Bedürfnisorientiert über Generationen

Ich selbst hatte nie Ur-Großeltern. Leider! Darum bin ich umso glücklicher, dass mein Sohn gleich zwei Ur-Omas und einen Ur-Opa hat.

Ich habe in meiner Kindheit sehr viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht. Hauptsächlich natürlich bei meiner Oma, denn mein Opa hat damals noch Vollzeit gearbeitet und war meistens nur abends zu Hause, wenn ich wieder bei meinen Eltern daheim war.

Ich habe ihn als sehr liebevollen Opa erlebt, aber was er wirklich für ein fantastischer, großartiger Mann ist, sehe ich erst jetzt bei meinem Sohn.

Es wird immer wieder berichtet über das Generationenproblem, dass ältere Leute nicht verstehen, wie wir heutzutage mit unseren Kindern umgehen. Dass wir doch strenger sein sollen, Grenzen setzen und generell nicht alles durchgehen lassen sollen.

Meine Großeltern definieren für mich das Wort „bedürfnisorientiert“ neu. Mindestens zweimal die Woche bin ich mit meinem Sohn bei ihnen. Er wird dort verwöhnt, respektiert und gleichwürdig behandelt. Unermüdlich laufen sie hinter ihm her, wenn er ihr Haus unsicher macht, im Schlafzimmer auf dem Bett herumhüpft oder sämtliche Bücher aus den Regalen holt.

Mein Opa holt regelmäßig alle alten Spielsachen aus dem Keller, die noch vorhanden sind. Er sitzt, mit meinem Sohn auf dem Schoß, in seinem Sessel und liest ihm aus Büchern vor, erzählt ihm Geschichten oder geht mit ihm durchs Haus und erklärt ihm jedes Foto an der Wand.

Ich kann immer nur über ihn staunen, denn auch wenn ich ihn wie gesagt, als sehr lieben Opa in Erinnerung habe, so hätte ich es nicht für möglich gehalten, mit welcher Geduld und welcher Freude er sich mit seinem Urenkel beschäftigt.

Niemals werden die Wünsche von meinem Sohn übergangen oder sein „Nein“ nicht beachtet. Er wird ernst genommen. Meine Großeltern reden respektvoll mit ihm und akzeptieren, wenn er etwas nicht möchte. Wenn mein Sohn – was vorkommt – Teller runterschmeißt, Essen auf dem Boden landet oder er etwas, das ihm nicht schmeckt, einfach ausspuckt, dann gibt es kein Schimpfen. Mein Opa lacht. Meine Oma nimmt achselzuckend einen Wischlappen und macht sauber.

Auch wenn es um Dinge geht, die von anderen älteren Leuten misstrauisch beäugt werden, wie etwa das Tragen im Tragetuch, so sind meine Großeltern auch hier total entspannt. Sie verstehen es nicht. So etwas hat man zu ihrer Zeit nicht gemacht. Aber sie akzeptieren es und niemals habe ich von ihnen ein negatives Wort darüber gehört.

Ein Familienbett hat es zu ihrer Zeit nicht oder nur selten gegeben. Sie finden es großartig, dass wir eines haben.

Wann immer ich genervt bin oder mich über meinen Sohn ärgere, versuche ich, ihn mit ihren Augen zu sehen und ich kann förmlich spüren, wie die Anspannung von mir abfällt.
Ich wünsche mir, dass mein Sohn und ich die beiden noch lange haben, und dass ich mir einiges von ihrer beiden Geduld und Gelassenheit aneignen kann.

Wie ist das bei euch? Haben eure Kinder noch Ur-Großeltern?

Eure Kristina

1 Kommentar

  1. Hallo.
    Wir haben wie du zwei Ur Omas und einen Ur Opa.
    Bei uns läuft es ähnlich wie bei euch ab, es zeigt auch von Respekt der Mutter(Enkel) das sie die heutige Erziehung akzeptieren.
    Genau so wie ich Respekt zeige und das Verständnis das es früher eben anders war.
    Bin sehr froh das er so ist wie es ist 😊

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