Häusliche Gewalt 

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Hallo meine Lieben, Heute möchte ich ein sehr persönliches, wichtiges und  ernstes Thema ansprechen. Nein- ich möchte es nicht nur ansprechen, ich möchte euch meine ganz persönlichen Erlebnisse schildern. Euch Mut machen, falls ihr auch davon betroffen seid und an euch appellieren : SCHÜTZT EUCH UND EURE KINDER!

Denn, ihr seid nicht allein. Häusliche Gewalt ist in viel zu vielen Familien Alltag und dagegen müssen wir uns wehren. Schaut nicht weg, verschließt nicht die Augen, lasst euch nicht einreden, dass es normal sei, oder ihr nichts wert seid…. Uhr seid stark und wundervoll und kein Mensch der Welt hat es verdient misshandelt, niedergemacht und verletzt zu werden.

Ich möchte euch auch warnen, dass dies meine “echte Geschichte” ist. Es nichts gestellt oder erfunden. Leider mussten, meine Kinder und ich, diese schlimmen Erfahrungen durchmachen. Es ist nun ein Jahr her, dass ich mich vom Vater meiner Kinder getrennt habe. Gewalt und Drogen bestimmten unseren Alltag. Die Erinnerungen an diese Zeit sind noch sehr präsent und tun auch heute noch weh.

Häusliche Gewalt- allein dieser Ausdruck wiegt so viel. Er trägt Leid, Angst, Tränen und Verzweiflung in sich.

Wie alles begann? Das kann ich euch gar nicht so genau sagen. Es begann plötzlich und aus heiterem Himmel. Er veränderte sich stark und reagierte aggressiv auf Kleinigkeiten. Er wurde sehr schnell sauer und ich  wusste manchmal gar nicht warum er nun so reagierte, wie er es tat. Am Anfang waren es noch Streitereien und Diskussionen, doch mit der Zeit wurde er handgreiflich. Ich erhielt Schläge, weil ich es nicht schaffte an einem Tag zu wischen oder das Geschirr zu lange in der Spüle stand. Eigentlich Kleinigkeiten, die in jeder Familie mal vorkommen. Alltägliches endete bei uns in Gewalt.

Ich erzählte natürlich niemandem davon und nahm die Schuld auch immer auf mich. ICH war ja diejenige die nicht gewischt oder gespült oder falsch gekocht hatte. ICH war ja diejenige, die Fehler machte. Er wies mich ja lediglich zurecht.

Diese täglichen Vorwürfe nagten an mir. Ich verlor Gewicht und sah einfach nur noch krank aus.

Die Angst vor ihm wurde so groß, dass ich fürchtete er würde irgendwann total ausrasten. Ich wartete jeden Tag auf die große Eskalation und stand unter Spannung.

Ich versuchte mich zu ändern. Ihm zu gefallen. Ich verbog mich völlig für ihn. Ich wollte einfach “gut” genug für ihn sein. Warum ich so dachte? Ich hatte die Hoffnung, dass die häusliche Gewalt und die Erniedrigung durch ihn irgendwann verschwinden würden, wenn ich endlich seinen Ansprüchen genügen würde.

Zu dieser Zeit war ich mit unserem 3. Kind schwanger und musste natürlich noch auf die anderen zwei Zwerge aufpassen. Hinzu kam eine Schwangerschaftsvergiftung, die mir das Leben nicht einfacher machte. Er arbeitete bis spät abends. So war ich tagsüber viel alleine und erst, wenn er nach Hause kam, stand ich wieder völlig unter Strom.

Dieser Zustand hielt Wochen an! Jeden Tag diese Furcht in mir zu tragen, dass ihm irgendwas nicht passte, ich Schläge einstecken musste, war unglaublich groß geworden.

An die erste wirkliche Eskalation erinnere ich mich noch sehr gut. Er rastete völlig aus – den Grund dafür weiß ich nicht mehr. Er schlug fester und fester auf mich ein, sodass ich auf meinen Babybauch fiel. Meine beiden Jungs bekamen das natürlich alles mit. Ich hatte Angst. Furchtbare Angst.

Er drohte ständig und so rief ich nicht die Polizei, sondern ließ ihn eben tun, was er tat. Ich war naiv genug zu glauben, dass alles wieder “schön” werden würde. Es wurde aber alles nur schlimmer. Auch nach der Geburt unserer Tochter änderte sich nichts zum positiven.

Er drängte mich zu Dingen, die ich nicht tun wollte. Ich ließ es zu, weil ich Angst hatte! Diese Angst wurde von Tag zu Tag größer und schwebte wie eine schwere, schwarze Wolke über mir. Ich fühlte mich bedroht und wartete auf das große Gewitter, dass da kommen sollte. Und es kam – mit großem Knall! Und es veränderte einfach alles!

Er kam wie jeden Abend nachhause und sah, dass das Wohnzimmer nicht ordentlich genug war. Er wütete und es war einfach anders als sonst. Ich hatte panische Angst und schloss mich mit meinen Kindern im Kinderzimmer ein. Erst schlug er auf die Tür ein und schrie, dass ich aufmachen solle. Das tat ich natürlich nicht. Er wurde immer wütender und ich rief meine beste Freundin an. Ich sagte ihr, dass es anders sei als sonst und bat sie, dass sie die Polizei informieren sollte, wenn ich mich in den nächsten Minuten nicht mehr bei ihr melden würde. Sie informierte sofort die Polizei.

Mein Ex trat die Tür ein, ihm war es egal ob eines der Kinder davor sein könnte. Sobald er sich Zutritt verschaffen hat, warf er mich aufs Bett und schlug mit Fäusten auf mich ein.

Noch heute tut es mir leid, dass meine Kinder das alles miterleben mussten. Sie weinten fürchterlich und schrien, dass er endlich aufhören solle. Die Schmerzen, der Schläge, spürte ich in diesem Moment nicht. Es war alles wie ein böser Film und ich hörte nur meine Kinder weinen.

Er ließ erst von mir ab als es klingelte und die Polizei da war. Diesmal war ich nicht still. Ich sprach und erzählte jeden einzelnen Vorfall. Er musste die Wohnung verlassen und endlich wurde uns geholfen.

Seit diesem Tag sind wir befreit von ihm und unserem gewalttätigen Alltag! Doch auch ein Jahr später geht es meinen Kindern nicht immer gut. Sie sind traumatisiert. Besonders merke ich das, wenn mein jetziger Partner mich kitzelt und Spaß mit uns macht. Die Kinder fangen direkt an zu weinen und gehen auf Abwehr und Konfrontation. Natürlich hört er dann direkt auf und wir erklären ihnen gemeinsam die Situation.

Zeit und Geduld – das sind die beiden Dinge, die wir Ihnen massenweise schenken. Offene Ohren und Herzen bringen wir Ihnen tagtäglich entgegen und hoffen, dass wir das alles gemeinsam schaffen.

Viel fragen sich nun sicher, warum ich meinen Ex nicht einfach früher verlassen habe. Dieser Frage stelle ich mich täglich – genauso wie den Vorwürfen, die ich mir selbst mache. Ich hätte sie mehr schützen müssen, vor all diesen Erlebnissen, und ich konnte es nicht.

Es dauerte, bis ich den Mut fand und meine Angst überwand.

Was sich wie eine Szene aus einem Buch oder einem Film anhört war leider meine Realität. Umso glücklicher bin ich nun, dass diese Zeiten vorüber sind. Doch ich weiß auch, dass es viele Frauen da draußen gibt, die solche und noch schlimmere Dinge tagtäglich durchleben.

Darum bitte ich jeden einzelnen von euch diesen Text zu teilen, dass Frauen die in der gleichen Lage sind, den Mut finden sich zu trennen oder es gar nicht erst soweit kommen muss.

Findet eure Stimme! Ich wünsche es euch so sehr!

Häusliche Gewalt ist ein absolutes NoGo! Es sollte niemals toleriert oder verschwiegen werden.

Schützt euch und eure Familie und vertraut euch jemandem an!

Eure Aylin