Warum die Zeit als Paar so wichtig ist

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Mir fällt immer wieder auf, dass mein Mann und ich immer weniger Zeit zu zweit verbringen. Das war mal anders. Wir hatten ein Leben, in dem wir als Paar aktiv unterwegs waren. Aber das war, bevor wir eine Familie gründeten.

Wir waren im Kino, wir waren fein im Restaurant essen, wir unternahmen Ausflüge, genossen gemeinsame Urlaube, gingen auf Partys oder faulenzen zusammen auf dem Sofa. Es sind viele schöne Erinnerungen, auf Fotos festgehalten, an eine Zeit, die nun weit entfernt scheint.

Bereits mit der ersten Schwangerschaft änderte sich vieles. Ich wurde häuslicher, war vorsichtig, ich wollte eine gute werdende Mutter sein. Als unser Sohn dann da war, hatte ich erst mal sehr lange Zeit gar nicht mehr das Verlangen auszugehen. Ich war ausgefüllt mit den Aufgaben, die eine Mutterschaft so mit sich bringt.

Als der Kleine dann etwas älter wurde, passten Oma und Opa auf ihn auf und wir gingen ins Kino. Sogar beim Bowling war ich einmal mit Freunden gewesen. Doch es zog mich auf magische Weise immer wieder sehnsüchtig nach Hause, denn ich vermisste mein Kind. Eigentlich hätte ich dankbar und froh sein müssen. Endlich mal Zeit für mich und meine Bedürfnisse, endlich mal wieder Paarzeit, jedoch verbrachten wir als Ehepaar dann doch mehr Zeit zu Hause, während unser Söhnchen nebenan schlief. Aber es war in Ordnung so, denn wir fühlten uns so wohler.

Dann kam das 2. Kind und ich wollte es nicht loslassen. Genau einmal, nämlich zu unserem Jahrestag, waren wir zu zweit ausgegangen zum Essen. Dann verstarb unsere Tochter plötzlich und es riss uns den Boden unter unseren Füßen weg. Wir gingen gar nicht mehr aus, klammerten uns an unseren Sohn und aneinander. Als unsere Jüngste auf diese Welt kam, war gar nicht mehr daran zu denken, gemeinsam als Paar das Haus zu verlassen. Entweder wir gingen als Familie oder gar nicht. Zum einem hing dies mit der vorsorglichen Monitorversorgung zur Früherkennung einer SIDS Vorstufe zusammen, dass sich niemand zutraute, sich um sie zu kümmern, und dass ich mich nicht trennen konnte.

Die Kleine war 5 Monate alt, als wir dann das erste Mal am sehr frühen Abend ausgingen zum Essen, während die Großeltern sich um die Kinder kümmerten. Ich kann euch sagen, es war ein unruhiges Essen, ich aß schnell und wollte wieder nach Hause. Egal, wie wir es drehten und wendeten, an Zeit zu Zweit war kaum zu denken. Es war sehr frustrierend, jedoch stellte ich das Wohl der Kinder über alles und mein Mann akzeptierte dies.

Wir hatten den Abend in der Regel für uns. Wir gingen zwar nicht aus, aber wir hatten Zeit zu Zweit. So liehen wir uns Filme aus, statt ins Kino zu gehen, bestellten uns Essen nach Hause, statt fein im Restaurant zu dinieren, erzählten uns von unserem Tag und ließen ihn gemeinsam kuschelnd auf dem Sofa ausklingen. Selbst unsere Freunde passten sich unserer Elternrolle an und kamen am Abend zu Spieleabende oder Homecinema bei uns vorbei. Und das ist bis heute so geblieben. Klar gehen wir mal mit Freunden weg, aber wohlgemerkt einzeln, es ist immer einer von uns bei den Kindern.

Es gibt nur eine Ausnahme im Jahr. Und das ist unser Jahrestag. An diesem Tag gehen wir gemeinsam als Paar in ein Restaurant, die Kinder bleiben bei Oma und Opa. Das klappt mittlerweile ganz gut; der Große schläft oft dort, während unser Nesthäkchen noch bei uns bleibt.

Als Paar benötigt man definitiv Zeit zu zweit. Man muss vielleicht nicht immer ausgehen, aber man muss sich die Zeit nehmen. Eins ist klar: Ein Kind entsteht aus einer Liebesbeziehung und diese muss gepflegt werden. Wir sind Mutter und Vater und müssen in diese Rolle erst reinwachsen, aber wir sind auch Partner, die sich als Mann und Frau begegnen. Gute Organisation spielt eine große Rolle, um sich als Partner nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie geht ihr mit dieser Situation um?
Eure Yvonne