Wow, bist du schick!

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Jeder bekommt gern Komplimente. Egal ob Mann oder Frau – es ist toll, wenn die Mühe, die in Make Up, Frisur oder Outfit gelegt wurde, bemerkt und positiv kommentiert wird. Es tut gut, ein wenig Bestätigung zu erfahren und einen guten Eindruck zu machen. Ja und auch einfach für sich selbst etwas Gutes tun. Manchmal reicht ein wenig Mascara oder ein neuer Pulli und man fühlt sich gleich besser.

Warum sollte das nun auch nicht für unsere Kinder gelten? Davon bin ich zumindest bis vor Kurzem ausgegangen. Bis zu dem Tag, an dem meine Tochter mich enttäuscht darauf hingewiesen hat, dass ich ihr heute gar nicht gesagt hätte wie chic sie doch aussieht. Ich war völlig perplex, denn wie kann es für eine Dreijährige schon so wichtig sein, welche Außenwirkung sie hat? Zeige ich ihr nicht, dass ich sie immer wunderschön finde, egal was sie trägt? Was habe ich ihr für ein Selbstbild vermittelt?? Es gibt Menschen, die sich über ihr Äußeres definieren, die unfassbar viel Zeit und Geld in ihre Fassade stecken. Versteht mich nicht falsch, es ist wichtig, auf sich zu achten. Der Körper ist ein Tempel für die Seele. Es ist wichtig, ihn zu pflegen, allerdings sollte es doch mehr als nur ebendiese Fassade sein, die einen Menschen ausmacht.

Ich nehme sie in die Arme, drücke sie fest und sage ihr, wie sehr ich sie liebe, dass ich immer stolz auf sie bin, dass sie ein wunderschönes Kind ist, egal was sie trägt oder nicht trägt.

Wie bei vielen Mädchen steckt sie gerade in der Rosa-Prinzessin-Kleider-Glitzer-Phase. Das größte Problem besteht momentan darin, die passende Strumpfhose zum Kleid zu finden, und ob das Kleid sich auch aufbauscht, wenn man sich dreht. Da sie sich selbst anzieht, habe ich da wenig Einfluss, und diese Phase hat mir bisher nie mehr als ein müdes Lächeln oder maximal ein genervtes Augenrollen entlocken können.

Jetzt überlege ich, wie ich meiner Tochter und auch meinem Sohn vermitteln kann, dass es absolut egal ist, ob andere einen chic finden oder nicht. Dass es wichtig ist, sich wohl und gut zu fühlen mit dem was man trägt und tut. Sie kann Kleider tragen, bis es ihr aus den Ohren kommt, Mama kann sich schminken wie ein Las Vegas Show Girl, Hauptsache ist, dass man es für sich tut und nicht für andere.

Ich glaube der erste Schritt liegt in der Kommunikation. Wenn sie nun morgens runter kommt. Von Oben bis Unten in Quietschrosa, den Rock hin und her schwingend, sage ich “Guten Morgen mein Schatz! Du hast einen Rock angezogen! Fühlst du dich wohl?” – ich sehe, die Frage verwirrt sie. Das ist nicht die Reaktion, die sie erwartet hat. “Fühlst du dich gut? Freust du dich, dass der Rock so schwingt??” Ihre Augen leuchten, mit einem breiten Grinsen antwortet sie “Jaaaa”

Das mag manchen vielleicht etwas übertrieben erscheinen. Aber es ist doch so, dass der Grundstein für viele Dinge im Leben unserer Kinder jetzt gelegt wird. Ob es ein gesundes Essverhalten ist oder ein kompetentes Miteinander, wir ebnen ihnen jetzt den Weg. Genau deshalb versuche ich, meinem Kind ohne Wertung sein Äußeres betreffend zu begegnen, denn es soll nicht in dem Glauben aufwachsen, dass seine Fassade wichtiger ist als sein Herz, dass die Tatsache, dass es dies oder jenes trägt, in irgendeiner Art und Weise meine Gefühle für es beeinflusst.

Stattdessen sorgen wir gemeinsam dafür, dass wir uns wohl fühlen, dass wir Dinge tun, die uns gut tun und die nicht nur unser Familienleben, sondern auch unseren Seelentempel pflegen.

Einen Menschen aufwachsen zu sehen, der sich selbst liebt, der sich selbst so annimmt wie er ist, ist das nicht das größte Glück??

Eure Denise