Fehlgeburt – Fakten und Zahlen

Eine Fehlgeburt zu erleben prägt ein Paar sehr lange und lässt die Zeit anhalten. So groß war die Freude über die Schwangerschaft und das Baby, so stark ist die Trauer über den Verlust des Babys. Immer wieder berichten Betroffene davon, dass das Verständnis der Umwelt auf eine Fehlgeburt sehr gering ist und sich die Betroffenen missverstanden fühlen. Im heutigen Artikel stelle ich einige Fakten und Zahlen zu Fehlgeburten zusammen, um nicht nur Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind, sondern auch das Umfeld aufzuklären, wie häufig Menschen Fehlgeburten erleben müssen.

Was ist eine Fehlgeburt/ ein Abort überhaupt?

Eine Fehlgeburt ist eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft, die durch die Ausstoßung und bzw. oder das Absterben des Embryos oder Fetus unter 500 Gramm endet. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche wird das Baby als Embryo bezeichnet und ab der 13. Schwangerschaftswoche wird das Baby als Fetus bezeichnet.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fehlgeburt und einer Totgeburt?

Eine Fehlgeburt:

  • Schwangerschaft endet vor der 22.  bzw. bis zur  24. Schwangerschaftswoche
  •  Kind weist keine Lebenszeichen wie Atmung, Herzschlag oder Nabelschnurpuls vor
  •  Kind wiegt unter 500 Gramm

Eine Totgeburt:

  • Kind wird nach der 24. Schwangerschaftswoche tot geboren

Mein Arzt spricht von Windei. Was soll diese Bezeichnung?

Ärzte sprechen von einem Windei, wenn eine Schwangerschaft besteht, jedoch die Fruchthöhle leer bleibt und sich kein Embryo entwickelt. Im Ultraschall sieht man nur die leere Fruchthöhle, weil sich die Zellen nicht oder nicht vollständig entwickeln konnten. Diese Form der Fehlgeburt geschieht im zweiten Schwangerschaftsmonat in ca. 50-90 Prozent der Fehlgeburten.

Wie häufig kommen Fehlgeburten vor?

Prinzipiell kann man sagen, dass Fehlgeburten wirklich recht häufig vorkommen.

Oft jedoch finden Fehlgeburten unbemerkt statt, da die Blutung einsetzt, bevor die Frau die Schwangerschaft bemerkt hat. Bei Frauen unter 30 Jahren passieren Fehlgeburten in ca. 40 bis 70 Prozent der Fälle bereits vor Bemerken der Schwangerschaft. Das Risiko einer Fehlgeburt bei festgestellter Schwangerschaft liegt bei 11 bis 15 Prozent, also einem relativ geringen Prozentsatz.

Welche Ursachen von Fehlgeburten gibt es eigentlich?

  • Spontanabort: Fehlgeburt aufgrund natürlicher Ursachen
  • Künstlicher Abort: Fehlgeburt aufgrund Medikamente oder beispielsweise einer Abtreibung

Welchen Verlauf von Fehlgeburten gibt es?

  • Abortus imminens:  Eine drohende Fehlgeburt, beispielsweise eine Blutung vorliegt, jedoch die Schwangerschaft noch intakt ist. Hier kann durch Behandlung des Arztes ggf. eine Fehlgeburt noch abgewandt werden.
  • Abortus incipiens: Eine beginnende Fehlgeburt, die nicht mehr aufzuhalten ist. Dies kann durch Wehen oder das Platzen der Fruchtblase bemerkt werden.
  • Abortus incompletus: Die unvollständige Fehlgeburt, die in der Klinik beendet werden muss.
  • Abortus completus: Eine vollständig beendet Fehlgeburt.
  • Missed abortion: Dies bezeichnet den Tod des Embryos oder Fötus ohne Blutungen oder Wehen.
  • Abortus febrilis: Eine Fehlgeburt mit schwerem Fieber und Blutvergiftung. Diese ist lebensgefährlich für die Schwangere!
  • Habitueller Abort: Wiederholte Fehlgeburt (vorausgehend mind. zwei Fehlgeburten)

Gibt es Risikofaktoren für eine Fehlgeburt?

Alter, Rauchen, vorangegangene Fehlgeburt, Alkohol, Fieber, Koffeinmissbrauch oder auch ein Trauma können Risikofaktoren darstellen.

Wie wird eine Fehlgeburt erkannt?

Beim Ultraschall wird die Fehlgeburt erkannt, indem entweder eine beispielsweise leere Fruchthöhle entdeckt wird oder die kindliche Herzaktion ausbleibt. Falls eine eindeutige Beurteilung durch die Ultraschalluntersuchung nicht gewährleistet werden kann, wird das HCG (Schwangerschaftshormon) im Blut gemessen und kann so zur Beurteilung hinzugezogen werden. Ist die Fruchthöhle beispielsweise leer und das HCG zu niedrig für das Schwangerschaftsstadium kann dies den Fehlgeburtsverdacht bestätigen.

Wie wird eine Fehlgeburt therapiert?

Eine prinzipielle Antwort hierfür gibt es nicht, da es auf die Form und den Verlauf der Fehlgeburt ankommt. Die Therapie entscheidet individuell ein Arzt.

Es kann sowohl eine Ausschabung im Krankenhaus vorgenommen werden, in fortgeschrittenen Stadien wird das Kind auf normalen Wege geboren mit Begleitung einer Hebamme.

Bei ungewollt mehreren Fehlgeburten kann auch eine humangenetische Beratung bei einem geeigneten Mediziner hilfreich sein, um den Kinderwunsch zu erfüllen.

Wird mein Kind begraben?

 Hier wird wohl von den einzelnen Bundesländern unterschieden. Solange das Kind unter 500 g wiegt, könnte man das tote Kind rechtmäßig auch mit nach Hause nehmen und muss es nicht vom Bestatter abholen oder in einem Sammelgrab beerdigen lassen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Begräbnis: Sammelgrab, einzelnes Grab, Sternenbaum oder anderes.
Ich würde dazu raten Informationen im Krankenhaus und beim Bestatter einzuholen und dann individuell die beste Möglichkeit zu wählen.

Was ist ein Sternenkind? Und wer kann mir in meiner Trauer helfen?

Für die Kinder, die unter oder 500 Gramm tot geboren werden, wird oft die Bezeichnung “Sternenkind” verwendet. Im Internet finden sich auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten für Eltern von Sternenkindern, die man mithilfe einer Suchmaschine schnell finden kann.

Ebenso hilft es evtl. auch mit einer guten Freundin oder einem Familienmitglied über den Verlust und das Erlebte zu reden. Jemand, der verständnisvoll und einfühlsam für euch da sein kann.

Falls man eher gerne liest, gibt es auch Bücher zu Sternenkindern und dem Leben danach im Buchhandel zu finden.

Ich wünsche alle Betroffenen viel Kraft und Ruhe und, dass euer Umfeld voller Verständnis, Liebe und Einfühlsamkeit reagiert und für euch da ist.

Eure Jasmin