Gastbeitrag: Ich hatte einen Wunschkaiserschnitt

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Eine Leserin von Muttergans berichtet über das Tabuthema Wunschkaiserschnitt: Warum und wieso sie sich beim zweiten Kind für einen Wunschkaiserschnitt entschieden hat, lest ihr hier:

Wenn man Mama geworden ist, wird man oft gefragt wie die Geburt verlaufen ist. Ich antworte dann, dass ich einen Kaiserschnitt hatte.

Die zahlreichen mitleidigen Blicke sind völlig unbegründet denn ich hatte einen „Wunschkaiserschnitt!“

Um das zu erklären muss ich ein wenig ausholen:

Ich bin im Jahr 2013 zum ersten mal Mama von einem süßen kleinen Jungen geworden. Bis auf anfängliche Blutungen hatte ich eine völlig normale und komplikationslose Schwangerschaft. Ich hatte zwar Bammel vor der Geburt und machte mir so meine Gedanken, aber wem geht es in der Schwangerschaft nicht so…?!

5 Wochen vor ET platze mir beim Babybauchfotoshooting die Fruchtblase. Unwissend und völlig entspannt fuhren wir in die Klinik, weil ich tröpfchenweise Wasser verlor und dachte, das Baby liegt mir irgendwie auf der Blase.

Wir fuhren gemütlich und völlig ohne Stress (nichtsahnend) in die Klinik in der Hoffnung, dass sie den Zwerg irgendwie drehen und alles ist wieder gut.

Wir kamen in meiner Wunschklinik an, ich wurde untersucht und ich sehe mich noch auf der Toilette sitzen während die Hebamme meine „Urinprobe“ untersucht.
„Das ist Fruchtwasser!“ Ich sagte: „OK, und was heißt das jetzt?“ „Das heißt, es geht nun los“

Da war es vorbei. Ich war so überrumpelt. Mein erster Gedanke war: DAS GEHT NICHT! Wir hatten weder einen endgültigen Namen, das Zimmer war noch nicht fertig, es fehlte der Wickeltisch, ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet.

Ich musste mich dann aufs Bett legen, durfte nicht mehr aufstehen (das Köpfchen saß noch nicht im Becken) und musste mich binnen weniger Minuten entscheiden, wo ich entbinden möchte. In meiner Wunschklinik ging es nicht, da ich ein Frühchen auf die Welt bringen würde.
Ich hatte mir alles so schön vorgestellt in meiner Klinik. Da ich dort auch selbst arbeite, fühle ich mich da irgendwie „zu Hause“ und nun so was…

Ich entschied mich für die große Uniklinik. Der Krankenwagen wurde bestellt, ich wurde auf der Liege in den Wagen verfrachtet und die Fahrt ging los.

Ich war so aufgeregt!

Ich wurde am Kreißsaal in Empfang genommen und bekam ein Bett und musste weiterhin strikt liegen. Die Hebamme kam um sich vorstellen: Ich bin Frau XXX, Ihre Hebamme, kein Lächeln, keine warmen, vertrauensvollen Worte. Der Kreißsaal lag im Keller ohne ein einziges Fenster. Ich hörte andere Frauen ihre Wehen verarbeiten und wusste nicht, was nun passiert. Wehen hatte ich selbst keine. Um das Ganze abzukürzen: man hat meinen Mann ständig nach Hause geschickt um sich auszuruhen, mir selbst hat man zeitgleich Angst gemacht, denn ich sollte mich auf ein Frühchen einstellen. Ich dachte sofort an ein MiniminiminiBaby, das beatmet werden musste und man hat mich dann mit meinen Gedanken allein gelassen.

Die Metalltür wurde immer wieder zugeschoben und da lag ich nun. Kein Handyempfang, um jemandem Bescheid sagen zu können, dass mein Baby nun bald kommen wird. Ich konnte nicht mal meine Mama anrufen. Ich war mutterseelenallein.

Ich leide unter einer sogenannten „Angststörung“, habe das auch mehrmals erwähnt, dass man mich bitte nicht so „einsperren“ soll…. es wurde keine Rücksicht darauf genommen. Auf MICH wurde da eh keine Rücksicht genommen. Ich musste mir die Bettpfanne allein unter den Po schieben, wenn ich mal musste und auch irgendwie da wieder wegbekommen, da ich keinerlei Hilfe bekam. Ich hatte keine Klingel um mich zu melden…

Ich dachte das muss so sein. So ist das eben, wenn man im Kreißsaal ist. Ich kam dort um 14:00 an und verbrachte die ganze Nacht dort. Warum man mich nicht aufs Zimmer verlegt hat weiß ich nicht. Mein Mann kam zwar gegen Abend nochmal, er wurde aber  wieder fix weggeschickt, weil er ja Kraft sammeln soll, da bald das Baby käme. Ich hatte noch nicht mal Wehen.

Am nächsten Morgen wurde ich dann mit Tabletten eingeleitet. Da dies ja kein Geburtsbericht meines Sohnes werden soll kürze ich mal etwas ab:

Meine Wehen hat man mir nicht geglaubt, da sie auf dem CTG dank dicker Bauchdecke als nicht so stark zu sehen waren. Ich wurde weiterhin größtenteils allein gelassen, durfte aber Gott sei Dank etwas rumlaufen und konnte mich somit wenigstens etwas ablenken. Von „Sie können noch keine Wehen haben“ bis hin zu „Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an“ war alles dabei.

Ich hatte Angst! Ich bettelte um einen Kaiserschnitt, damit das endlich alles aufhörte. Den bekam ich natürlich nicht, was im Nachhinein auch gut war.

In meinem Geburtsbericht der Klinik (den ich mir später durchgelesen habe) stand drin: „Patientin bittet verfrüht um eine PDA!“ Als ich die PDA endlich bekam, waren meine Wehen schon so heftig, dass ich Wehenhemmer gespritzt bekommen musste. Im Endeffekt kam mein Mann kurz vor knapp dazu und war dann bei der Geburt dabei.

Heute weiß ich, dank meines Geburtsberichts, den ich mir 3 Jahre später mit dem Chefarzt der Klinik gemeinsam angesehen habe, um alles zu verarbeiten, dass ich eine wahnsinnig schnelle Geburt hatte.

Von 3 cm auf 10 cm in 90 Minuten.

Mein Sohn war da, nahm ihn mir direkt weg, weil er auf die Frühchenstation kam und ich lag im Kreißsaal und war völlig … wie soll ich sagen… überrumpelt.

Natürlich war dann erstmal alles nicht mehr so schlimm. Mir tat nix weh und mein Baby war da. Das war die Hauptsache.

Erstmal! Denn nach ca 6 Monaten brodelte innerlich etwas in mir. Immer öfter dachte ich: das war nicht so, wie es bei anderen läuft, es war nicht schön, es war nicht vertrauensvoll, ich wurde alleingelassen! 2016 wurde ich wieder schwanger und von Anfang an hatte ich den Gedanken im Kopf: „Wie soll ich das nochmal durchstehen?“

Die Schwangerschaft war sehr schön, aber auch deutlich anstrengender und ich hatte mit Bluthochdruck zu kämpfen. War 3x stationär für 2-3 Tage in der Klinik (meine Wunschklinik) deshalb und musste mehrmals täglich in den Kreißsaal zur CTG Kontrolle. Aber mit der Vorstellung, in einem dieser Kreißsäle meine Tochter auf die Welt zu bringen, konnte ich mich nicht anfreunden.

Ich sprach mit vielen Hebammen, erzählte allen, wie unschön die 1. Geburt war und alle versicherten mir, dass es beim 2. Kind und dann auch noch in „unserer“ Klinik anders werden würde.

Ich sprach mit den Ärzten, mit denen ich zu 99% per DU bin…. keiner konnte mich überzeugen.
Es ging soweit, dass ich mich auf die Geburt und meine Tochter irgendwie nicht freuen konnte.
Auch Gespräche mit meiner Hebamme und ein psychologisches Gespräch extra zum aufarbeiten der 1. Geburt halfen mir nicht. 1 Woche vor ET rief ich den Arzt in der Klinik an und sagte ihm, dass ich gern einen Kaiserschnitt hätte. Er rief mich 2 Stunden später zurück und fragte mich: „Hast Du morgen schon was vor?“

Ich sagte Nein und er erwiderte: „Dann holen wir Deine Maus morgen auf die Welt“
Ich fuhr direkt zu den Voruntersuchungen zu ihm und wir haben besprochen wie alles ablaufen wird. Da ich dort arbeite, konnte ich mir „mein Team“ zusammen stellen. Das hat mir ungemein geholfen!

Am nächsten Morgen war es dann soweit. Ich wurde im Kreißsaal von den Hebammen sehr nett empfangen und für die OP vorbereitet. Ich hatte Angst, ich hatte wahnsinnige Angst, aber ich wollte das so. Ich lief selbst in den OP und dort erwarteten mich lauter bekannte Gesichter, ich hatte einen TOP Anaesthesisten und der Oberarzt hielt mir, während die Spinale gelegt wurde, die Hand. Es war toll!

Ich hatte trotzdem Angst, hatte einen Blutdruck über 200… Aber ich war nicht allein.

Mein Mann kam dazu und es ging los.

Meine Tochter erblickte um 8:43 Uhr das Licht der Welt. Eine typische Kaiserschnittzeit.

Ich bin so dankbar für eine wunderschöne 2. Geburt trotz Kaiserschnitt.

Ich muss sagen, ich hatte einen sehr schönen Kaiserschnitt! Und konnte auch mit meiner 1. Geburt Frieden schließen.

Nun kann nicht einfach jeder sagen, ich hätte gern einen Kaiserschnitt und ich empfehle auch jedem, sein Kind spontan auf die Welt zu bringen, aber bei mir gab es eine Indikation. Ich habe von der 1. Geburt ein Geburtstrauma.

Es ist nicht egal wie wir geboren werden! Und es ist auch nicht egal, wie wir als Mutter geboren werden.

1 Kommentar

  1. Das zu Lesen tut mir unendlich leid. Es fällt mir so schwer zu begreifen, wie man eine Mama so alleine lassen kann. Ich höre das von so vielen. Gerade im Kreißsaal sollte doch eine etwas wohlwollendere Atmosphäre da sein. Du Arme. Gut dass es bei der zweiten Geburt anders und schöner für Euch lief.

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