Das will ich alleine machen

„Das will ich alleine machen!“ Das ist momentan der Lieblingssatz meiner fast dreijährigen Tochter. Wehe, ich versuche, ihr das abzunehmen. Sei es aufs Sofa auf ihre Wickelunterlage zu klettern, ihr die Hose hochzuziehen oder ihren Becher aus der Küche in die Stube zu tragen. „Ich will das alleine!“

Und wehe, es klappt dann nicht so, wie sie es will. Wenn der Klettverschluss der Sandale streikt, ist erstmal Gebrüll angesagt. Ist ja auch viel einfacher, statt direkt zu fragen „kannst du mir bitte helfen?“ In vielen Fällen darf ich dann erstmal rätseln, was sie eigentlich gerade will.

Richtig toll ist es, wenn wir am frühen Morgen wenig Zeit haben, weil sie in den Kindergarten und ich in die Schule muss. Denn wenn sie alles alleine machen will, dann dauert es leider meistens doppelt so lange.

Und alles muss seine Ordnung haben. „Nein, wir gehen bei den Blumen lang, weil wir hier immer lang gehen!“ Sogar das tägliche Telefonat mit dem Papa ist genau durch getaktet. Sie ruft ihn an („Ich will das alleine machen!“), und nachdem wir die Neuigkeiten des Tages ausgetauscht haben, will sie auflegen. „Kannst du tschüssi sagen, Mama? Kannst du Gute Nacht sagen?“

Auch wenn ich das schon gemacht habe, die Reihenfolge muss stimmen. Manchmal denke ich, dass ich einen kleinen Sheldon bei mir habe. Das ist eine Serienfigur, ein hochbrillanter Physiker, der einen immer gleichen Tagesablauf hat, weil er sonst aus den Fugen gerät und durch dreht.

Aber gerade, während ich das so schreibe, begreife ich, dass sich das eigentlich nach einem normalen Mädchen anhört, das sich nach Ordnung und Struktur sehnt, wie jedes andere Kind auch. Ein fester Plan, nach dem es sich richten und orientieren kann.

Also gut, mein Schatz, dann gehen wir bei den Blumen lang, weil ich nun begriffen habe, dass es dein roter Faden ist, dein Stück Sicherheit im Alltag.

In Ordnung, mein Schatz, dann ziehe ich die Hose eben wieder runter, damit du sie selbst hochzuziehen kannst. Nicht nur, damit ich meine Ruhe habe, weil du mich sonst anschreist. Sondern weil ich jetzt verstanden habe, dass du das ja anders gar nicht lernen kannst, wenn ich dir alles abnehme.

Wenn sie irgendwann ein mauliger Teenager ist, der zu nichts Lust hat, werde ich dann nicht genau diese Zeit vermissen? Selbst wenn alles länger dauert, obwohl ich schnell zur Schule muss? Ich werde es vermissen, dass sie freiwillig immer den leichten Beutel die Treppen herunter trägt, wenn wir Müll runter schaffen. Oder dass sie den roten Koffer hinter sich her zieht, obwohl der schwer ist, ich ihn lieber nehmen würde und die Aktion nach Kinderarbeit aussieht oder den trockenen Schrubber ohne Lappen durch die Stube schwingt, weil sie sauber machen möchte.

Wollen Eure Kinder auch alles alleine machen? Klappt das bei euch gut, vereint mit einem hektischen Alltag?

Liebe Grüße

Eure Theresa