Wenn du nicht, dann….!

mama, kind alleine lassen, drohen, angst machen

Eigentlich mag ich das Drohen den Kindern gegenüber mit “Wenn du das und das nicht tust, dann….”so überhaupt nicht, weil es im Grunde genommen nichts anderes als eine Art der Erpressung ist. Doch je älter meine Kinder werden, umso häufiger ertappe ich mich dabei, einen “Wenn-Dann-Satz” zu sagen, um ihnen die Konsequenzen ihres Handels aufzuzeigen bzw. zu erklären. Das sind Sachen wie: “Wenn du dich jetzt nicht anziehst, dann musst du im Schlafanzug in den Kindergarten, weil deine Schwester zur Schule muss und es schon spät ist.”
“Wenn du jetzt noch Schokolade isst, dann hast du später keinen Hunger.”

Was ich noch nie zu meinen Kindern gesagt habe, aber in der Stadt ständig höre, ist mein absoluter Hass-Satz Nr. 1:

“Wenn du jetzt nicht kommst, geht Mama ohne dich nach Hause!” – hui, dieser Satz ist sowas von gemein und macht einem (Klein)Kind doch nur Angst. Ich werde nie verstehen, wie man als Mutter einen solchen Satz zu seinen Kindern sagen kann und Ängste schürt. Aber wie es scheint, stehe ich mit dieser Meinung relativ alleine da auf Feld und Flur, so oft wie ich diesen Satz höre. Ganz krasse Mamas verstecken sich dann sogar noch und lachen das Kind aus, wenn es dann weint. “Ich habe dir doch gesagt, dass ich gehe, wenn du nicht kommst, das hast du nun davon!”

Ehrlich, da möchte ich die Mutter anschreien und mir das Kind schnappen und knuddeln. Ich frage mich immer wieder, das man davon hat, wenn man auf solche erniedrigende Art und Weise seine (vermeintliche) Macht demonstieren möchte – dazu noch seinem Kind gegenüber. Was ist los mit den Müttern, die sich dabei auch noch groß fühlen? In meinen Augen ist das alles andere als groß, es ist armselig und gemein, tut mir leid, wenn ich das so knallhart schreibe. Ich kann verstehen, dass die Geduld an manchen Tagen aufgebraucht ist, dass die Nerven blank liegen und man nur noch nach Hause will, das Kind ins Bett bringen und sich mit einem guten Buch und einem noch besseren Glas Rotwein auf die Couch legen möchte. Aber kann man seinen Kindern nicht trotzdem respektvoll gegenüber treten?

Wie ich oben schon geschrieben habe, gibt es bei uns auch ab und an einen “Wenn-dann-Satz”. Neulich in der Stadt war es wieder so weit.

Eigentlich mussten wir nur kurz beim Steuerberater vorbei und einige Lebensmittel kaufen. Weil aber an diesem Tag eine Geburtstagseinladung für meine Tochter ins Haus geflattert war, wollte meine Tochter gleich das Geburtstagsgeschenk kaufen, was sich natürlich anbot. Gesagt, getan. Da wir schon in der Innenstadt waren, beschloss ich, noch Socken für meinen Sohn und Pullis für meine Tochter zu kaufen, was ich sonst bestellt hätte.

Bereits beim Aussuchen der Socken und Pullis wurde mir klar, dass die Kinder keine Lust mehr hatten und nach Hause wollten. Sie begannen zu streiten und sich zu hauen. An der Kasse eine lange Schlange und die Kinder begannen, im Kaufhaus umher zu rennen, fangen zu spielen, wieder zu streiten und sich zu hauen. Da auf mein “Kinder, bitte, es dauert nicht mehr lange” keine Reaktion erfolgte und sie sich weiter stritten und sich schlugen, sagte ich zu ihnen: “Wenn jetzt keine Ruhe ist, lege ich die Sachen hin  und wir gehen nach Hause. Dann gibt es weder Socken noch Pullis”. Nach zwei weiteren Ermahnungen war MEINE Grenze erreicht und ich habe tatsächlich die  Einkäufe abgelegt und das Kaufhaus verlassen…

Meine Kinder waren in Schockstarre, denn eine solche Aktion kannten sie noch nicht von ihrer Mama, da ich meistens in diesen Sachen eine Eselsgeduld habe. Aber an diesem Tag war, nach einem sehr stressigen Vormittag im Büro, auch meine Geduld erschöpft. Und ja, es war MIR ein Bedürfnis, auf das ständige Hauen eine Konsequenz folgen zu lassen, zumal unsere Familienregel Nr. 1 lautet: Wir tun uns gegenseitig nicht weh!

Zu Hause verging zwar der Abend ohne hauen, aber meine “Konsequenz” hat nicht wirklich gefruchtet, denn bereits am nächsten Tag ging es mit hauen und streiten weiter….

Die Socken und Pullis habe ich zu Hause dann übrigens doch noch bestellt 😉

Wie ist es bei euch? Habt ihr ebenfalls “Wenn-dann-Sätze” im Repertoire oder kommt ihr ohne aus?

Liebe Grüße

Eure Nadine