Familienbett oder Elternbett?

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Als die Kinder noch nicht da waren, hatten mein Mann und ich konkrete Vorstellungen davon, wie der Alltag mit Kindern ablaufen würde. Das Kinderzimmer wurde liebevoll eingerichtet, es wurden „ordentliche“ Kinderbetten gekauft, die lange halten sollten, dazu teure Matratzen, damit die Kinder sicher und behütet darauf schlafen können. Vor der Geburt kamen beide Bettchen zu uns ins Schlafzimmer, denn schließlich sollten die Kleinen die ersten Wochen bei uns im Zimmer schlafen. Wenn sie dann mit ca. 8 Wochen durchschlafen würden, sollten die Bettchen wieder ins Kinderzimmer.

Schon in der ersten Nacht nach der Geburt musste ich feststellen, dass Neugeborene an sich viel schlafen, nur nicht nachts. Aber sie schlafen viel schneller ein, wenn sie neben oder auf einem liegen. Zuhause durften sie vorübergehend in unser Bett, weil das Stillen nicht klappte und das Zufüttern anstrengend war, sie dauernd nachts wach waren usw. usw. Fazit: die schönen neuen Bettchen standen eine sehr lange Zeit als Zierde in unserem Zimmer.

Bücher, wie man Kinder dazu bringt, alleine einzuschlafen, führten bei uns zu furchtbar vielen Tränen. Irgendwann schliefen sie zwar ein, aber bis dahin waren es qualvolle Minuten und bei jedem Zubettgehen wiederholte sich das Martyrium. Besonders mein Sohn hatte größte Probleme, dieses Ritual zu verstehen. Er war von Anfang an sehr anhänglich, und brauchte immer viel Körperkontakt. Irgendwann gab ich es auf. Ich nahm beide Kinder, legte eines auf die rechte Seite, das andere auf die linke Seite. So hielten wir ab da gemeinsam unsere Mittagsschläfchen. Dies führte dazu, dass ich entspannter wurde, weil erstens das Geschrei wegfiel und sie selig und fast augenblicklich einschliefen und zweitens der nächtliche Schlafmangel ausgeglichen wurde. Nachts durften sie ebenfalls in unserem Bett schlafen.

Natürlich kam viel Kritik von Verwandten und Bekannten, die mich verunsicherte. Dies waren schließlich meine ersten Kinder. Kinder müssen Selbstständigkeit lernen! Es ist schädlich, wenn Kinder im Elternbett schlafen! Aber müssen Kinder schon mit wenigen Tagen und Wochen selbstständig sein? Kann es schädlich sein, Kinder bei sich zu behalten? Also wälzte ich Ratgeber und durchsuchte Internetforen. Schließlich fand ich in einem Buch einen Absatz, der mein Leben entscheidend veränderte:

Bei der Kindererziehung gibt es kein richtig oder falsch, solange es die Familie so will und es für sie funktioniert. Ob eine Mutter ihr Kind ins Bettchen legt und dem Kind gut zuredete, wenn es aufwacht, oder ob sie es hochnimmt und wiegt – beides ist okay! Früher haben alle zusammen in der Höhle gehaust und zusammen geschlafen, später schlief die ganze Familie zusammen in einem Raum. Eine gesunde Mutter kann im Schlaf ihr Kind nicht verletzten, es überrollen o.ä. Wenn Medikamente und Drogen im Spiel sind, sieht das wieder anders aus.

Welche Beruhigung! Unsere Kinder blieben im Elternbett, und zwar ziemlich lange. Als sie größer wurden, wurde der Platz eng. Dann wurde eins der Kinderbettchen umfunktioniert, eine Gitterseite abgeschraubt und als „Beistellbett“ an unser Bett heran geschoben. Als sie dann so groß wurden, dass akuter Platzmangel herrschte, der elterliche Rücken immer öfter zwickte und zwackte, wurden Jugendbetten gekauft und die Kinder zogen ins Kinderzimmer. Dieses Mal funktionierte das Umquartieren ohne Probleme! Mein Sohn ist immer noch derjenige, den es gegen Mitternacht zu uns zieht. Meine Tochter schläft öfters durch, manchmal hört man Getrappel und dann wird die Decke aufgeschlagen und sie schlüpft zu uns. Das ist völlig okay.

Es geht natürlich auch anders! Bei einer Freundin schlief ihr Baby mit wenigen Wochen im eigenen Zimmer, da es immer aufgeweckt wurde, wenn der Vater zur Frühschicht musste.

Jede Familie sucht sich den Weg aus, der für sie am besten funktioniert und man sollte sich nicht verunsichern lassen. Meist hat man als Mutter genau den richtigen Spürsinn dafür, was das Kind braucht. Da die Kinder vielfältig und einzigartig sind, gibt es keine allgemeingültige Lösung, sondern unzählige verschiedene Lösungen.

Wie ist es bei euch? Möchtet ihr erzählen?

Eure Alice

1 Kommentar

  1. Hallo Alice,

    Super geschrieben. Ich hätte vor der Geburt unserer Tochter auch ziemlich genaue Vorstellungen, wie das ganze funktioniert. Sie hat mich schon an ihrem ersten Tag eines besseren belehrt, weil sie sich schon nicht in das Babybettchen im Krankenhaus legen ließ, sondern da schon bei mir geschlafen hat. Inzwischen haben wir ein 2,30 m Familienbett, in ihrem Zimmer steht nur der Wickeltisch und keiner von uns denk daran, dass so schnell zu ändern. Sie wird ja auch erst 2 😊. Freut mich hier von Dir zu lesen.

    Liebe Grüße,

    Vanessa, Dan und AR

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