Fehlgeburt – Wenn ein Leben zu früh endet Teil 2

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Mein Baby war tot, mit dem Gedanken stieg ich ins Auto. Mein Mann fuhr los und nach einiger Zeit fiel mir etwas ein. Wir hatten die Taschentücher vergessen und wir würden sie bitter nötig haben. Aber was solls, meine Gedanken schweiften ab, ich sah die Landschaft an mir vorbeiziehen und dachte nur daran, dass mein Kind all das nicht mehr sehen würde.

Jeden Huckel auf der Straße nahm ich wahr. Am Krankenhaus angekommen, war dann erst mal die Parkplatzsuche angesagt,  auch dies ging so an mir vorüber. Ich war einfach nur leer.
An der Anmeldung sagte ich der Dame dann, dass ich zur Einleitung kommen sollte, schob ihr meine Einweisung über den Tresen. Mit einem Blick auf meinen kaum sichtbaren Bauch und das Wort Spätabort auf dem Schein,  wandt sie sich schnell wieder ihrem Computer zu und druckte alle nötigen Unterlagen aus.  Mit diesen wurde ich zum Kreißsaal geschickt.

Dort angekommen, warteten bereits 2 Hebammen auf uns, die mich sehr mitleidig anschauten, eine von ihnen drückte mit tröstend den Arm. Dem Chefarzt sollte ich vorgestellt werden, also saßen wir im Wartebereich und nahmen die Ankunft eines neuen Erdenbürgers wahr, mit der Gewissheit, dass unser Baby tot in meinem Bauch lag. Wie schrecklich ich mich in diesem Moment fühlte, kann ich gar nicht in Worte fassen.

Im Behandlungsraum dann, wurde alles nochmal vermessen. Der Chefarzt bestätigte noch einmal den Tod unseres Kindes und teilte uns nun das Vorgehen mit. Ich sollte mit 2 Tabletten eingeleitet werden und nach der Geburt des Kindes zeitnah eine Ausschabung über mich ergehen lassen,  da die Plazenta in der Woche noch so zerbrechlich sei, dass sie sich wahrscheinlich nicht komplett lösen würde.

Ich hatte das Gefühl,  dass ich doppelt gestraft werde, für etwas, was ich nicht verbrochen hatte. Für mich war klar,  dass ich so schnell wie möglich wieder Heim wollte. Dieser Wunsch wurde gleich wieder zerschlagen mit den Worten,  dass ich sicher über Nacht bleiben müsse,  da bei dem Befund die Geburt auf sich warten lassen könne.

Die anwesende Arzthelferin fragte nun, ob ich eine Begleitung durch eine dafür ausgebildete Hebamme wünsche, was ich bejahte. Bis sie da sein würde, könnte es  bis 15 Uhr dauern. Man brachte mich auf ein Zweibettzimmer,  wo bereits eine Dame nach einer Operation lag. Sie rechtfertigten das damit, dass sie leider kein anderes Zimmer frei hatten. Nun gut, erst hatte ich mir nichts dabei gedacht,  denn ich wusste von meiner Hebamme, dass es speziell für solche Fälle, wie ich nun einer war, ein kleiner Kreißsaal direkt neben dem Chefarztzimmer angelegt war.

Eine Schwester bekundete mir ihr Beileid zu unserem Verlust und gab mir zwei einleitende Tabletten,  die ich mir unter der Zunge zergehen lassen sollte. Ich sollte mich melden, wenn ich starke Schmerzen bekommen sollte oder Blutungen. Nun lag ich also in einem Krankenbett und wartete auf die Ankunft meines Kindes,  was noch lange nicht reif für diese Welt gewesen wäre.

Kurze Zeit nach der Einleitung bekam ich bereits Wehen. Ich nahm die Worte der Aufklärung der Gynäkologin zur anstehenden Ausschabung und des Anästhesisten  zur Narkose nur durch einen Nebel wahr.

Besonders schmerzlich empfand ich jedoch die Worte des Anästhesisten,  der meinte, wir sollten glücklich sein,  bereits zwei gesunde Kinder Zuhause zu haben, denn das machte es absolut nicht besser.  Vor mich hinwehend lag ich in diesem Bett und weinte still für mich. Mein Mann saß neben mir und wusste nicht,  wie er mir helfen kann.

Irgendwann merkte ich immer mehr den Druck nach unten und stellte fest, dass die Blutungen begonnen hatten. Wie aufgetragen,  gab ich nun Bescheid,  dass Blutungen eingesetzt hatten. Ein kurzer Blick einer Krankenschwester mit dem Kommentar,  dass sei ja nur wenig und weg war sie.

Mittlerweile war es 15.30 Uhr und ich stellte mir die Frage, wann die Hebamme wohl käme. Langsam wurden die Schmerzen immer unerträglicher und der Druck immer stärker. Die Krankenschwester kam mit einem Sitzbad, welches sie in die Toilette einhing mit den Worten,  ich solle ruhig zur Toilette gehen und mal ein bisschen drücken. In dem Moment wurde mir klar,  dass ich mein Kind hier im Zimmer neben einer anderen Frau zur Welt bringen sollte. Und das schlimme war, dass diese auch noch Besuch von ihrem Mann hatte. Mittlerweile hielt ich meine Beine nur noch zusammen und versuchte das Pressen zu vermeiden,  denn wenn ich eines vermeiden wollte,  dann unter so unwürdigen Bedingungen zu entbinden.

Ich bat um ein Schmerzmittel und bekam das leichteste Schmerzmittel intravenös, was es zu verabreichen gibt. Ich stellte mir nun echt die Frage, ob ich im falschen Film sei. Mein Kind war doch schon Tod,  warum gab man mir nichts stärkeres?

Gegen 16.15 Uhr hörte ich schnelle Schritte in Richtung unseres Zimmers und endlich war die Hebamme da. Sie stellte sich vor und sah mit einem Blick,  dass bei mir alles auf Entbindung stand. Ihr Blick auf das Fäschchen, was am Bettgalgen hing sprach Bände.

Sie holte rasch eine Gynäkologin dazu und schoben mich mit einem Blick auf meine Zimmernachbarin und ihren Besuch aus dem Zimmer. Mein Mann und ich fanden uns im Behandlungsraum wieder,  wo die Ärztin mich im Bett untersuchte und feststellte, dass es gleich soweit war. Meine Fruchtblase platzte, ich spürte unheimliche Schmerzen und wie mein Körper sich gegen diesen Verlust wehrte, denn mein Kopf war noch lange nicht so weit, dieses Kind loszulassen.

Nun untersuchte die Hebamme die Lage meines Kindes und konnte bereits den Kopf fühlen.
Ich sollte pressen, wenn ich soweit bin. Doch obwohl ich nochlange nicht soweit war,  machte mein Körper seinen Job und um 16.35 Uhr gebar ich 24 Wochen zu früh einen kleinen Jungen.

Die Geburt war anders, als die vorangegangenen. Der Schmerz war unglaublich intensiv, doch für die durchgestandenen Qualen erhielt ich keine Belohnung,  es gab keinen ersten Schrei, nur Stille und eine unglaubliche Leere. Doch Henry war nun da.

Lest im letzten Teil, wie es weiterging – solltet Ihr den Anfang meines Erfahrungsberichts verpasst haben HIER.

Lieber Gruß Yvonne

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