Zur Belohnung gibt es Eis

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Wenn ich mich an eines aus meiner Kindheit erinnere, dann an Belohnungen: Beim erfolgreichen Toilettengang, für Hilfe im Haushalt, gute Noten, ich weiß nicht, für was noch alles.

Ich weiß allerdings noch ganz genau, dass ich lange Zeit nur auf diese Belohnungen hinarbeitete, nicht weil ich selber irgend etwas gut machen wollte. Auch fühlte ich mich sehr abhängig von diesen materiellen Bestätigungen, ohne die ich mir wertlos vorkam.

Erst viele Jahre später konnte ich mich selbst für etwas Geleistetes wertschätzen. Durch solche Belohnungssysteme fehlt einfach eine gleichberechtigte Beziehung zwischen Menschen. Derjenige, der Belohnungen verspricht, hat die Macht über seinen Gegenüber.

Wie würde mein Mann sich fühlen, wenn ich ihm sagen würde, dass er ein Eis bekommt, wenn er die Spülmaschine einräumt und nicht rumzickt?? Richtig, wohl ziemlich komisch. Dennoch höre ich häufig, dass Kindern ein Eis oder sonstiges versprochen wird, wenn sie sich  „gut benommen“ haben. Oder eben ein laut brüllendes Kind ohne Eis an der Eisdiele vorbeigezogen wird, eben weil „solch ein Benehmen“ nicht auch noch belohnt werden darf. Unsere Tochter bekommt immer ein Eis – ganz einfach weil wir auch eins wollen 😉 und weil das Kaufen von Eis einfach gar nichts mit irgend einem gewünschtem oder nicht gewünschtem Verhalten zu tun hat.

Unsere Tochter möchte, dass wir ihre Handlungen sehen und wertschätzen, sie möchte sie uns zeigen und darüber sprechen. Wenn sie uns ein gemaltes Bild zeigt, oder ein selbst ausgedachtes Lied vorsingt, greife ich die dargestellte Thematik auf: Ich rede mit ihr über die Farben und Formen ihres Bildes oder den Text ihres Liedes. Als sie von einem Tag auf den anderen auf Toilette ging, sagte ich, dass sie sicher sehr stolz darauf ist, dies nun alleine zu können.

Ich liebe es, unserer Tochter kleine Überraschungen mitzubringen, oder einen Grund zum Feiern zu haben – dafür braucht es keine besondere Leistungen ihrerseits.

Strafen gibt es bei uns auch keine, wozu auch? Ich denke nicht, dass Kinder in ihren ersten Lebensjahren irgend etwas in der Absicht tun uns zu ärgern. Da würden mir bei meinem Mann schon mehr Dinge einfallen, aber ihm sage ich ja auch nicht: „Wenn du jetzt Dein Handy nicht weg legst, bekommst Du kein Abendessen.“

Unsere Tochter ist vier Jahre alt und es gab noch niemals nur den Ansatz einer Situation, in der ich den Gedanken an eine Strafe gehabt hätte. Ich kann ihr sagen, warum ich das ein oder andere vielleicht nicht so toll finde, ihr Alternativen anbieten, oder im Extremfall eine Situation mit ihr verlassen. Ich kann selber mit gutem Beispiel voran gehen und einfach darauf vertrauen, dass sie immer einen Grund für ihr Verhalten hat. Außerdem kann ich mit logischem Verhalten meinerseits reagieren: Bewirft sie mich beispielsweise mit Sand, möchte ich nicht weiter im Sandkasten sitzen bleiben. Dies versteht sie sofort und braucht keine weitere Aufforderung.

Mir ist es wichtig, dass unsere Tochter alle Handlungen aus eigenem Antrieb heraus ausführt, nicht um uns zu gefallen. Wir versuchen, ihr immer das Gefühl zu geben, dass sie „richtig“ ist – genau so wie sie ist, nicht auf Grund irgend einer herausragenden Leistung.

Wie steht ihr zu diesem Thema?