Schwanger nach Fehlgeburt

regenbogenkind, Kinderwunsch nach Fehlgeburt

Als ich im Sommer 2009 meinen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war ich überglücklich und machte mir gar keine Gedanken darüber, dass irgendetwas schief gehen könnte.

Als meine Freundin keine vier Wochen später ebenfalls positiv testete, war die Freude riesig und wir schmiedeten Pläne, was wir alles gemeinsam mit unseren Kindern machen würden.

Keine Woche danach bekam ich Blutungen und fuhr mit meinem Mann ins Krankenhaus um nachschauen zu lassen. Welch Glück, das Herzchen schlug noch und alles war ok.

Doch 2 Tage später bekam ich abends plötzlich Krämpfe, die stärker waren als normale Menstruationsschmerzen. Ich hatte kein gutes Gefühl, wieder fuhren wir in die Klinik und nach dem Ultraschall meinte der Gynäkologe zu mir: „Es tut mir leid, aber eine Schwangerschaft ist nicht mehr vorhanden“.

Ich sollte die Nacht über in der Klinik bleiben und am nächsten Morgen ausgeschabt werden. Nach langem Hin und Her durfte ich die Nacht zu Hause verbringen, aber der Termin zur Ausschabung am nächsten Morgen war fix.

Nur 8 Wochen nach der Ausschabung war ich wieder schwanger, doch es war nur eine Fruchthöhle vorhanden und ich musste wieder zur Ausschabung.

Die nächsten Wochen und Monate waren schrecklich. Ich wurde und wurde nicht wieder schwanger, ich heulte jeden Monat, wenn ich meine Tage  bekam. Gefühlt wurde um mich herum jede Frau schwanger, nur ich nicht. Der Bauch meiner Freundin wuchs und wuchs, nichts war es mit dem gemeinsamen Kinderwagen durch die Stadt schieben. Als ihr Sohn geboren wurde, besuchte ich sie im Krankenhaus und weinte, auch wenn ich mich sehr für sie gefreut habe. Zum Glück verstand sie mich und was in mir vorging.

Lange, lange 7 Monate nach meiner zweiten Ausschabung hielt ich an Christi Himmelfahrt wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. In meiner Verzweiflung waren wir zuvor schon zu einem Informationsgespräch in einer Kinderwunschklinik gewesen und mein Mann lies ein Spermiogramm machen, welches aber absolut in Ordnung war.

Das Witzige war, dass ich es vor dem Test schon ganz sicher wusste, dass ich schwanger bin, ich wusste, als wir vom Urlaub nach Hause fuhren, dass ich ein kleines Urlaubssouvenir dabei haben würde. Und so war es dann auch.

Die Freude von mir und meinem Mann hielt sich in Grenzen, wir trauten uns gar nicht, uns über die Schwangerschaft zu freuen, zu groß war die Angst vor einem dritten Abort.

In der 8. Woche bekam ich auch in dieser Schwangerschaft Blutungen. Ich wurde sofort zur Bettruhe verdonnert und bekam Progesteronzäpfchen (Gelbkörperhormon) verschrieben.

Nach langen 4 Wochen Schonung war zum Glück alles überstanden, das kleine Herzchen schlug noch kräftig und ich wusste bereits vor dem „Outing“, dass es ein Mädchen sein würde. Eine Siegerin! Somit war dann auch ihr Name klar 😉

Richtig genießen konnte ich die Schwangerschaft nicht, es blieb immer die Angst, dass noch etwas schief gehen könnte.

Als sich mein Mädchen in die Beckenendlage drehte und ein Kaiserschnitt im Raum stand, den ich nie haben wollte, versuchten wir es mit dem sog. Moxen, dass sie sich dreht. Tat sie aber nicht.

Für die äußere Wendung fehlte mir der Mut, ich war dann davon überzeugt, dass es sicher einen Grund hatte, wenn mein Mädchen nicht spontan zur Welt kommen möchte.

Als ich dann mein gesundes Mädchen nach dem Kaiserschnitt im Arm hatte, wurde ich mit meinen beiden Fehlgeburten versöhnt. Auch bin ich „dankbar“ dafür, dass die Aborte so früh in der Schwangerschaft waren. Es war so schon schlimm genug, und ich empfinde tiefes Mitgefühl für die Frauen, die ihre Kinder in einer fortgeschrittenen Schwangerschaft gehen lassen müssen oder gar ihre Kinder tot zur Welt bringen.

Als ich 2012 mit meinem Sohn schwanger wurde, bekam ich sofort Progesteronzäpfchen. Ich hatte eine absolut problemlose Schwangerschaft, die ich in vollen Zügen genossen habe. Bei der Geburt wurde mir dann klar, warum mein zartes Mädchen sich in BEL gedreht hatte: Ich habe einen Beckenschiefstand, und mein Mädchen hatte mit ihren 2850g gar keine Kraft, durch das Becken zu kommen. Selbst mein 3500g schwerer Sohn schaffte es nicht alleine und wurde mit Hilfe der Saugglocke geholt.

Den Grund für meine Fehlgeburten weiß ich bis heute nicht, aber sehr wahrscheinlich spielte eine Gelbkörperschwäche eine Rolle.

So sehr ich mir nach den Fehlgeburten ein Kind wünschte, so groß war die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt. Es erfordert irgendwie auch Mut, sich wieder auf eine Schwangerschaft einzulassen.

Im Nachhinein war es gut, dass es relativ lange gedauert hatte, bis ich mit meiner Tochter schwanger wurde, denn auch die Seele muss sich von einer Fehlgeburt erholen, so blöd es auch klingt. Ich glaube, ich war früher gar nicht wirklich bereit für eine erneute Schwangerschaft, ich musste die Fehlgeburten erst verarbeiten.

Wie sind eure Erfahrungen mit einer Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt?

Konntet ihr die Schwangerschaft genießen oder hattet ihr Angst?

Liebe Grüße

Nadine