Vom Baby zum Kleinkind – Beginn der Autonomiephase

Seit ungefähr 4 Wochen weint meine Tochter durchgehend. Zumindest fühlt es sich so an. Sie quengelt bei jeder sich bietenden Gelegenheit, klebt förmlich an mir und jammert immer sehr viel. Hallo und herzlichen willkommen, Autonomiephase!

Ich versuche sie immer zu begleiten. Versuche zu verstehen, was ihr gerade fehlt und wie ich ihr helfen kann. Doch dies scheint eine Sisyphusarbeit zu sein. Ganz gleich wie sehr ich mich auch bemühe, meine Tochter scheint immer unzufrieden (mit mir) zu sein.

Obwohl ich mir vorgenommen habe das Wort „Nein“ nicht allzu oft zu gebrauchen, kann ich an manchen Tagen nicht anderes sagen als „Nein!“.

Nein zur Steckdose. Nein zum Katzenklo. Nein zu vorbeifahrenden Autos. Nein zu scheinbar allem…

Mein Mann und ich haben versucht aus unserer Wohnung weitestgehend eine „Ja-Umgebung“ für unser Kind zu schaffen. Das bedeutet, wir haben Dinge aus ihrer Reichweite entfernt, die sie verletzen könnten oder gesundheitsgefährdend sind. Allerdings ist auch das eine Sisyphusarbeit. Denn immer wieder zeigt unsere Kleine uns sehr genau, wo noch „Baustellen“ sind. Es erschallt erneut das „Nein!“ und am Ende sind wir beide frustriert.

Ich dachte früher immer, dass die Autonomiephase erst mit ungefähr 2 Jahren beginnt. Wie naiv ich doch war…

Nein – da ist es schon wieder! – die Autonomiephase begann bei unserem Kind mit ungefähr einem Jahr. Vorher war alles weitestgehend tuttifrutti. Spielen, Lachen, Klatschen, Singen, Stillen, Kacken, Schlafen. Immer im Wechsel.

Hinzu kommt, dass sie immer wieder von gemeinen, sich durch den Kiefer bohrenden Zähnen geplagt wird. Denn nach dem Zahn ist vor dem Zahn.

Daraus resultiert: Autonomiephase plus Zähne gleich „Nein!“

Ich möchte gar nicht jammern, denn das liegt nicht in meiner Natur. Denn, wenn man sich für ein Kind (oder Kinder) entscheidet, dann gehört die Autonomiephase eben dazu. Ebenso die Zähne und leider auch manchmal das böse Wort „Nein“.

Ich würde gern auf dieses kleine Wörtchen verzichten. Besser noch ohne Konjunktiv: Ich will nicht „Nein!“ sagen. Ich möchte meiner Tochter nicht immer alles vorenthalten oder wegnehmen. Daher versuche ich ihr „Objekt der Begierde“, z.B. eine Schere, mit irgendetwas zu substituieren, also auszutauschen.

Es klappt nicht immer und nicht all zu selten kullert deswegen ein Tränchen. Aber mir ist es lieber, sie spielt mit einem Löffel als mit einem Messer oder einer Gabel. Anstatt im Katzenklo zu wühlen, darf sie die Deckel der Milchkartons abschrauben. Sollte absolut gar nichts mehr eine Alternative darstellen,  gehen wir einfach raus. Egal, ob es gerade nieselt oder die Sonne scheint. Wie sagt doch der Volksmund:

„Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur unpassende Kleidung.“

Wir gehen auf den Spielplatz oder auf die Wiese. Hauptsache raus! Denn dort kann sie nach Herzenslust laufen, erkunden sowie Blätter, Steine und Stöcke aufsammeln.

Wir sind wirklich viel an der frischen Luft. Das hilft uns derzeit am Besten. Kinder wollen entdecken und sich bewegen, erforschen, Steine sammeln und verstreuen. Sie wollen die Welt erkunden, lernen und die Erwachsenen nachahmen. Einfach alles ist interessant. Hat man schon das Laufen gelernt, wird auch ausprobiert wie weit die kleinen Füßen einen tragen können.

Es ist eine tolle Zeit. Es ist eine wahnsinnig anstrengende Zeit. Es ist eine absolut spannende Zeit…und sie ist anstrengend – das kann man ruhig zwei Mal sagen!

Unsere Kleine entwickelt allmählich einen eigenen Kopf und Charakter. Sie bringt mir ihre Kleidung und Schuhe, wenn sie gern rausgehen möchte. Sie bringt mir ein Buch, weil sie möchte, dass ich ihr daraus vorlese.

Nach und nach kommt nun auch die Sprache hinzu! Es ist nicht mehr alles einfach nur „Da! Da!“. Mittlerweile sagt sie Mama und Papa oder die Kombination Mapa, wenn wir beide gemeint sind. Sie unterscheidet „Gagak“ (Ente) von „Krakra“ (andere Vögel) und einfach jedes Tier mit Fell und vier Beinen ist „Katze“. Sogar einen kleinen, grunzenden Laut kann sie machen, wenn sie ein Schwein sieht.

Ich schaue sie an und sehe kaum noch das winzige, kleine Baby, dass sie vor einem Jahr war. Unsere Tochter ist nun 15 Monate alt und dem Baby-Dasein mit einem Mal entwachsen. Sie ist nun ein Kleinkind. Mitten in der Autonomiephase. Das bedeutet, sie wird Schritt für Schritt unabhängiger und ich werde sie dabei begleiten. Das ein oder andere „Nein“ werde ich mir wohl nicht verkneifen können. Aber versuchen möchte ich es…

Sagt ihr oft „Nein“ oder versucht ihr es zu vermeiden, wenn es möglich ist?

Eure Anke