Das böse Wort und der Besuch

beleidigen, kind, Schimpfwort

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meinen Artikel darüber; als mein Sohn (4 Jahre damals) keinen Besuch wollte. Das ist nun mittlerweile ein dreiviertel Jahr her. Das Thema ist soweit durch und mein Sohn freut sich wieder über jeden Besuch. Glücklicherweise, denn ich habe sehr gerne Besuch von lieben Menschen.

Leider benimmt er sich dabei aber nicht immer so, wie ich mir das wünsche. Kennt ihr das? Dann könnt ihr bestimmt meinem heutigen Artikel nachfühlen :-).

Einmal im Jahr besucht uns mein Bruder aus England. Darauf freue ich mich natürlich riesig. Meine Kinder haben sich auch sehr gefreut (fast 5 und fast 2) und bekamen Geschenke.

Doch dann drehte mein Sohn zusehends auf, zugegen er war übermüdet, da er die Nacht zuvor einen Pseudokruppanfall hatte, sodass er bereits sehr angeschlagen war und Cortison nehmen musste. Sein neues Lieblingswort handelt dann dazu noch von dem männlichen Geschlechtsteil und allein diese Infos reichen vermutlich für euch, um zu erahnen wie der Nachmittag verlaufen ist.

Ich habe das Wort ca. 1.000.000 Mal gehört , versucht zu ignorieren ;-), der junge Mann war frech wie sonst was, überdreht, unruhig, am Rumrennen, wild und eigentlich einfach komplett außer Rand und Band. Immer wieder mal hat er total toll gespielt, aber sein Lieblingswort war leider allgegenwärtig.

Das war mir einfach so unangenehm und hat mich wirklich sehr gestresst. Aber im Nachhinein weiß ich gar nicht wieso ich mich darüber so „aufgeregt“ habe. Vermutlich weil ich das Gefühl der Scham so in mir trage und man “solche Wörter” eben sonst nicht so sagt. Mein Mann ist viel ruhiger und kann darüber sogar schmunzeln und es in völliger Ruhe ignorieren.

Ich wirke auch sehr ruhig, aber innerlich war ich schon wirklich extrem gestresst und am Abend komplett am Ende. Ich denke das liegt auch daran, dass ich Medikamente gegen das Erbrechen in meiner Schwangerschaft bekomme und die mich auch sehr müde machen. Dennoch glaube ich sehe ich es manchmal vielleicht zu eng mit seinem Benehmen, wenn andere Menschen da sind. Auch ist es mir immer im Allgemeinen viel zu wichtig, was andere Menschen für einen Eindruck von mir haben. Und das ist eigentlich auch einfach nur mein Problem und nicht das meines Kindes.

Er ist noch nicht mal ganz 5 Jahre alt und mein Bruder und ich waren als Kinder auch ziemlich frech und lustig ;-). Je länger ich darüber nachdenke, desto normaler empfinde ich das Verhalten meines Kindes. Er war aufgeregt vor Freude über so viel tollen Besuch und Geschenke und drehte einfach sehr auf.

Ich versuche mich nicht mehr innerlich so zu stressen, denn nur weil ich gerne alles perfekt habe, kann ich nicht von meinen Kindern perfektes Benehmen erwarten.

Kinder sollen wild und frech und lustig sein und ganz viel spielen. Wenn ich bei Freunden zu Besuch bin, bin ich viel nachsichtiger mit den Anderen, nur ich selbst erwarte von mir immer die gesamte Perfektion. Und genau da liegt auch mein Problem, denn das ist es, was mich stresst!

Eine Woche später lief ich im Übrigen über den Schulhof und hörte Erstklässler, die sich gegenseitig zuriefen:

„Schau mal schnell ! Ich hab einen Riesenpenis aus Schnee gebaut ! Meiner ist viel größer als deiner da drüben, haha!“

Ich ging mit einem Lächeln nach Hause :-). Seid ihr manchmal auch zu streng mit euch selbst? Zum Beispiel im Haushalt? Auch hier erwarte ich von mir selbst immer die Sauberkeit und Ordentlichkeit in Perfektion, aber bei Anderen bin ich locker und nachsichtig.

Lieber Gruß,

Jasmin