Der Umgang mit der Krankheit

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Heute möchte ich euch etwas über meine derzeitige Situation erzählen. Es ist schwierig darüber zu reden. Es aufzuschreiben ist dagegen umso leichter. Es hilft einem sogar, wenn man seine gesamten Gedanken dazu aufschreibt und sich alles mal von der Seele „redet‟.

Momentan passiert vieles auf einen Schlag. Dabei habe ich gedacht, dass es nicht mehr so schnell passieren wird. Aber ich täuschte mich.

Mein Vater starb im Jahre 2013 an Leberzirrhose. Nein. Das ist falsch. Die Krankheit war weit voran geschritten, das stimmt. Aber tatsächlich starb er daran, dass er Wasser in die Lunge bekommen hatte. Immer noch denke ich darüber nach, ob er friedlich gegangen war, oder das Gegenteil zu traf. Man muss dazu sagen, er litt gegen Ende ebenso auch an Demenz und hatte diverse Aussetzer. An manchen Tagen konnte er sich nicht von alleine bewegen. An anderen redete er wirr durcheinander, so dass man keine Zusammenhänge verstehen konnte. Er erkannte mich manchmal nicht, wenn ich an seinem Bett saß und mit ihm über meinen Tag reden wollte und dann gab es diese Tage, in denen er völlig klar im Kopf war.

An diesen Tagen konnte er mit seinem Enkel lachen und alberne Sachen machen. Er diskutierte mit mir über Politik, über alltägliche Dinge und er sprach von früher. Wie wir jeden Sommer nach Österreich an den Achensee gefahren sind, erzählte über die Erinnerungen daran.

Der Tod meines Vaters war grausam. Ich sah Wochen zuvor, wie sein Zustand sich immer mehr verschlechterte. Abgemagert, kaum bei Sinnen. Es war zu viel für mich. Ich fing an langsam zu verzweifeln  – Ich wollte meinen Papa so in Erinnerungen behalten, wie er war, als er mit mir auf der Hollywoodschaukel saß und wir dummes Zeug veranstaltet haben. Ich wollte nicht den gebrechlichen Mann sehen, der er geworden war. Was die Krankheit aus ihm machte. Und ja ich bereue es mittlerweile, dass ich mich damals zum Teil emotional abgekapselt und versucht habe mich mit Arbeit und Familie abzulenken.

Umso schlimmer war die Nachricht, als meine Mutter mich während der Arbeitszeit anrief, völlig verstört und weinend am Telefon. „Papa ist tot.‟ – Meine heile Welt ist mit diesen drei Wörtern regelrecht in sich zusammengefallen.

Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht, dass ich nicht die letzten Stunden mit ihm verbracht habe. Dass ich genauso abwesend war wie sein Geisteszustand. Selbst heute habe ich mir das nicht verziehen. Die Erinnerungen bleiben zwar, aber sie werden von Jahr zu Jahr immer durchsichtiger. Ich kann mich an sein Aussehen erinnern, an seine Gestiken, Mimik. Aber nicht mehr an seine Stimme. An sein Lachen. Es ist einfach weg.

Es sind jetzt vier Jahre vergangen und manchmal denke ich noch daran, wie es war. Gerade jetzt in dieser Zeit.

Vor gut zwei Monaten starb Lucas Urgroßmutter. Sie war bereits an Demenz erkrankt, als ich meinen Mann kennenlernte. Doch sie war ansonsten noch recht fit für ihr Alter. Nach einem Unfall im Haushalt war dies leider nicht mehr der Fall. Man sah, wie sie sich selbst aufgegeben hatte und nicht einmal wusste, wieso es so war. Dann, letztes Jahr, Februar 2016, wurde bei der Tante meines Mannes Darmkrebs festgestellt. Sie verstarb im November im selben Jahres.

Ich versuche die ganze Zeit, es mir nicht vor meinem Sohn anmerken zu lassen. Als Papa starb, war er noch zu klein, um sich da größere Gedanken zu machen. Doch ein Kind merkt instinktiv wenn es einem nicht gut geht. Sie fragen nach, wir lachen zurück aber irgendwann merken Sie, dass XY nicht mehr zurück kommt. Nicht mehr bei versuchen anzutreffen ist. Man muss es Ihnen erklären, so einfach und sanft wie möglich – und – mit einem Lachen, denn das Lachen der Kinder hat mir in dieser Zeit sehr viel Kraft geschenkt. Zeit ein wenig davon zurück zu geben.

Wie geht Ihr als Familie mit dem Thema um? Redet Ihr offen? Haltet ihr die Kinder davon entfernt?0

Eure Dani