Tics bei Kindern

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Viele Kinder entwickeln Tics, die sie nicht beeinflussen können, aber meist verschwinden die Symptome von selbst wieder. Man unterscheidet dabei unter motorischen oder vokalen Störungen.

Motorische Tics sind unwillkürliche, nicht zweckgebundene Bewegungen. Ihre Art und Intensität kann variieren. Bei den motorischen Tics ist am häufigsten der Kopfbereich betroffen: Augenzwinkern, Blinzeln, Grimassieren, Kopfschütteln, Nicken, Beißen. Auch die Rumpfmuskulatur und die Extremitäten können betroffen sein: Treten, Hüpfen, Stampfen, in die Luft Schlagen, auf den Oberschenkel schlagen. Bei den vokalen Tics werden unwillkürlich Laute oder Geräusche geäußert: Räuspern, Schniefen, Hüsteln, Bellen, ausgeprägte Atemgeräuschen, sowie Schreien, Summen oder Pfeifen.

Tics können Tage, Wochen, Monate sogar Jahre andauern. Oft treten periodische Wechsel auf, bei dem eine Zu- bzw. Abnahme des Schweregrades festgestellt werden kann.

Tics sind meist Situationsgebunden: Situationen, bei denen sich Kinder unwohl fühlen, wie beispielsweise bei Stresssituationen, können Tics verschlimmern. Manchmal ist zu beobachten, dass Tics am Abend schlimmer werden, wenn Ruhe einkehrt.

Ältere Kinder und Jugendliche können Tics willentlich unterdrücken, wenigstens für eine Zeit lang. Kinder sind hierzu noch nicht in der Lage.

Kinder können verschiedenste Tics ausbilden, auch mehrere Tics gleichzeitig. Dabei sind Jungen etwa drei Mal häufiger betroffen als Mädchen. 10-15% der Kinder entwickeln Tics, meist zwischen 6 und 14 Jahren. Jüngere Kinder können ebenfalls Tics ausbilden. Unser Sohn blinzelte nach einer Streptokokken Angina einige Wochen unkontrolliert, damals war er 3,5 Jahre alt. Eines schönen Tages war wieder alles weg. Wir haben das Blinzeln ignoriert und in den meisten Fällen bemerken Außenstehende oder Kinder kleine Tics nicht.

Wie kommen also Tics zustande? Wahrscheinlich arbeiten verschiedene Hirnareale noch nicht optimal miteinander. Die Nervenbahnen, die diese Hirnareale verbinden, reifen nicht in der gleichen Geschwindigkeit und ein Ungleichgewicht bei der Bewegungssteuerung entsteht. Daraus resultieren ungewollte Handlungen. Reifen die betroffenen Nervenbahnen nach, verschwinden die Tics genauso schnell, wie sie aufgetaucht sind. Auch scheint eine genetische Veranlagung zu bestehen. Stress, Alkohol- und Medikamentenkonsum während der Schwangerschaft begünstigen Tics beim Kind. Möglicherweise können Streptokokken Infektionen Tics begünstigen.

Somit nutzen Verbote und schimpfen nichts. Dies führt lediglich dazu, dass sich das Kind noch unwohler fühlt. Lieber die Tics ignorieren und das Kind normal behandeln. Halten vorübergehende Tics länger als ein Jahr an, sollte man einen Arzt konsultieren. Die meisten Tics verschwinden zwischen vier Wochen und zwölf Monaten.

Kommt das Kind in die Schule und wird wegen den Tics gehänselt, sieht das natürlich wieder anders aus. Der Leidensdruck wächst und verschlimmert meist die Symptome. Hier hilft es, offen mit der Klasse und den Lehrern zu reden und den Tic zu erklären. So verstehen dann alle, dass das Kind nicht absichtlich den Unterricht stört, sondern es keine Kontrolle über sein Verhalten hat. Ab dem achten Lebensjahr kann das Kind eine Verhaltenstherapie machen, um die Kontrolle über den eigenen Körper zurückzugewinnen. Hier ist man als Eltern gefragt und gefordert.

Liebe Grüße

Eure Alice

 

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