Der ganz normale Osterwahnsinn

Ostern satire

Disclaimer: Ein nicht ganz ernst zu nehmender Text über Ostern

Kaum sind die letzten Schoko-Nikoläuse aus den Regalen verschwunden, tauchen gefühlt wenige Tage später die ersten Schoko-Osterhasen auf.

Die letzten Weihnachtsgeschenke sind kaum geöffnet und die Kinder haben es gerade erst geschafft, mit jedem geschenkten Spielzeug einmal zu spielen, geht es in den Mamagruppen in den sozialen Netzwerken schon los. „Was schenkt ihr euren Kindern zu Ostern?“ Zu diesem Zeitpunkt sind die Antworten noch harmlos: „Ich weiß noch nicht, Ostereier auf jeden Fall.“

Soweit so gut. Zu diesem Zeitpunkt habe ICH es gerade geschafft, den Geburtstag meiner Tochter im Januar zu planen, die Einladungskarten zu schreiben und bin ganz glücklich, dass ich schon 5 Wochen vor ihrem Geburtstag wusste, was wir ihr schenken werden. Aber gut.

Um die Faschingszeit geht es dann zum Thema Ostern so richtig zur Sache. Während ICH mir noch überlege, ob ich es dieses Jahr endlich schaffe, während der Fastenzeit auf Süßkram zu verzichten, fragen andere Muttis schon nach Ostergeschenken??? An Fasching??? In dem Moment diskutieren ich mit meinem Mann darüber, ob wir am Rosenmontag auf die Prunksitzung im Ort gehen sollten. Somit müssten die Kinder eine Nacht bei Omi und Opa verbringen. Der Grippewelle sei Dank erübrigte sich diese Diskussion ziemlich schnell.

Ich lese weiter in den Mamagruppen und langsam frage ich mich, was zum Teufel mit mir nicht stimmt und wo ich falsch verkabelt wurde.

Es ist inzwischen der erste Sonntag, der Fastenzeit und vor lauter Ostergeschenken, veganer, zuckerfreier und kalorienarmer Schokoloade habe ich beim Lesen der Frage „Was schenkt ihr euren Kindern zu Ostern?“ glatt eine halbe Tüte Gummibärchen, 1 Riegel Schokolade und den Rest der Brausebonbons vom Umzug verdrückt. Also kein Zuckerfasten, was soll´s. Bleibe ich eben weiter zu klein für mein Gewicht. Es gibt Schlimmeres.

In mir regt sich das schlechte Gewissen. In weniger als 40 Tagen ist Ostern und ich habe noch keinen Plan, was ich meinen Kindern schenken werde.

Die drölfzig Mamas hingegen wissen es ganz genau: Ostereier, nur selbst gefärbt mit Roter Beete und die Eier nur vom Biohof im Nachbarort. Gaaaaaaaanz vielleicht etwas Schokolade, aber nur und ausschließlich vegan. Dazu die doch so sehnlichst gewünschte Ritterburg, Inliner, ein neues Fahrrad nebst Helm. Das sei zwar wenig, aber der Papa meinte, das würde reichen. Vielleicht aber kann man der Oma noch den Trettraktor unterjubeln. Das Kind braucht doch neue Spielsachen.

Im krassen Kontrast dazu dann die andere Fraktion: Ein paar Ostereier, ein Schokohase und neue Socken braucht das Kind ja auch. Das passt dann ganz gut und reicht vollkommen. Ist ja nicht Weihnachten.

Die Mamas fangen an, sich deswegen zu zerfleischen. Haben die denn sonst nix zu tun? Wenn ich weiterlese, werde ich zur Tonne. Mein Griff geht automatisch in die Chipspackung und ich überlege, ob ich mir dazu noch einen Rotwein öffnen soll. Nüchtern ertrage ich die ganze Aufbauscherei nämlich nicht mehr lange. Natürlich könnte ich auch einfach aufhören zu lesen, aber es ist wie bei einem Unglück: Man kann einfach nicht mehr wegschauen.

Ich beginne vor mich hin zu stammeln: „Fahrrad, Inliner, das Kind braucht ein Pferd, Ostern….“

Mein Mann fragt, ob ich getrunken habe.

Noch nicht. Aber wirklich, der Mann hat gute Ideen. Ich hole die Rotweinflasche inklusive Glas.

Die Mütter zerfleischen sich weiter. Mein Rotwein ist offen. Ich spiele mit dem Gedanken, ganz provokant zu fragen, ob sich die Liebe zu den Kindern am Wert der Geschenke messen lässt.

Schnell trinke ich meinen Rotwein,  und ehe ich auf dumme Gedanken komme, gehe ich lieber ins Bett.

Und nun die Frage aller Fragen: Was bekommen eure Kinder zu Ostern?

Liebe Grüße

Eure Nadine