Mein Kind will keine Zähne putzen

kind weigert sich zähne zu putzen, muss mein Sohn Tochter täglich putzen

Als mein Sohn seinen ersten Zahn bekommen hat, war er 4 Monate alt. In einem Alter also, in dem die meisten Kinder bei der Körperpflege noch ruhig am Wickeltisch liegen bleiben. Das Zähnchen wurde mit einem feuchten Wattestäbchen gereinigt und ich war glücklich.

Die nächsten Zähne ließen nicht lange auf sich warten. Das Reinigen mit dem Wattestäbchen und später auch mit einer ersten Zahnbürste klappte ausgezeichnet – mein Sohn fand es lustig, ich war zufrieden und fragte mich, warum sich nur alle Mütter in meiner Umgebung so über das Zähneputzen beschwerten.

Umso größer das Erstaunen, als mein Sohn zum ersten Mal die Lippen zusammenpresste, als er die Zahnbürste sah.

„Nun gut“, dachte ich. Vielleicht hat er heute einen schlechten Tag. Vielleicht kommt ein neuer Zahn und das Putzen tut weh. Das Erstaunen wuchs, als sich das „Lippen-zusammenpressen“ auch die nächsten Tage wiederholte.

Aus Erstaunen wurde Unsicherheit, wurde Wut, wurde Verzweiflung, wurde Stress. Zähneputzen muss man. Zähneputzen ist wichtig. Keiner will schwarze, gelbe, kaputte oder verfaulte Zähne. Das macht man einfach so.

Warum nur versteht mein Sohn das nicht? Wo ich es doch gefühlte tausende Male erklärte. Erst geduldig, später nicht mehr so sehr.

Oma wurde um Rat gefragt. „Naja, du musst ihm die Hände halten und dann eben einfach putzen. Wenn es nicht anders geht, dann muss das mit Zwang sein. Das macht man eben so.“

Armer Kerl, dieser „man“. Was der alles muss.

Ich war ratlos. Hände festhalten und die Zahnbürste mit Gewalt in den Mund rammen – nein, das konnte ich mir nicht vorstellen. Abgesehen davon, dass ich dafür mindestens 3 Hände mehr benötigen würde, widersprach dieses Vorgehen auch jeglichem Bauchgefühl.

So begann ich, Abwechslung in den Zahnputzalltag zu bringen. Ich stellte mich mit meinem Sohn am Arm vor einen Spiegel und versuchte spielerisch den Mund zu öffnen und die Zähne zu putzen. Und siehe da, es klappte. Nicht so lange und nicht so ausführlich, wie ich mir das gewünscht hätte, aber fürs Erste schon ganz gut.

Am nächsten Tag ging ich mit meinem Sohn am Arm durch das Haus. Während ich ihm sämtliche Bilder, Fotos und Gegenstände zeigte und erklärte, konnte ich unbehelligt seine Zähne putzen.  Noch abends auf der Couch konnte ich das Gewicht auf meinem Arm spüren, aber hey, die Zähne waren sauber.

So wurde jeder Morgen und jeder Abend zum Abenteuer. Putzen im Liegen, Putzen im Sitzen, Putzen beim Gehen, Putzen nackt, Kind putzt die Zähne der Mutter, Putzen beim zeitgleichen Schauen eines Zahnputzsong für Kinder, Putzen mit Singen, Putzen mit Tanzen.

Irgendwann begriff ich, dass die Welt nicht untergeht, wenn die Zähne einen Tag oder auch mal zwei nicht geputzt werden. Entspannung machte sich breit und seitdem funktioniert es ohne Probleme.

Wie war das bei euch? Hattet ihr auch den einen oder anderen “Zahnputzkampf” oder seid ihr davon verschont geblieben?

Eure Kristina