Fehlgeburt – wenn ein Leben zu früh endet Teil 1

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Heute möchte ich euch eine Geschichte erzählen,  die ich vor einigen Wochen erlebt habe. Ich habe ein Kind erwartet. Ich war in der 16. Schwangerschaftswoche.  Es war ein Gefühl. Ein Gefühl,  dass etwas nicht stimmt.

Ja, ich hatte das Gefühl, ich trage einen Stein im Bauch. Es ziepte mal hier und da, aber ich habe mir immer wieder gesagt,  dass dies normal sei. Das war an einem Sonntag.  Am Montagmorgen brachte ich meine zwei Großen zur Schule und zur Kita und dann rief ich in der Arztpraxis an.

Auf mein Drängen durfte ich sofort vorbeikommen.  Nach einer kurzen Wartezeit musste ich mich im Behandlungsraum auf die Liege legen. Eine Arzthelferin kam mit dem Fetaldoppler. Sie fuhr mit ihm über meinen Unterbauch und suchte den Herzschlag.  Doch vergeblich.

Sie redete davon, dass sie einen schlechten Tag habe und der Arzt gleich schauen käme. Tief in mir wusste ich bereits, dass da kein Leben mehr war und so liefen mir die Tränen still und leise die Wangen herunter. Mein Gynäkologe untersuchte mich,  und auf dem Ultraschall war mein Kind zu sehen.  Er schallte lange und ausführlich,  maß mein Kind aus und sagte nicht ein Wort.

Erst zum Ende der Untersuchung hörte ich seine Worte : “Es tut mir sehr leid,  ich kann keine Herzaktivitäten mehr feststellen, die Größe entspricht noch ungefähr der 16. Schwangerschaftswoche,  das Herzchen hat also noch nicht lange aufgehört zu schlagen.”
Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Es wurde plötzlich so real.

Mein Kind war tot. Mein Gefühl war richtig.  Ich fühlte mich leer. Nachdem ich mich wieder angezogen hatte,  erklärte mein Arzt mir, was mir nun  bevorstand. Ich sollte ins Krankenhaus,  dort würde man die Geburt künstlich einleiten.  Die Geburt könne ein bis zwei Tage dauern.

Ich war wie gelähmt.

Ich bekam einen Überweisungsschein und ging wie in Trance zum Auto. Am liebsten hätte ich meinen Schmerz,  der mich innerlich fast zerriss, laut herausgeschrien. Doch ich hatte keine Stimme.

Ich saß gut eine halbe Stunde im Auto und starrte vor mich her. So vieles ging in meinem Kopf vor. Immer wieder diese Frage : War es meine Schuld? Hatte ich zu schwer gehoben,  zuviel gearbeitet,  wann war es passiert?  Regte ich mich zu sehr auf, über Dinge, die mir in diesem Moment völlig nichtig erschienen?

Oder war das kleine Würmchen krank? Immer wieder schüttelten mich Weinkrämpfe, doch irgendwann verebbten die Tränen.

Als ich mich weitestgehend gefasst hatte, versuchte ich meinen Mann zu erreichen.  Doch er ging nicht ans Mobiltelefon.

Was mache ich mit den Kindern?  Ich rief meine Schwiegermutter an, die brach am Telefon gleich in Tränen aus und versprach mir,  sich gut um die Kleinen zu kümmern und sie aus der Kita und der Schule abzuholen.

Endlich erreichte ich nun auch meinen Mann. Der war völlig geschockt und fuhr sofort nach Hause. Auch ich fuhr langsam nach Hause. Vor dem Haus trafen wir uns.  Eine stille Umarmung,  dann gingen wir herein und ich packte meine Tasche. Was würde mir nun bevorstehen? Es würde das Wunder der Geburt sein, wenn auch einer sehr stillen und kleinen Geburt. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.  In diesem Augenblick war da nur die Angst vor dem, was nun kommen mag. Und die Angst vor dem Schmerz des Loslassens, denn das würde ich nun viel zu früh tun müssen.

Wie es mir im Krankenhaus erging, könnt ihr in Teil 2. und Teil 3. meines Erfahrungsberichts erfahren.

Liebe Grüße
Yvonne