Bedürfnisorientierte Beziehung und Vorbildfunktion

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Bei vielen stellen sich ja schon die Nackenhaare, wenn sie hören, dass wir bedürfnisorientiert mit unseren Kindern leben. Sprüche wie: dann habt ihr ja keine Regeln, bei euch geht’s drunter und drüber oder Kinder brauchen Konsequenzen und Strafen, sind keine Seltenheit.
Ich blicke dem ganzen „Gelaber“ (verzeiht die abschätzige Wortwahl) mittlerweile viel gelassener entgegen.
Wenn es jemand hören will, erkläre ich kurz oder auch etwas länger, wie wir versuchen miteinander und mit unseren Kindern umzugehen. Grundsätzlich leben wir bedürfnisorientiert bzw. wollen so leben, was uns jedoch nicht immer gelingt. Deswegen, es ist nie zu spät, für einen Neuanfang und „Fehler“ zu machen liegt in unserer Natur. Jeder von uns ist anders aufgewachsen, was uns sehr prägt.
So weit so gut. Worauf ich eigentlich hinaus will, ist, dass es gar nicht so vieler bzw. keiner Regeln bedarf. Wenn man nämlich vorlebt, wie man sich verhalten kann, wie man handeln sollte und wie man miteinander umgeht, dann ist das alles, zumindest bei uns, ein Selbstläufer.
Das fängt schon beim Essen an. Mein Mann und ich essen beide so ziemlich alles. Mein Mann achtet weit mehr auf eine gesunde Ernährung als ich, aber ich gebe hier auch mein Bestes. Wir haben zum Beispiel keine Nussnougatcreme oder Chips zu Hause. Bei besonderen Anlässen schon, aber grundsätzlich nicht. Aber auch nur deshalb, weil ich es sonst aufessen würde. Was ungesunde Dinge angeht, kann ich nämlich nicht Maß halten. Im Gegensatz zu meinem großen Sohn.
Es gibt einen Süßigkeitenschrank, da darf er immer ran. Sei es vor dem Essen, vor dem Zubettgehen o.ä.. Denn genau wie wir haben Kinder auch Gelüste (und oh Gott, ich kann es so gut nachvollziehen!!). Doch er sieht weder mich noch meinen Mann Unmengen an Süßkram oder Chips essen, also macht er es auch nicht!
Wir frühstücken meist gemeinsam, aber wenn einer keinen Hunger hat, muss er auch nicht mitessen. Ich bin ein ganz schlechter Frühstücker, der Kinder wegen esse ich meist eine Kleinigkeit, eben um es vorzuleben.
Heute Morgen wollte der Süßfisch nicht frühstücken. Es war okay für uns. Wenn er keinen Hunger hat, dann kann er gern auch später noch etwas essen. Nur so kann er lernen ein verantwortungsbewusstes Körper-und Hungergefühl zu entwickeln.
Ein „vernünftiger“ Umgang mit Medien ist mir persönlich ebenfalls wichtig. Ich finde es unerträglich, wenn den ganzen Tag der Fernseher läuft, der Pc angeschaltet ist oder man den lieben langen Tag das Smartphone in der Hand hält. Viel schöner finde ich, wenn diese Dinge bewusst genutzt werden und es quasi feste Zeiten gibt. Nicht eben als Dauerberieselung. Hier fahren wir damit sehr gut und es macht uns auch mal Spaß, etwas gemeinsam anzusehen, auf welchem Medium auch immer.
Auch bei dem Umgang mit anderen Lebewesen und Pflanzen sollten wir das Vorbild sein. Ich war neulich ganz erschrocken, als ein etwa 5 jährigen Junge auf dem Spielplatz einen Käfer derart tottrat, dass ich ihn ganz verdutzt angesehen habe. Doch woher hat ein Kind diese Verhaltensweisen? Entweder vorgelebt bekommen oder nicht berichtigt worden, als es kleiner war.
Mein Süßfisch wollte am Anfang immer, dass ich Spinnen wegmache. Zum Glück hat er nur wegmachen gesagt! Er hat wohl irgendwo gehört, dass Spinnen eklig sind und ich glaube, er hatte sogar ein bisschen Angst. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, denn Spinnen gehören wahrlich nicht zu meinen Lieblingstieren, habe mir ein kleineres Objekt auf die Hand gesetzt und wir haben es zusammen betrachtet. Jetzt kommt immer:“ Mami guck, wie süß, eine Spinne!“ 😂 Na ja, süß sind sie nicht, aber ich kann damit besser leben, als mit den Worten vorher.
Mir ist es einfach wichtig, dass mein Kind lernt, verantwortungsvoll mit unserer Umwelt und allen darin befindlichen Lebewesen umzugehen. Dazu gehört es auch, nicht einfach Blätter oder Blumen abzureißen oder gar mutwillig zu zerstören. Auch hier lebt man solch ein Verhalten vor!
 Schreit man direkt los, wenn man ein Krabbeltier sieht und tritt drauf, wird es das Kind vermutlich auch tun.
Auch ärgert es mich immer wieder, dass man so viel Müll in der Natur vorfindet! Letztens habe ich wieder den Spielplatz aufgeräumt. Das Speckbaby stopft sich alles was es findet in den Mund, also musste der Müll weg. Mein Süßfisch sah dann, wie ein anderes Kind die leere Süßigkeitenverpackung achtlos fallen ließ. Später tat er genau dasselbe! Mit den Worten, dass das andere Kind das doch auch getan habe. So schnell passiert es. Ich habe es ihm dann noch mal ausführlich erklärt und wir haben gemeinsam den Müll dahin entsorgt wo er hingehört. Klar, da steckt viel Arbeit dahinter, aber ein gutes Vorbild zahlt sich aus.
Viele Regeln werden überflüssig, weil die Kinder nachahmen. Auf kurz oder lang einfach eine win-win-Situation, denn man muss gar nichts sagen,0 weil die Kinder sich automatisch so verhalten, ohne Konsequenzen, ohne Druck und ohne Strafen.
Und nicht, dass ihr jetzt denkt, oh wow, das ist ja ne Übermutter. Nee nee, ich versuche mein Bestes, aber das gelingt mir auch nicht immer. Ich fluche zum Beispiel leidenschaftlich gern auch mit Kraftausdrücken. Also eher nicht so vorbildhaft. Und ich schmatze beim Essen 🙈, wenn mir etwas richtig gut schmeckt. Der Süßfisch macht das mittlerweile auch. Oh man.
Es gibt bestimmt noch unzählige nicht so vorbildliche Verhaltensweisen von mir oder meinem Mann, aber wie schon gesagt, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und man lernt ja nie aus.
Wie lebt ihr mit euren Kindern? Versucht ihr ein gutes Vorbild zu sein? Gelingt es euch auch ab und zu nicht, wie mir?
Eure Franzi