Muss mein Kind alles probieren beim Essen?

Hilfe mein kind isst kein Gemüse Fleisch Suppe Brot

Ein sehr schwieriges Thema ist das Essen. Seit ich Mama bin, habe ich bemerkt, dass Mütter sehr unterschiedliche und strikte Ansichten zu den Essgewohnheiten ihrer Kinder haben. Das beginnt schon dabei, wann man mit der Beikost beginnen sollte: Hier gibt es das Lager derer, die wollen, dass man schon nach dem 4. Monat mit der Beikost beginnt, jene die erst ab Beikostreife und frühestens nach dem 6. Monat beginnen, wiederum wird darüber diskutiert ob Brei oder BabyLedWeaning das Richtige ist usw..

Werden die Kinder älter werden die Diskussionen wieder anders: Was darf mein Kind essen? Wieviel Süßigkeiten am Tag? Was verteufle ich? Was ist mir wichtig? Die Ansichten sind so unterschiedlich wie die Kinder und ich denke es gibt wirklich verschiedene Wege, denn: Jedes Kind ist anders, jede Mutter ist anders, jeder Vater ist anders und jede Familie ist anders. Jeder ist geprägt. Geprägt von seinen eigenen Erfahrungen. Die Entscheidung liegt bei der Familie und solange die Kinder gesund sind und man versucht bewusst zu essen, wird der Weg schon der Richtige sein. Kompetente Eltern, kompetente Kinder.

Heute möchte ich aber darüber schreiben, ob Kleinkinder und Kinder wirklich alles probieren müssen, bevor sie es ablehnen, denn mir ist aufgefallen, dass sich hier die Geister scheiden und in Mamaforen gerne die hitzigsten Diskussionen entfachen ;-).

Meine Meinung ist hierzu eine ganz klare: Essen sollte für kein Kind zum Zwang werden und für mich ist es ein klarer Zwang, wenn ein Kind immer probieren muss. Daher halte ich davon nichts und das liegt an dem kleinen Wörtchen: „muss“.

Natürlich versuche ich meine Kinder zum Probieren durch positive Bestärkung und Vorbild zu bestärken. Jedoch versuche ich selbst nicht alles, geschweige denn, dass ich alles gerne esse. Um es genauer zu definieren: Ich bin doch ziemlich „schleckig“ oder „näschig“, wie man im Schwäbischen sagt, zu gut Deutsch: Ich bin wählerisch, was das Essen angeht und esse definitiv nicht alles, geschweige denn, dass ich alles probiere. Wie kann ich also mein Kind dazu zwingen wollen, alles zu probieren? Manche Dinge sehen auch einfach gewöhnungsbedürftig aus und manchmal ist meinem Kind vielleicht auch einfach nicht danach etwas zu probieren.

Stattdessen gehe ich den Weg des Versuches abwechslungsreiches Essen anzubieten mit verschiedenen Zutaten und immer wieder zu versuchen dem Kind neue Obst- oder Gemüse- und Fleisch-/Fischsorten nahe zu bringen. Es soll einfach ein Zeigen der verschiedenen Mahlzeiten und Möglichkeiten beim Essen sein, aber kein Zwang des „Probieren-Müssens“. Manchmal klappt es gut und meine Kinder probieren, manchmal ekeln sie sich dermaßen, dass ich improvisieren muss.

Ich verstehe, dass man dann nicht nochmal neu kocht, aber man kann kalte Alternativen zum Essen anbieten, sodass auch hier nicht der Zwang ist: Entweder du isst das oder du bist eben hungrig. Schließlich würde ich auch nicht Blutwurst essen, nur weil mich jemand dazu zwingen will. Mit einer negativen Erfahrung wird das Essen auch immer mehr etwas Negatives, stattdessen sollen die Kinder essen toll finden. Es soll etwas Schönes sein, worauf man sich freuen kann und Genuss darstellen.

Viel zu früh werden Kinder mit Schönheitsidealen konfrontiert, die sie über das genussvolle Essen nachdenken lassen. Meine Zwei sind so unterschiedlich in ihren Essgewohnheiten und ich habe bei beiden nichts anders gemacht: Mein Sohn mag kaum Gemüse, er mag Tomaten und Salatgurken. Er liebt dafür Obst in allen Variationen! Apfel, Banane, Trauben, Johannisbeeren, Himbeeren, Erdbeeren usw.. Er isst gerne Nudeln, Spätzle, alle möglichen Käse, Roggenmischbrot, aber auch liebend gerne Weißbrot, Salami und Lyoner, er liebt gekochte Eier und Kaiserschmarrn ;-).

Meine Tochter liebt Kartoffeln in allen möglichen Variationen, isst auch Braten, Reis, jegliches Gemüse, aber bei Obst mag sie nur bestimmte Dinge (Apfel, Zwetschgen, aber keinerlei Beeren). Das ist nur ein kleiner Einblick, wie unterschiedlich Kinder sein können und das obwohl ich beide nie zu etwas gezwungen habe.

Zwang ist immer negativ. Und wenn Kinder probieren müssen (!), ist es eine Form von Zwang. Eine andere Art und Weise ist es, wenn meinen vollen Korb mit Gemüse oder Obst hat und sagt, suche dir etwas aus, was du probieren möchtest. Bei Auswahl findet sicherlich jedes Kind was, egal wie unterschiedlich die Vorlieben beim Essen sind.

Lieber Gruß,

Eure Jasmin