Eiszeit bei Freundschaften

Freundschaften als mutter, mama blog, keine zeit

Ich hatte nie viele Freunde. Eine Handvoll vielleicht, dafür aber richtig gute Freunde. So dachte ich zumindest.

Als ich meinen beiden besten Freundinnen erzählte, dass ich schwanger bin, hätten die Reaktionen unterschiedlicher nicht sein können.

Wo die eine mich Freude strahlend umarmte, traf ich bei der anderen am Telefon auf das große Schweigen.

„Gut, sie ist überrascht“, dachte ich mir.

Im Laufe der Schwangerschaft war unsere Freundschaft dann wie immer. So wie die letzten 10 Jahre, in denen wir gemeinsam durch Freud und Leid gegangen waren und in denen ich dachte, dass das immer so weitergeht. Es ging weiter bis zur Geburt meines Sohnes.

Mein Sohn wurde im Juli geboren und meine beste Freundin besuchte uns im Krankenhaus. Das nächste Lebenszeichen von ihr bekam ich im September zu meinem Geburtstag.

In diesen zwei Monaten hat sich mein Leben komplett verändert. Ein kleines Wesen, um das sich alles drehte, war bei uns eingezogen. Mein Mann ist beruflich jeden Monat mindestens zwei Wochen am Stück weg, so war ich nach der gemeinsamen Anfangszeit weitgehend auf mich alleine gestellt.

Zwischen Windeln wechseln, füttern, baden, Arztbesuchen und schlafen, wann immer es möglich war, spielte sich mein neuer Alltag ab und ein.

Ich konnte am Ende des Tages kaum die Energie aufbringen, den Pizza-Lieferservice anzurufen, geschweige denn stundenlang mit einer Freundin am Telefon zu plaudern.

Wenn ich eines gelernt habe in dieser Anfangszeit, dann dass man in den ersten Babymonaten darauf angewiesen ist, dass Freunde sich bei einem melden, wenn man es selbst nicht schafft.

Meine vermeintlich beste Freundin hatte sich nicht gemeldet und das tat unglaublich weh. Als sie mich zu meinem Geburtstag besuchte, war sie überrascht, dass mein Sohn sich von ihr nicht nehmen lassen wollte. Daraufhin verlor sie das Interesse und von den drei Stunden, die sie bei mir war, erzählte sie mir 2,5 Stunden von ihren Problemen in der Arbeit, in der Liebe, mit ihrer Familie. Und sie präsentierte mir einen Haufen Ausreden, warum sie sich die letzten Monate nicht gemeldet hatte.

Ich fragte mich, wer eigentlich dieser Mensch war, der da vor mir saß. Als sie weg war, hatte sie mir mit ihren Dramen auch noch das letzte bisschen Energie ausgesaugt. Ich musste feststellen, dass ich im Moment überhaupt kein Interesse an solchen, für mich, banalen Dingen hatte. Außerdem musste ich feststellen, dass seit der Geburt meines Sohnes Welten zwischen mir und meiner Freundin lagen.

In den kommenden Monaten gewöhnte ich mich langsam an den Babyalltag, vieles wurde zur Routine und ich hatte wieder mehr Zeit und Energie.

Allerdings verwendete ich das bisschen Zeit darauf, die Freunde zu kontaktieren, die mich auch während den ersten, anstrengenden Babymonaten nicht vergessen hatten.

Bei meiner besagten Freundin meldete ich mich sehr selten, aber ich meldete mich bei ihr.

Meistens kamen nur kurze Antworten zurück, immer die Betonung darauf, wieviel Stress sie doch gerade habe.

Ich resignierte. Ich beschloss, wenn sie sich das nächste Mal melden und wir uns treffen würden, ein Gespräch mit ihr zu führen um herauszufinden, was passiert war.

Aber sie meldete sich nicht mehr.

Erst ungläubig und traurig, später wütend, nahm ich zur Kenntnis, dass sie kein Interesse mehr an mir hatte.

Dann kam der 1. Geburtstag meines Sohnes. Meine Freundin meldete sich auch an diesem Tag nicht. Keine Glückwünsche, kein Anruf, keine SMS.

Das war für mich der Tag, an dem unsere langjährige Freundschaft beendet war. Es tat weh, und wie es wehtat.

Aber ich habe für mich beschlossen, dass ich in meinem Leben keinen Menschen brauchen kann, der mich vergisst, sobald ich mich nicht mehr zu 100% auf ihn konzentrieren kann.

Es hat eine Zeit lang gedauert, aber mittlerweile kann ich an sie denken, ohne dass mich Zorn überkommt oder ich wehmütig an die vielen Jahre mit ihr zurückdenke. Es ist schade, dass unsere Freundschaft so geendet hat, aber es ist wie es ist. Und mittlerweile ist es für mich in Ordnung.

Wie war das bei euch, als ihr Mama geworden seid? Haben eure Freundschaften gehalten? Oder gab es bei euch auch Eiszeiten?

Eure Kristina