten Umfeld helfe, solche Dispute diplomatisch zu lösen, durch Reden und Kommunikation, so fällt es ihnen auch im späteren Leben, in der Schulzeit oder in der Arbeitswelt, leichter diese Probleme zu meistern. Ohne Frust und ohne Gewalt.

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass sie emotional stabil aus diesem Sprung herausgehen und wissen, dass es OK ist wütend zu sein, dass sie ihren Frust annehmen können und diese negativen Gefühle nicht unter Verschluss halten. Sie sollen jetzt lernen, damit umzugehen und diese Emotionen, die bei einem solchen heftigen Streit aufkommen, zu benennen und zu verarbeiten.

Ich bin ein Blauhelm, ich bin die Schweiz. Ich bin Schlichter und Vermittler, ich bin Tröster und ich bin Spiegel. Ich bin eine Mama von zwei starken Persönlichkeiten, die jeden Tag aufs neue die Welt erobern wollen und die dabei oft an ihre Grenzen kommen. Ich bin das Netz, das sie auffängt, ich bin die Mole, die die Wellen bricht.

Ein Job, der mir nicht so viel abverlangt, denn ich habe diesen Geschwisterzoff schon hinter mir. Während meine Beiden da noch durch müssen, ihre Erfahrungen sammeln müssen, kann ich ihnen zur Seite stehen und hoffentlich das Schlimmste verhindern!

Wie ist das bei euch? Habt ihr selbst Geschwister? Habt ihr euch schlimm gezankt und “vertragen” sich eure Kinder gut miteinander?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen

Alles Liebe
Denise