Die Sache mit den Freundschaften

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Als Kind ist das Leben noch einfach, was das Thema Freundschaften betrifft, denn auch ein „Du bist nicht mehr mein Freund“, das geht ratz-fatz und ist am nächsten Morgen bereits wieder vergessen.

„Mama, kann der xy heute Nachmittag zu mir kommen?“

„Ich dachte, er ist nicht mehr dein Freund?“

„Aber Mama, das war doch gestern, heute ist er wieder mein Freund.“

Wäre es doch nur im Erwachsenenleben auch so einfach!

Ich musste bereits als Jugendliche die schmerzhafte Erfahrung machen, dass Freundschaften offenbar nichts mehr bedeuten, wenn die Eine etwas hat, was die Andere nicht (mehr) hat. In meinem Fall war es der erste Freund. Ich war mit meiner ersten großen Liebe noch verbandelt, während meine bis dato beste Freundin von ihrem ersten Freund verlassen wurde. Dadurch wurde ich über Nacht zur persona non grata.

Die nächsten Freundschaften wählte ich nun schon sorgfältiger aus und ich lies nur Wenige wirklich nah an mich heran. Im Alter zwischen 17 und ca. 20 waren wir als „Kleeblatt“ unterwegs, und da wir 4 uns schon von der Grundschule kannten, war diese Freundschaft sehr stabil und auch heute, wo wir mehr oder weniger getrennte Wege gehen, durch Job, Wohnort etc., können wir uns immer und zu jeder Zeit so unterhalten, als ob wir erst gestern gemeinsam auf einer Party gewesen wären.

Dieses Phänomen konnte ich schon öfter erleben, dass gerade die Freundschaften aus Kinder- und Jungendtagen zwar oft nicht wirklich Bestand haben, man aber meist noch Jahre später direkt an die Zeit von „damals“ anknüpfen kann, wenn man sich irgendwann irgendwo wieder trifft.

Spontan fallen mir sicher 15 – 20 Namen ein, mit denen ich aus dem Stegreif eine fette Party feiern könnte – alles Leute, die ich vor meinem 18. Geburtstag kennen gelernt habe!

Leider verstarb meine beste Freundin aus den 20ern bei einem Autounfall, sodass ich für mich nicht sagen kann, ob auch Freundschaften jenseits der 20 auf lange Zeit Bestand haben können.

Ich habe aus dieser Zeit viele Bekannte, auch gute Bekannte, aber DIE Freundin habe ich nicht (mehr).

In der Vergangenheit wurde ich von sogenannten besten Freundinnen teilweise bitter enttäuscht und bin vorsichtiger damit geworden, wem ich etwas anvertraue. Vermutlich bin ich teilweise reserviert oder wirke zumindest so, da ich keinen mehr so wirklich an mich ran lasse. Ich mag mich selten anvertrauen, da ich nicht möchte, dass später jemand auf meinen Gefühlen herumtrampelt.

Ich habe viele lose Bekanntschaften, mit denen ich mich auch gerne privat treffe, aber ich öffne mich eben nicht mehr. Ich rede über Gott und die Welt, aber eben nicht über das, was in mir vorgeht. Das mache ich mit mir selbst aus oder mit meinem Mann.

Das ist irgendwie natürlich schade und manchmal frage ich mich, ob ich für Freundschaften einfach nicht geschaffen bin. Wenn ich mich dann teilweise etwas geöffnet habe einer Freundin gegenüber und merke, dass ich für meine Offenheit quasi noch „bestraft“ werde und meine Sorgen und Nöte klein geredet werden, ziehe ich mich zurück. So musste ich mir schon öfter die Frage stellen, ob die vermeintliche Freundschaft überhaupt eine Freundschaft ist oder doch eher unter die Rubrik „Bekannte“ fällt.

Die einzigen, die neben  meinem Mann und meinen Eltern relativ viel von meinem Leben und meinen Gefühlen mitbekommen, sind meine drei “Mädels”, an denen ich vor allem ihre Ehrlichkeit schätze, da sie mir nicht nach dem Mund reden, sondern mir auch sagen, wenn ich Mist baue oder mich in irgendwas hineinsteigere.

Natürlich verändern sich Freundschaften auch, und spätestens wenn die Eine Familie hat und die Andere nicht, verschieben sich Prioritäten und Interessen. Entsprechend ändert sich dann meist der Freundeskreis, als Mama habe ich zwangsweise anderes im Sinn, als am Samstag Abend 30 Euro in der Stammkneipe zu lassen und den ganzen Sonntag auf der Couch zu verbringen. Nicht, dass das nicht schön wäre, aber mit Baby nicht so wirklich realisierbar. 😉

(psssssssssst, ich verrate euch aber was: Wenn die Kinder älter sind, klappt es wieder mit dem Sonntag auf der Couch!)

Neulich hatten wir ein Klassentreffen von meiner Grundschulklasse. Das machen wir öfter und das finde ich ziemlich witzig, da wir meistens auf eine ganz besondere Art und Weise miteinander umgehen können. Ich finde es immer wieder schön, dass wir nach Jahrzehnten noch so miteinander reden können wie schon vor 34 Jahren, als wir eingeschult wurden. Mit den ehemaligen Klassenkameraden der Realschule oder vom Wirtschaftsgymnasium geht das übrigens nicht 😉

Ich finde es schade, dass, zumindest bei mir, die Leichtigkeit der Freundschaften im Erwachsenenalter nicht mehr gegeben ist und wünsche mir oft, es wäre noch so wie bei meinen Kindern. Ich wünsche mir von Herzen, dass sich meine Kinder diese Leichtigkeit noch lange bewahren können und von Verrat und Missgunst unter Freunden verschont bleiben werden.

Vermutlich Wunschdenken, was meint ihr?

Wie ist es bei euch mit den Freundschaften? Könnt ihr sie pflegen, habt ihr noch Freunde aus der Schulzeit?

Liebe Grüße

Eure Nadine

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