Jeder ist seines Glückes Schmied

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Mein heutiger Artikel hat ausnahmsweise einmal nichts mit Kindern, sondern mit Erwachsenen zu tun. In meiner Kindheit hatte ich großen Respekt und teilweise auch Angst vor Erwachsenen. Ich bildete mir ein, irgendwann käme auch bei mir der besondere Tag X, an dem ich „erwachsen“ werden würde, doch nach meinem achtzehnten Geburtstag änderte sich nicht viel, außer dass ich volljährig und für mich selbst verantwortlich wurde, die Schule abschloss, eine Berufsausbildung absolvierte und zu arbeiten begann.

Schon sehr schnell merkte ich, dass sich die Berufswelt kaum von der Schulzeit unterschied. War es in der Schule der „falsche“ Musikgeschmack oder die „uncoolere Clique“ gewesen, kam es an der Arbeitsstelle zu Missgunst, weil man jünger war oder motivierter arbeitete. Nachdem ich nun genau so lange erwachsen, wie nicht erwachsen auf dieser Welt existiere, hat der Begriff „Erwachsen“ in meinen Augen sehr an Ansehen verloren.

Wohin ich sehe erlebe ich Machtspiele, Neid oder Missgunst: Sei es wegen der Berufswahl, dem vermeintlich besserem Leben oder schlicht und ergreifend wegen solch oberflächlicher Dinge wie dem äußeren Erscheinungsbild. Es zieht sich wie ein giftiger Faden durch unsere ganze Gesellschaft, egal ob an der Arbeit, im Bekanntenkreis oder in der virtuellen Welt. Da gibt es Menschen, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als durch den Luxus der Anonymität, den das Internet vorgaukelt, völlig unbekannte Menschen aus unglaublich lachhaften Gründen zu beschimpfen. Ich erlebe Menschen, die Andere für das Scheitern der eigenen Beziehung verantwortlich machen und frage mich, wie unzufrieden man eigentlich mit sich selbst sein muss, um so zu werden.

Klar braucht jeder Mensch unterschiedlich lange, um sich selbst und den eigenen Platz im Leben zu finden, aber irgendwann im mittleren Alter sollte dieser Prozess doch bitte mal abgeschlossen sein. Vor zwanzig Jahren war ich sicherlich auch so: Absolut unsicher, von Komplexen geplagt, mit dem Gefühl, eine Versagerin zu sein und mit dem Wunsch nach mehr Oberweite 😉 Jetzt bin ich sechsunddreißig Jahre alt und kann behaupten, relativ mit mir im Reinen zu sein. Auch wenn ich nie großen Reichtum erlangen werde, habe ich das Gefühl, mit meinem Beruf etwas sinnvolles zu tun. Ich habe die tollste Tochter der Welt und eine Familie, die all unsere Entscheidungen akzeptiert, einfach weil wir absolut sicher sind, bei dem, was wir wollen und nicht wollen.

Ich habe nicht das geringste Problem damit, keine zwanzig mehr zu sein und gönne jüngeren Frauen neidlos ihr besseres Aussehen, einfach weil ich mich jetzt gerade wohl fühle, so wie ich bin. Ich kann meine Schwächen offen zugeben und darüber lachen. Mir stehen alle Türen offen, ich kann jeder Zeit neue Dinge ausprobieren und lernen, neue Freundschaften schließen, einfach, weil es dafür nie zu spät ist.

Das Leben ist ein nie enden wollender Prozess und man darf auf keinen Fall aufhören, an sich selbst zu arbeiten und für sein Glück zu kämpfen. Jeder ist seines eigen Glückes Schmied und wenn irgend jemand mit seinem Leben so unzufrieden ist, dass er diese Unzufriedenheit auf andere projiziert, dann sollte er schleunigst etwas an seinem eigenen Leben ändern. Und das allerwichtigste ist: Bloß niemals erwachsen werden!

Alles Liebe und seid glücklich,

Eure Rebekka