Stadt oder Land?

Kinder land Kinder stadt wo besser leben

Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Meine Eltern haben ein großes Haus mit einem riesigen Grundstück direkt am Feld. Nebenan wohnte meine Oma. Im Sommer war ich den ganzen Tag über im Freien. Für mich war immer klar, dass ich auch irgendwann ein eigenes Haus möchte, auf Miete wohnen war nie eine Option – dachte ich. Zu Beginn der Mittelstufe musste ich wochentags früh morgens am Bahnhof stehen, um in die Stadt zu fahren. Nun beneidete ich meine Mitschüler, die morgens länger schlafen, oder in der Mittagspause kurz heimgehen konnten, weil sie in der Stadt wohnten. Nach Schulschluss musste ich rennen, um den Zug nach Hause noch zu bekommen, oft genug verpasste ich ihn auch. Hinzu kamen die üblichen Verspätungen der Bahn oder sogar Zugausfall. Ich hatte nie wieder so häufig Migräne, wie zu meiner Schulzeit.

In der Oberstufe hatten wir stellenweise Stundenpläne, die nachmittags zwei Freistunden vorsahen, um dann nochmal zwei Stunden Sport zu beinhalten – dass ich in Sport nur drei Punkte wegen meiner seltenen Anwesenheit hatte, brauche ich nicht zu erwähnen. Auch abends weg gehen war nur mit Hilfe meiner Eltern möglich, denn selbst die Achtuhrvorstellung der Kinos endete zu spät, um noch mit dem Zug heim fahren zu können. Netterweise holte mich mein Vater immer und zu jeder Uhrzeit ab.

Dann machte ich meinen Führerschein und begann mit der Ausbildung. Ich musste zwar auch weiterhin fahren, war aber durch den Führerschein sehr viel flexibler. Meine erste Arbeitsstelle war 30 km einfache Fahrt über Landstraße entfernt. Morgens und abends hatte ich jede Menge Lastwagen vor mir, im Winter häufig Glatteis. Doch dann bekam ich die Möglichkeit, in der nächstgelegenen Stadt zu arbeiten. Zeitgleich wurde eine Wohnung direkt gegenüber der Arbeitsstelle frei und mein Mann (der ebenfalls auf dem Land aufgewachsen ist) und ich wohnten zum ersten Mal in der Stadt zur Miete. Durch glückliche Fügungen ergab sich für meinen Mann eine Stelle beim selben Arbeitgeber und wir begannen das Stadtleben in vollen Zügen zu genießen. Morgens zwei Minuten Arbeitsweg zu haben, alle Geschäfte in greifbarer Nähe, abends weg gehen können wann immer man möchte war für uns wie im Paradies. Nachdem unsere Tochter geboren wurde, zogen wir noch einmal zwei Straßen weiter in eine größere Wohnung in einer etwas ruhigeren Lage.

In dieser Wohnung wohnen wir auch jetzt noch. Eigentlich ist alles perfekt: 200 Meter Arbeitsweg, 500 Meter bis zum Kindergarten, die Omas sind beide je fünfzehn km entfernt und springen im Notfall jederzeit ein. ABER wir haben keinen Garten und das vermisse ich schon ab und an. Ich habe immer davon geträumt, möglichst viel Obst und Gemüse selber anzubauen, nun versuche ich wenigsten etwas davon auf dem Balkon umzusetzen. Einfach mal die Tür öffnen und die Tochter im Garten spielen lassen, wäre sicher oft eine große Erleichterung. Unsere Stadt hat viele schöne Spielplätze und einen großen Park in unmittelbarer Nähe, aber manchmal kommt eben doch der Wunsch nach etwas Eigenem hoch.

Meine Eltern haben ein so großes Grundstück, dass ein weiteres Haus locker darauf Platz finden würde. Da wir nicht jünger werden, sollten wir die Entscheidung für oder gegen ein eigenes Haus nicht zu lange vor uns herschieben. Doch momentan kann ich mich einfach noch nicht festlegen. Zu sehr genieße ich den Luxus des kurzen Arbeitsweges und unseren dadurch sehr stressfreien Alltag.

Wo lebt Ihr? In der Stadt oder auf dem Land? Seit Ihr mit Eurer Entscheidung zufrieden? Ich bin gespannt auf Eure Meinung

Passend zum Thema auch vergangene Artikel zum Leben in der Stadt , Kulturschock eines Landkindes und über die unterschiedliche Erziehung in der Stadt und auf dem Land.

Alles Liebe

Eure Rebekka