Trennungsschmerz gehört dazu!?

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Nervös wippen meine Beine auf und ab und ich knete meine Hände. Meine Gedanken kreisen nur um diese eine Sache und doch kann ich nicht einen einzigen Gedanken klar fassen. Ich denke und zugleich denke ich gar nichts. Meine Gefühle scheinen mich zu übermannen. “Das bin doch nicht ich!” schreie ich mich gedanklich an. Ich schaue auf das Display meines Handys. Die Uhr verrät mir, dass ich schon seit 12 Minuten in dieser Position verharre. Wie ein Häufchen Elend, auf dieser Holzbank sitzend. Meine Augen bewegen sich hin und her und ich starre durch den langen Flur, dessen Wände mit Richtlinien, Gedichten und Fotos lachender Kinder geschmückt sind. “Wird mein Kleiner jemals so lächeln können während er hier ist”, schießt es mir durch den Kopf und wieder senke ich diesen zu Boden.

-Wann wird dieses schreckliche Gefühl vorüber gehen? –

Warum mache ich das? Warum tue ich uns das überhaupt an? Diese Frage beschäftigt mich jede freie Minute. Ich will studieren gehen. Das ist mein Wunsch. Ich möchte das einfach, weil ich gerne meinen Kopf fordere und es mir Spaß macht. “Du hast es dir verdient. Nach 3,5 Jahren Vollblutmutter hast du es dir einfach verdient”, höre ich laut zu mir sagen. Dieser Satz wird zu meinem Mantra und ich sage ihn mir immer wieder in Gedanken auf. Wie eine hängende Schallplatte tönt es in meinen Ohren.

Die Vorfreude weicht immer mehr der Realität.

Es ist schlimm für meinen Sohn, das merke ich und auch mich frisst es langsam innerlich auf. Wir sind jetzt die fünfte Woche dabei und mir wird speiübel bei dem Gedanken an die bevorstehende Woche, in der es ernst werden soll. Das wird der Tag sein, an dem ich mich entscheiden muss. Das wird der Tag sein, an dem ich mir klar werden muss welche Richtung ich weiterhin gehen werde.

“Wann wird dieses schreckliche Gefühl vergehen,” frage ich die Erzieherin und in ihren Augen kann ich die Antwort deutlich ablesen. “Er lässt sich zeitweise gut ablenken, doch dann realisiert er, dass Mama fort ist.” Sie versucht mich zu trösten, mir gut zuzureden, dass ein gewisser Trennungsschmerz einfach dazugehört. Doch der Trost kommt bei mir nicht an. Ich tue ihm diesen Schmerz an. Er muss wegen mir leiden, weil ich studieren möchte. Ich habe Angst. Angst vor der kommenden Woche. Angst, vor der Entscheidung die ich treffen muss. Angst, dass ich das Vertrauen meines Sohnes verlieren könnte.

Es reicht! Ich gehe durch die Türe und freue mich einfach meinen Sohn wieder in die Arme nehmen zu können. Ich kann die Erleichterung in seinen Augen sehen.

Es liegt nicht an der Kita und auch nicht an den Erzieher. Sie lassen ihn nicht einen Moment alleine. Tragen ihn und singen und versuchen ihr bestes. Aber manchmal ist auch das Beste einfach nicht gut genug.

– Überlegen Sie doch abzustillen –

Ich versuche meinem, zwischenzeitlich wieder strahlenden und fröhlich glucksenden Kind die Schuhe anzuziehen, während eine Erzieherin aus der Gruppe auf mich zukommt. Sie versucht mir zu erklären, warum der Schmerz wichtig ist und das mein Kleiner lernen muss zu verstehen, dass Mama wieder kommt. “Muss er das”, frage ich mich eindringlich? Muss er das Vertrauen lernen, oder ist es nicht eher so, dass dieses Vertrauen von Anfang an besteht und einfach von Zeit zu Zeit gefestigt wird. Für mein Empfinden reden wir hier über einen Reifungsprozess, der wohl von ganz alleine einsetzt. Das eine Kind versteht es früher, das andere eben später. Die Erzieherin scheint wohl meine Mimik interpretiert zu haben und fügt noch rasch hinzu, dass ich doch überlegen solle abzustillen.

“Durch das Stillen besteht eine viel engere Bindung, die den Abnabelungsprozess erschwert.”

Augenblicklich schalte ich auf Stur. Das Stillen werde ich ihm nicht nehmen. Das kommt gar nicht in Frage. Ich schreie die Erzieherin gedanklich an. Ich entgegne ihr, dass mein Kleiner sehr wohl in der Lage ist zu unterscheiden, wann und wo er stillen kann. Schließlich hält er es auch einen ganzen Tag bei meiner Mutter oder mit seinem Papa aus.

Nein, so leicht ist es nicht. Den schwarzen Peter können und werden wir nicht dem Stillen in die Schuhe schieben.

– Ich habe eine Wahl –

Meine Mutter versteht mich nur zu gut. Sie musste mich mit gerade einmal 9 Monaten in der Krippe lassen. Ohne Eingewöhnung, denn das gab es zu dieser Zeit nicht. Ich versuche eine Möglichkeit zu finden, die uns beiden gut tut. Es wird keine WinWin Situation geben, denn wenn es hart auf hart kommt, werde ich im Selbststudium zuhause lernen und die Eingewöhnung zu einem späteren Zeitpunk erneut versuchen müssen.

Auch wenn mir jeder sagt, dass mein Sohn keinen Schaden nimmt, werde ich dieses Risiko nicht eingehen. Denn ich habe eine Wahl.

Ich ziehe meinen Hut vor allen Müttern und Vätern, die diese Entscheidung treffen mussten und noch müssen. Für die es einfach keine andere Möglichkeit gibt und die es trotzdem geschafft haben, diese Hürde zu meistern.

Nahezu jeder, mit dem ich über unsere Situation rede, schüttelt den Kopf und sagt, dass ich übertreibe und mir zuviele Gedanken mache. Aber meine Prinzipien machen mich nunmal zu dem Menschen, der ich bin. Auf jeden Fall werden mein Sohn und ich einen Weg finden, dass ist sicher.

Eure Nati