Kein Smartphone im Schwimmbad

Freibad handy Kinder

Mittwoch, 6:30 Uhr kurz nach dem Aufstehen. „Papa? Können wir bitte ins Schwimmbad gehen?“ Ich zögere kurz, die Ferien in unserem Bundesland sind zwar vorbei, aber eigentlich habe ich eine Menge zu erledigen. Sie schaut mich mit großen Augen an und ich weiss, dass sich der Sommer bald zu Ende neigt und wieder die kalten und frischen Morgenstunden vor uns liegen.

„Ok, Schatz. Lass uns ins Freibad gehen.“ Freudig grinsend verschwindet sie im Kinderzimmer ,um ihre kleine Schwester zu informieren.

Frühstücken, Tasche packen und kurz vor der Tür noch schnell die letzten „wichtigen“ Dinge, in Form einer inneren Checkliste, abarbeiten. Wasser, Autoschlüssel, Geldbeutel, Tele – HALT – und plötzlich fällt mir auf, dass sich die Zeiten doch sehr geändert haben. Der letzte große Strandurlaub liegt schon Jahre zurück. Viel zu verwöhnt war ich von den Reisen und der Freizeit, die ich als Student genossen habe. Smartphones waren damals keine Option bzw. war ein Telefon schon „smart“, wenn man am Strand ein wenig Karten spielen konnte.

Wir laufen zum Auto und machen uns auf dem Weg ins Freibad. Dort angekommen suchen wir uns einen schattigen Platz und machen uns in guter Familienmanier erstmal häuslich – Wurfmuschel, Decken und zig Handtücher nebst Brezeln und Getränken finden aus den Taschen den Weg auf die feuchte Wiese unweit des Schwimmbeckens. Praktisch – früher habe ich es bevorzugt etwas abgeschiedener zu liegen. Ich erinnere mich, dass mich als Teenie die spielenden Kinder genervt hatten. Heute schaue ich mit einem gewissen Lächeln auf die Teenager von heute, die sich immer noch wie Ende der 80er Jahre in Grüppchen um beliebte Ort wie die Tischtennisplatte versammeln.

Ich schaue mich um, und ich betrachte die Menschen in meiner Umgebung. Ein rundlicher älterer Herr liest Zeitung, die mit den 4 Buchstaben (Nein, nicht POPO – sehr witzig). Eine junge Familie versucht zwischen den Handtüchern der Menschenmenge Federball zu spielen und ein kleines Mädchen kommt mit einem Eimer Wasser total stolz auf Mutti zugerannt, zumindest bis sie über die Habseligkeiten eines Liegenachbarn fällt und alle Handtücher in der Umgebung gebadet wurden.

Kreisch – der kleine Marvin zwei Plätze weiter lockt mit seinem Ketchup auf den Pommes die Wespen der ganzen Wiese an. Mich freut es, zumindest mal 5 min Ruhe vor den Biestern.

Tattoos überall Tattoos, das war in meiner Jugend irgendwie anders. Das Arschgeweih von Früher ist im heutigen Vergleich ein dezentes Tattoochen, womit ich nicht sagen will, dass ich keine Tattoos mag aber die Anzahl der Menschen mit wirklich vielen Tattoos ist enorm gestiegen. Vor allem die ganzen chinesischen Zeichen – ich lese Hund / Glück / Angst / Liebe / Ziege / Schlange / Mark / Sabine / Rene und und und –  versteckte Namen und Tierkreiszeichen in Kombination können Ihren ganz eigenen Witz haben, vor allem wenn man mitbekommt, dass Mark weder der Mann noch das Kind zu sein scheinen, zumindest war er ein Hund – also entweder etwa 1982 geboren oder doch bissig?? Wer weiss…

„Papa? Können wir nochmal ins Wasser?“ Die Große hat ihren spontanen Mittagsschlaf beendet und möchte direkt wieder ins Wasser. Wir machen uns auf den Weg ins Becken mit der großen und der kleinen Rutsche – Ganz wichtig! Auf dem Weg fällt mir abermals etwas auf, viele Menschen liegen mit ihren Telefonen auf ihren Handtüchern und tun nichts – im Schwimmbad – sie tun nichts. Mal ein Selfie hier und ein Selfie da, aber von den Dingen um sie herum bekommen sie nichts mit.

Als wir so im Wasser plantschen, ruft eine Frau nach ihrem Partner. “ Guck mal, das hat mir die Marina geschickt“, und hält das Smartphone in Richtung Schwimmbecken.

Nach gefühlten 100 mal Rutschen und unter dem Pilz-Wasserfall hin und her tauchen, gehen wir zurück an unseren Platz und packen nach einer Weile zusammen.

Zuhause schalte ich das Telefon ein, 54 Nachrichten, 16 Emails, davon mind. 8 Werbung und 20+ Facebook Benachrichtigungen – Ich lache und bin froh ohne Smartphone im Schwimmbad gewesen zu sein. Auf das Instagram Bild kann ich heute gerne verzichten, denn ich habe soviel wie lange nicht mehr, bewusst meine Umwelt wahrgenommen. Ebenfalls musste ich mir keine Sorgen darüber machen, ob mein heiliges Handy geklaut wird oder ob es sich einen Schaden zuziehen könnte. Es war ein wenig wie in meiner Jugend – und es war vor allem eines – eine kleine Auszeit von der stressigen Welt des Informationsflusses. Schon sehr nostalgisch, denn es erinnerte mich sehr an etwas, was ich an den Besuchen im Schwimmbad immer mochte… man hatte Exklusivzeit mit Mama/Papa oder den Eltern, die es so nur ganz selten gab.

Smartphone im Schwimmbad ein Go oder No Go für euch? Habt ihr das Smartphone einmal bewusst nicht mitgenommen?

Zur Abwechslung mal liebe Grüße von

Eurem Ganter Dominik