Kaiserschnitt statt natürliche Geburt

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Für mich stand immer fest, dass meine Kinder natürlich entbunden werden sollen. Als der Ultraschall jedoch zeigte, dass sich eins der Kinder in Beckenendlage befand und das andere quer lag, war der Kaiserschnitt unumgänglich. Bei vielen Mehrlingsgeburten wird zum Kaiserschnitt geraten, da eine Geburt viel von der Mutter abverlangt, genauso wie von den Ungeborenen.

Ich war noch nie so aufgeregt gewesen, wie an dem kalten Dezembertag 2013. Das Herz schlug gegen den Brustkorb, als würde es jeden Augenblick ausbrechen wollen. Zur Bestätigung piepten die Geräte neben mir immer schneller.

Die PDA wirkte schnell und ich spürte nichts mehr ab der Brust abwärts. Das Legen der PDA ging ruckzuck und war nicht sonderlich schmerzhaft. Es fühlte sich seltsam an, nach so langer Zeit flach auf dem Rücken zu liegen. Seit dem dritten Schwangerschaftsmonat lag ich vorsorglich nur auf der linken Seite. Ein rapider Blutdruckabfall bestätigte das Wirken des Mittels, und nachdem das kontrolliert wurde, war ich wieder ansprechbar. Mein Blick wanderte rastlos zu den Geräten an meiner rechten Seite, meinem Mann zu meiner linken Seite und zu dem grünen Tuch, das man über meine Brust gespannt hatte. Die vermummten Gestalten dahinter operierten konzentriert. Ich musste an die Tiere im Zoo denken, die jeden Tag bestaunt werden. Mit mehreren Krankenschwestern, zwei Kinderärzten, Assistenzärzten und Anästhesist war der kleine OP-Raum voll. Anschneidend war eine Zwillingsgeburt eine Attraktion, selbst für das Uniklinikum Heidelberg. Es war relativ ruhig im Raum, nur das Piepsen der Geräte und vereinzelt das Klappern von Operationsbesteck unterbrach die gespannte Stille.

Mein Mann hielt meine linke Hand fest und mit dem hohen Feuchtigkeitsgehalt dazwischen, hätte das ein hervorragendes Reisanbaugebiet abgegeben.

Plötzlich wurde ich durchgerüttelt und schaute überrascht auf.

Da war er! Der kurze Aufschrei, auf den wir so lange gewartet haben.

„Ihre Tochter“, sagte eine Krankenschwester und zeigte mir das kleine, zappelnde, mit Käseschmiere bedeckte Baby in ihren Händen. Wie wunderschön dieses kleine Wesen war. Schon wurde meine Tochter weggetragen und ein weiteres Rütteln kündigte den nächsten Erdenbürger an. Der langersehnte Schrei ließ mich aufatmen. Ein gewaltiger Stein fiel mir vom Herzen. Eine andere Krankenschwester zeigte mir das zweite Baby. „Hier kommt ihr Sohn!“, frohlockte sie und ich mit ihr. Er war sogar noch kleiner, als seine Schwester. Nichts im Vergleich zu den Wonneproppen meiner Cousinen oder Freundinnen. Beide Babys waren kerngesund und das war das Wichtigste.

Mein Mann durfte zum Wiegen und Säubern mitgehen.

Ich lag weiterhin auf der Liege und wartete ungeduldig darauf, dass ich wieder zusammengeflickt werde. Wie in Trance ließ ich immer wieder die zwei kleinen Gesichter Revue passieren. Nun waren sie endlich da! Nach drei Tagen ging es mir soweit gut, dass ich die Kinder versorgen konnte. Am vierten Tag wurden wir entlassen. Früher dachte man, nach einem Kaiserschnitt ist bei weiteren Geburten, wieder ein Kaiserschnitt notwendig, dies stimmt aber nicht. Eine Frau mit Kaiserschnitt kann natürlich entbinden. Auch die Narbe verheilt mit der Zeit zu einem hellen Strich, der kaum noch auffällt. Nicht die schönste Erfahrung, die ich machen durfte, aber eine, die ein unglaubliches Ergebnis mit sich brachte.

Liebe Grüße

Eure Alice