Pseudo-Krupp – Ruhe bewahren

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Mit 11 Monaten hatte meine Tochter ihren ersten Pseudokrupp-Anfall. Bei Pseudokrupp handelt es sich um eine Atemwegserkrankung, bei der die Schleimhäute entzündet und aufgeschwollen sind und die Atemwege verengen. Tagsüber war sie unauffällig gewesen, nachts kam der bellende Husten. Sie konnte nur noch röchelnd atmen und weinte fürchterlich. Je mehr sie weinte, desto krampfartiger musste sie Luft holen. Voller Panik packten wir das Kind in ihren Schneeanzug, schließlich war Winter, und wir fuhren mit wehenden Fahnen ins Krankenhaus.

Wenn man ländlich lebt, befindet sich das nächste Krankenhaus eben eine Stunde entfernt. Erstaunlicherweise beruhigte sich das Kind während der Fahrt und das Atmen fiel ihr merklich leichter. In der Klinik angekommen, war fast alles wieder normal. Der Kinderarzt eröffnete uns dann, dass unsere Tochter einen Pseudokrupp-Anfall gehabt hat. Um ehrlich zu sein, hatte ich davon noch nie etwas gehört. Das Kind bekam ein Kortisonzäpfchen und wir durften wieder nach Hause gehen.

Die Anfälle erlitt sie dann meist Anfang und Ende jeden Jahres. Nach einer gewissen Zeit, verliert jede Krankheit ihren Schrecken. So auch hier. Wenn sie gegen Abend anfängt heiser zu werden und wie eine Dampflock atmet, werden vorsorglich die Kortisonzäpfchen bereit gelegt. Die Zäpfchen verschreibt der Kinderarzt und man kann sie Zuhause bunkern. Bei jedem Anfall gilt: Ruhe bewahren! Die Kinder bekommen Angst, bis hin zu Panikattacken, weil sie nicht mehr richtig atmen können. Je aufgeregter man selbst ist, desto nervöser und unsicherer wird das Kind. Bei einem Anfall begeben wir uns ins Badezimmer, öffnen weit das Fenster und kuscheln uns in eine warme Decke. Dann erzähle ich ihr Geschichten in denen sie als tapfere Prinzessin Abenteuer erlebt oder als röchelnder Drache Bösewichte erschrickt. Spätestens bei der zweiten Geschichte hat sie sich soweit beruhigt gehabt. Als sie noch jünger war, half das Lieblingsspielzeug. Idealerweise etwas, worauf sie sich konzentrieren musste. Motorikschleifen oder Bilderbücher mit Klappen und Schiebern, sodass sie nicht weiter an den verengten Hals denken musste.

Um die Luft anzufeuchten und damit das Atmen zu erleichtern, kann man Wasser in die Badewanne einlaufen lassen, das Kind vor den offenen Kühlschrank setzen, oder einen Inhalator benutzen. Ein Inhalator ist Gold wert und wird vom Kinderarzt verschrieben.

Sobald die Kleine schläft, legen wir uns wieder hin und drehen die Heizung runter. Wenn sie nachts wach wird, liegen wir zusammen und ich rede beruhigend auf sie ein. Die Heiserkeit geht nach einigen Tagen zurück und man hat es überstanden. Mit drei Jahren ging es bei uns schon bergauf und die Anfälle wurden seltener. Kinder können bis zu ihrem fünften Lebensjahr noch Anfälle bekommen, dann wachsen sie meist aus der Krankheit heraus. Und es besteht keinerlei Ansteckungsgefahr für diese Erkrankung. Wir hoffen, dass wir bald dem Pseudokrupp endgültig Auf-nimmer-Wiedersehen sagen können.

Habt ihr damit auch schon  Erfahrungen machen müssen? Wie habt ihr reagiert?

Liebe Grüße

Eure Alice

 

Anmerkung der Redaktion: Alice beschreibt ihr persönliches Erlebnis und Ihren Umgang mit der Krankheit. Sollten Sie Fragen zu dieser Krankheit haben, vertrauen Sie bitte niemals dem Internet und wenden Sie sich direkt an Ihren Arzt!

2 Kommentare

  1. Liebe Alice,

    mein Neffe hatte vor knapp 2 Jahren mit etwas über 4 Jahren einen solchen Anfall und für mich war es das erste Mal dies zu erleben (habe noch keine eigenen Kinder). Dabei ruhig zu bleiben ist echt eine Kunst, besonders wenn es für einen selbst das erste Mal ist. Als raus an die frische Luft und Wasserdampf einatmen nicht half und er kaum noch Luft bekam, haben wir doch den Notarzt gerufen. Er war dann mit seiner Mama 2 Tage im Krankenhaus und etwas heiser. Der Tipp mit dem Ablenken war zumindest mir nicht bekannt, auch meiner Schwester offensichtlich nicht. Sie war auch nicht darauf vorbereitet, da es schon Jahre nicht mehr passiert war. Für mich war es eine heftige Erfahrung, weil ich mich so hilflos fühlte. Mit dem Wissen aus deinem Artikel wäre ich vielleicht schon entspannter damit umgegangen.

    LG Silke

    • Liebe Silke,
      Lieben Dank für dein Feedback.
      Ja, das erste Mal war auch für uns der Horror. Erst mit der Routine, kam die Gelassenheit und Ruhe.
      Ich wünsche euch, dass dein Neffe es nicht so schnell wieder bekommt. Kopf hoch, bald ist er da heraus gewachsen und der Spuk ist vorbei.
      Liebe Grüße
      Alice

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