Wie ich mich als Schwangere auf der Arbeit gefühlt habe

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Mit Herzklopfen berichtete ich Kollegen und Vorgesetzten damals von meiner Schwangerschaft und war unheimlich aufgeregt, wie sie reagieren würden. Es war sehr komisch. Zuerst dachte ich, alle würden sich mit mir freuen und meine Schwangerschaft toll finden. Es wurde gratuliert und umarmt. Ich fühlte mich super und auf Wolke sieben. Alle freuten sich so sehr mit mir. So dachte ich zumindest am Anfang.

Doch schnell merkte ich, dass im Hintergrund leicht intrigiert wurde. Mit Absicht wurden Pläne geändert, was ich nur nebenbei zwischen Tür und Angel erfuhr. Meine Schwangerschaft wurde als Grund genannt und klar zum Problem gemacht. Ich begann mich unwohl zu fühlen und habe nicht verstanden, wie man so miteinander umgehen konnte. Rücksicht wurde keine auf mich genommen, stattdessen Überstunden automatisch erwartet. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden und konnte bzw. kann bis heute die Reaktion in meinem beruflichen Umfeld nicht nachvollziehen.

In mir baute sich viel Druck und auch stetig wachsende Zweifel auf, ob ich das alles gut schaffen und meistern werde mit all den Steinen die mir in den Weg gelegt wurden. Was wird passieren, wenn ich ein paar Tage krank werden würde? Würde alles zusammenbrechen und noch mehr Druck aufgebaut werden? Sehr oft und immer wieder wurde betont, dass ich ja nur ein halbes Jahr da sein würde – es wurde zur Begründung für jegliche Änderung. Sensibel wurde das Thema nicht behandelt, eher sehr ruppig und ungestüm. Ich, die als Erste im Kollegium Mutter wurde, fühlte mich sehr unverstanden und alleine gelassen auf weiter Flur.

Dann war es unverhofft soweit. Ich wurde krank und blieb mit schlechtem Gewissen zu Hause. Mein Bauchgefühl sollte mich nicht trügen. Fast sofort kamen E-Mails mit Fragen zu meinen Aufträgen, und Informationen wurden eingefordert. Aber die Frage, wann und ob ich überhaupt wiederkommen würde, hat mich doch am meisten aus der Bahn geworfen. Ich empfand diese Reaktion als sehr unangebracht. Einen Infekt kann schließlich jeder bekommen, egal ob schwanger oder nicht. Ich hätte mir mehr Einfühlungsvermögen gewünscht. Ich fühlte mich ein Stück weit, als würde ich alle mit Absicht hängen lassen. Aber ob ich krank werde, liegt nicht in meinem Einflussbereich. Sicherlich habe ich nicht geplant krank zu werden.

Offen wurde das Problem meiner Kollegen mit meiner Schwangerschaft nie angesprochen, und ich war auch zu feige, das Gespräch zu suchen, um das Thema gezielt anzusprechen. Ich hatte Angst vor der Konfrontation, dem Streit und offenen Konflikten. Ich versuchte, allen Ärger zu unterdrücken und zu lächeln. Doch in Wahrheit hat es mich schon sehr tief verletzt. Letztendlich weiß ich bis heute nicht, ob ich selbst zu viel hinein interpretiert habe oder viele Aktionen auch einfach aus unbedachter und unsensibler Art und Weise meiner Kollegen entstanden sind. Ich weiß nur, dass es nicht mehr schön war zur Arbeit zu gehen und mir der Spaß daran verleidet wurde. Das war sehr schade und ist für mich auch heute noch schwer zu akzeptieren, dass sich für mich zumindest die Wohlfühlsituation und auch die Arbeitssituation so massiv geändert hat.

 Wie ist eure Erfahrung auf eurer Arbeitsstelle gewesen? Habt ihr viele kinderlose Kollegen?