Gedanken zur Vorschuluntersuchung

Vorbereitung auf die Einschulung

Manche von euch lesen schon länger mit und wissen vermutlich, dass ich einen großen Sohn habe, der Ende Dezember 5 Jahre alt wird. Daher habe ich nun über den Kindergarten ein Schreiben des Landratsamtes meines Kreises bekommen. Hier geht es um die Vorschuluntersuchung, eine Untersuchung die vor der Vorschule stattfinden soll. Hierbei werden dann Schwächen meines Kindes festgestellt. In dieser kurzen Untersuchung wird mein Kind bewertet. Ich bin selbst Grund- und Hauptschullehrerin und habe daher ein wenig eine Ahnung, was eigentlich der Sinn der Sache ist. Leider ist meine pädagogische Ausbildung nicht konform mit dem, was da mit Kindern „gemacht“ wird.

In meiner pädagogischen Ausbildung an der Universität und am Seminar für Lehrerbildung haben wir uns damit beschäftigt, dass die Bewertung von Kindern nicht mehr so stattfinden sollte, wie früher. Denn jedes Kind ist anders und das ist gut so, denn auch wir haben alle unsere Stärken und Schwächen. Ich bin beispielsweise eine mathematische Vollkatastrophe und das ist auch in Ordnung so. Ich habe dennoch studiert und bin nun Lehrerin. Das vermittle ich auch meinen Schülern. Es ist keine Katastrophe Schwächen zu haben, denn auch ich habe meine gehabt und habe sie bis heute noch.

Nun wieder zum eigentlichen Thema: Dieser Bewertung meines Kindes. Na gut, es ist nun mal so, dass wir zu dieser Untersuchung gehen. Ich weiß auch jetzt schon, dass mein Sohn mit fast 5 den Stift noch nicht richtig hält. Sie werden mir sagen, das soll ich zu Hause fördern. Auch hat er kleine sprachlichen Schwierigkeiten (Er hat aber bereits eine logopädische Behandlung seit einigen Wochen). Letztendlich sind mir diese Dinge eigentlich egal und ich kann euch auch sagen wieso: Weil er es lernen wird und ich ihn so gut es geht unterstütze. Er hat noch zwei Jahre bis zur Schule. Ich werde ihn nicht quälen und mit ihm nun täglich den Stift halten. Ich werde mich auch hüten mit ihm vor der Vorschule irgendwelche Zahlen zu schreiben oder krampfhaft ihn zum Schreiben bringen, weil es so toll ist vor anderen Eltern anzugeben. Nein, darauf habe ich keine Lust. Ich mache mit ihm Dinge, die ihm Spaß machen.

Ich versuche seinen TV-Konsum eingeschränkt zu halten (das ist ein mir sehr wichtiges Thema) und ich werde mit ihm ab und an malen, ohne Druck und einen Blick auf die Stifthaltung bewahren. Ich möchte nicht, dass ihr mich falsch versteht: Ich finde es wichtig auf Kindern einen Blick zu haben und ich finde es auch wichtig, dass andere auf mein Kind einen Blick haben. Aber für mich sind die Erzieher die pädagogischen Fachkräfte, die mein Kind jeden Tag stundenlang erleben, sicherlich auch von einer ganz anderen Seite, als ich ihn erlebe. Das sind die Pädagogen, die mein Kind gut beurteilen können. Ich finde diese bewertende Untersuchung vor der Vorschule eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Ich finde es wäre passend, dass diese Fachkräfte des Gesundheitsamtes sich mit den Pädagogen im Kindergarten austauschen können. Gerne auch mit meinem behandelnden Kinderarzt. Da ich eh die Einwilligung dafür bereits gebe (außer für den Kinderarztaustausch, dazu wäre ich aber beispielsweise auch bereit), wäre es doch ein viel einfacherer Weg.

Das Personal des Gesundheitsamtes geht in den Kindergarten und tauscht sich mit den Pädagogen aus, beobachtet vielleicht Kinder. Danach wird das Gesehene und Besprochene in einem Gespräch mit den Eltern und den Pädagogen und ggf. auch mit dem medizinischen Personal des Gesundheitsamtes besprochen. Der Aufwand wäre sicherlich der Selbe, wie er momentan ist: Nämlich jedes Kind mit Elternteil zum Testen und Beurteilen vorzuladen.

Meinem Sohn wird es egal sein, wie es geschieht. Er ist sehr offen und hat keine Angst vor solchen neuen Situationen, wo er irgendwelche Aufgaben bekommt. Aber ich finde, dass die Beurteilung so viel mehr Sinn machen würde. Das würde die Chance erhöhen mit Eltern in ein Gespräch zu kommen und Kinder mehr in den Blick nehmen. Denn eigentlich ist es das, was wir in der Schule immer fordern: Jedes Kind soll im Blick vom Lehrer sein. Wir könnten damit früher beginnen und zwar auf sinnvolle Art und Weise.

Lieber Gruß,

eure Jasmin

 

1 Kommentar

  1. Ohje, irgendwie gemein wie schon so kleine Kinder so grossem Druck ausgesetzt werden. Einfach unmöglich 🙁

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