Ängste als alleinerziehende Mama

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Plötzlich bist du schwanger. Unverhofft oder schon freudig erwartet. Du siehst den Teststreifen ungläubig an oder voller Freude. Es kommen ganz gemischte Gefühle in dir hoch. Plötzlich sind da auch gleich Sorgen und Ängste, die sich zu deinen anderen Gefühlen mischen. Deine Emotionen und Hormone beginnen mit der Achterbahnfahrt.

Jede Geschichte ist anders und ganz einzigartig. Heute möchte ich euch meine Geschichte erzählen. Ich bin eine alleinerziehende Mama. Der Grund dafür ist ganz simpel, und doch genauso kompliziert. Ich konnte mir mit dem Vater meines Kindes nicht mehr vorstellen eine Beziehung zu führen oder gar eine Familie zu gründen bzw. zu sein. Menschliche Beziehungen sind etwas sehr Komplexes und Kompliziertes. Es gab viele Verletzungen, vermutlich auf beiden Seiten. Dennoch war für mich klar, dass ein Revival der Beziehung für mich nicht mehr in Frage kommt. Dafür war für mich zu viel vorgefallen.

Ich war zum Zeitpunkt, als ich von meiner Schwangerschaft erfuhr, gerade mitten in meinen Vorbereitungen für mein erstes Staatsexamen. Es hat mich eiskalt erwischt. Ich musste den ganze Tag  lernen. Erst für meine schriftlichen Prüfungen, danach für meine ganzen mündlichen Prüfungen. Ich konnte mich am Anfang nicht mit all den Ängsten auseinandersetzten, wie es in meiner Vorstellung andere werdende Mütter tun. Ich war in den ersten 4 Monaten meiner Schwangerschaft damit beschäftigt, meine Ängste bezüglich meines Examens zu bewältigen. Hinzu kam noch meine extreme Müdigkeit, die mich nur 1 Stunde lernen lies und dann wieder für 3 Stunden ans Bett fesselte. Für mich war meine Schwangerschaft am Anfang noch nicht sehr präsent. Wobei es wohl vielen Frauen so geht, wenn sich der Bauch noch nicht zeigt und man die Kindsbewegungen noch nicht spürt.

Nachdem meine Prüfungen alle erfolgreich bestanden waren, hatte ich endlich Zeit, mich mit meiner Schwangerschaft zu beschäftigen. Ich hatte auch mittlerweile eine recht runde Kugel, die ich voller Stolz und Liebe vor mir her trug.

Zerstörte Träume
Das war für mich wohl der Punkt, der mir persönlich am Meisten Schwierigkeiten machte. Ich bin aufgewachsen mit beiden Elternteilen. Meine Eltern sind immer noch verheiratet. Das war, was ich kannte. In meiner Vorstellung, wie mein Leben verlaufen sollte, war niemals die Möglichkeit aufgetaucht, dass ich mal alleinerziehend sein würde. Ich hatte Angst davor, dass mein Kind nicht so aufwächst, wie ich es kannte. Ich empfand es beängstigend in einer Situation zu sein, die ich aus meinem Leben bisher so nicht kannte. Es machte mir unheimliche Angst. Wie sollte das funktionieren?

Es klingt womöglich sehr komisch, doch ich trauerte um meine Träume. Ich weinte für mein Kind. Ich zweifelte an mir und fragte mich, ob ich nur aus selbstsüchtigen Motiven so handelte.

Das tat ich aber nicht. Ich reflektierte mich selbst. Ich würde immer anders wählen, wenn ich es im Bereich des Möglichen gesehen hätte und meinem Kind ein Aufwachsen ermöglichen, dass mir vertraut war. Ich handelte so, weil ich davon überzeugt war, dass es für mich und für ihn der richtige Weg war. Ich handelte so zum Wohle meines Sohnes. Er brauchte eine Mutter, die sich um ihn kümmern konnte. Er brauchte keine Mutter, die sich jeden Abend in den Schlaf weinte aufgrund von Sorgen, Verletzungen und Enttäuschungen.

Mit der Zeit begann ich, neue Träume zu träumen. Ich freute mich auf mein Leben mit meinem Kind. Ich verstand, dass es nicht zwangsläufig schlecht sein muss, dass er ein anderes Leben führt, als das Leben, das ich kenne. Für ihn wird es das Vertraute sein. Für ihn wird es das sein, was er kennt. Er wird eine Mutter haben, die ihn über alles liebt. Er wird eine starke Mutter haben. Er wird eine Mutter haben, die an der neuen, ihr ungewohnten und fremden Lebenssituation gewachsen ist und immer noch wachsen wird.

Werde ich das schaffen? Alleine?
Keiner, der einmal eine Windel wechselt. Keiner, der einem das weinende Kind abnimmt. Keiner, der dich in den Arm nimmt und sagt, du machst das gut, wenn die Selbstzweifel mal wieder überhand nehmen. Keiner, der deine Überforderung auffängt oder einfach einmal sagt: „Ich habe auch keine Ahnung, was wir machen könnten!“

Niemanden, der vor Stolz über dein Kind genauso platzen könnte wie du selbst.
Ich kann dir versichern: DU BIST NICHT ALLEIN!

Du wirst ein Kind haben. Glaub mir, du wirst dir wünschen, mal alleine zu sein. Beispielsweise auf Toilette! Du hast deine Familie und du hast deine Freunde. Es gibt immer jemanden, an den du dich wenden kannst. Es gibt immer jemanden, der dich in den Arm nimmt und dich hält, wenn du einmal traurig, müde oder überfordert bist. Es gibt sogar Menschen, die für dich da sind, womit du nicht gerechnet hast. Sie laden dich spontan ein. Sie grillen mit dir. Sie bringen dich zum Lachen. Du wirst neue Freunde finden. Mama-Freunde, mit denen du viele schöne Stunden erlebst. Mit denen du lachen wirst. Ihr werdet Geburtstage zusammen feiern und euch gegenseitig aufbauen. Im Internet gibt es viele wunderschöne Gruppen und du wirst schnell merken: Du bist nicht alleine. Alle haben im Großen und Ganzen die gleichen Probleme, Sorgen oder Nöte. Du bist nicht alleine! Glaub das bloß nicht!

Werde ich eine gute Mutter?
Die Frage aller Fragen. Ich glaube diese stellt sich jede Mutter. Ob man nun alleinerziehend ist oder in einer festen und stabilen Beziehung oder Ehe. Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Denn im Grunde ist es, als würde man versuchen in die Zukunft zu schauen. Wie wir alle wissen, ist das nicht möglich. Zumindest noch nicht. Das ist auch gut so. Es gibt nämlich nicht nur schwarz und weiß, nicht nur gut und schlecht.

Am Ende des Tages sind wir einfach Mütter. Mütter, die jeden Tag ihr Bestes geben. Mütter, die Windeln wechseln, Kinder baden, Kinder anziehen, Kindergarten- oder Schulbrote schmieren, Mittagessen und Abendessen kochen und noch so vieles mehr. Das Wichtigste ist, dass wir unsere Kinder lieben und auf ihr Wohlergehen achten. Es gibt auch Mütter, die diese Aufgaben, aus welchen Gründen auch immer, nicht erfüllen können. Dafür gibt es aber auch Hilfen.

Eure Kinder werden euch immer lieben. Sie werden euch vielleicht irgendwann mit Tränen in den Augen ansehen und sagen: “Mama bitte nicht schimpfen. Ich liebe dich!“ Bist du eine schlechte Mutter, wenn du weiterschimpfst? Du bist höchstwahrscheinlich einfach nur in dem Moment nicht empathisch. Bei mir kommt sofort der Impuls, mein Kind in den Arm zu nehmen und ihm zu sagen. „Ich liebe dich auch!“

Ein Fehler macht einen nicht automatisch zu einer schlechten Mutter.
Du wirst immer Fehler machen. Du bist nicht perfekt. Du wirst aber auch immer dazulernen und dich weiterentwickeln!

Was waren eure Ängste? Seid ihr alleinerziehend? Wie geht ihr mit euren Ängsten um?

Eure

Vanessa