Muss ich mit meinem Kind spielen?

„Mama, spiel mit mir.“ Schon einige Male habe ich diese Worte verflucht, hätte mich am liebsten in Luft aufgelöst oder mich mit einer Tasse Kaffee auf eine einsame Insel gewünscht. Was mir an manchen Tagen beinahe lästig erscheint, ist für unsere Tochter ein Grundbedürfnis.

Nur zu gut erinnere ich mich an meine eigene Kindheit und daran, wie wichtig es mir war, mit meiner Mutter zu spielen. Ich erinnere mich auch an das Alter, in dem ich dann plötzlich lieber alleine spielen wollte. Dieses Alter ist gar nicht mehr so weit von dem unserer Tochter entfernt. Daher genieße ich unsere gemeinsame Spielzeit, in der ich selbst wieder zum Kind werden darf.

Ich spiele immer mit unserer Tochter, stelle meine Ruhepause oder den Haushalt dafür gerne hinten an. Wichtig ist dabei, dass ich mich voll und ganz auf unser Spiel einlasse und nicht abgelenkt bin.

An dieser Stelle darf ich meinen Mann nicht unterschlagen, denn  auch er  spielt gerne und mit viel Freude mit unserer Tochter. Es ist schön zu beobachten, dass die Beiden ihre ganz eigenen Spiele haben, die sich von denen, die unsere Tochter mit mir spielt, unterscheiden.

Neben dem reinen Spielvergnügen gibt es noch einige Gründe, die dafür sprechen, dass ich viel und gerne mit meiner Tochter spiele. Spielen ist Kommunikation und Lernen. Sie beobachtet mein Verhalten in verschiedenen Situationen ganz genau, übernimmt sprachliche Formulierungen und lernt, die Welt zu begreifen. Ich lerne beim gemeinsamen Spiel mit ihr, das Leben wieder mehr aus Kinderaugen zu sehen und kann ihre Entwicklungsschritte schneller erkennen. Häufig spielt sie Situationen, die sie aktuell in ihrem Alltag bewegen nach und verarbeitet sie so.

Auch Gesellschaftsspiele sind hier sehr beliebt. Dabei lernt unsere Tochter verschiedene Regeln kennen, kann sich aber auch eigene Regeln ausdenken und Spiele dadurch verändern. Es gibt Spiele, bei denen es einen Sieger gibt und Spiele, bei denen als Team zusammen gespielt wird. Nicht zuletzt werden Fähigkeiten, wie Zählen, Rechnen oder Farberkennung gefördert.

Auch freies Spiel ist wichtig, damit unsere Tochter ihre ganz eigenen Erfahrungen machen kann. Dafür stelle ich ihr gerne alle möglichen Materialien zum experimentieren zur Verfügung. Am liebsten nutzt sie Wasser und Farben. Damit kann sie sich stundenlang beschäftigen. Sie tropft verschiedene Farbtöne in eine Schüssel Wasser, sieht zu, wie neue Farben entstehen und lernt dabei, welche Farben sie benötigt, um eine andere zu mischen. Auch eine Schüssel Knöpfe, ein paar Steine, Sand oder Äste sind beliebte Dinge, mit denen sie sich gerne alleine beschäftigt.

Kontakt zu anderen Kindern hat sie bei regelmäßigen Treffen mit Freunden und im Kindergarten. Beim Spiel mit Kindern lernt sie, sich selbst zu Behaupten und ihre Meinung vertreten, Konflikte zu lösen und sich auch einmal von einer anderen Sichtweise überzeugen zu lassen.

Entscheidend ist meiner Meinung nach ein ausgewogenes Verhältnis von Spielen mit den Eltern, freiem Spiel und Spiel mit anderen Kindern. So lernt unsere Tochter eine Vielfalt an Spielsituationen, die sie auf das „richtige Leben“ überträgt und förderlich für ihre gesunde Entwicklung sind.

Ob beim Spielen im Haus oder in der freien Natur, eines sollte nicht vergessen werden: Spielen braucht Zeit! Heutzutage ist der Terminkalender oft voll gepackt, selbst kleinste Kinder haben schon eine Vierzig-Stunden-Woche. Umso wichtiger ist es, die wenige, verbleibende Zeit möglichst frei zu gestalten und den Kindern Raum zum Spielen zu geben.

Welche Spiele sind bei Euren Kindern gerade besonders beliebt?

Alles Liebe

Eure Rebekka